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Irgendwo in Scheunen und Garagen schlummern sie, gehütet von tapferen Oldtimerfreunden und aufbewahrt als Erinnerung an einen vergangenen Staat: Die Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und dem Roten Kreuz der Deutschen Demokratischen Republik.
In Beuster, nahe der Elbe in Sachsen-Anhalt, stehen sie stilgerecht auf dem Gelände einer ehemaligen LPG und werden vom Autoliebhaber Ralf von Hagen und seiner Familie gehegt und gepflegt.
Im Blaulichtmuseum Beuster lässt sich die Geschichte in automobiler Form erleben. Eine kleine Auswahl wollen wir davon zeigen.
In der großen Halle stehen zwei komplette Löschzüge und weitere Fahrzeuge der Feuerwehr der DDR.
Fast vollständig ausgerüstet und nahezu einsatzfertig sind sie erhalten. Doch zunächst zur Polizei.
Der Wartburg 311 war eines der ersten Fahrzeugen der Volkspolizei aus DDR-Produktion. Als Streifenwagen gehörte er in der DDR zum alltäglichen Straßenbild.
Daneben wurden zunächst Wolgas bei der Volkspolizei eingesetzt. Der M21 gehörte zu den ersten Modellen. Anfangs waren die Fahrzeuge nur mit einem Martinshorn ausgestattet.
Innen waren die Autos noch spartanisch ausgerüstet. Nur das Funkgerät erinnert an ein Staatsfahrzeug. Eine Besonderheit ist die durchgehende Sitzbank vorne.
Als Nachfolger kam der Wolga GAS 24 zu der Polizei der DDR. Die Autos stammen aus den Gorki-Autowerken. Größer und besser motorisiert, war dieses Fahrzeug bis in die sechziger Jahre hinein in Benutzung. Allerdings waren die Wolgas eher eine seltene Erscheinung.
Die MZ ETZ 250 F. Für die große Verkleidung, die gut vor Regen und Wind schützte, war das Leichtkraftrad mit 250 Kubik-Motor dahinter etwas schwach motorisiert.
Mit der Box am Heck, die das ungeliebte "Bitte folgen" einblendete, wurden Fahrzeuge angehalten. Die MZ war bis kurz nach der Wende auf der Straße unterwegs.
Der Barkas war die Allzweckwaffe unter den Amtsfahrzeugen. Bei der Polizei kamen verschiedene Versionen zum Einsatz. Dieser Transporter gehörte zum Unfalleinsatzkommando.
Mit der Schreibmaschine des Typs "Erika" wurden Verkehrsunfälle in Ballungszentren aufgenommen. Vornehmlich waren die Unfallkommandos in Berlin unterwegs.
Oder bei der Kriminaltechnik, wie der Barkas vorne. Er diente vornehmlich zum Transport von verhafteten Personen. Die Barkas-Transporter waren mit Dreizylinder-Zweitaktmotoren ausgestattet. Der leistete 43 PS und schaffte bis zu 100 km/h.
Dieses Fahrzeug wurde von der Verkehrspolizei eingesetzt. Vornehmlich wurden damit Kontrollen durchgeführt. Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit wollten die Beamten meist prüfen.
Verkehrssünder dürften unangenehme Erinnerungen damit verbinden.
Auf Basis des Kleintransporters Barkas wurde auch dieser Gefangenentransporter gebaut. Er wurde im Strafvollzug der DDR im Auftrag des Ministeriums des Innern eingesetzt. Er schleppte einen opulenten Aufbau mit sich herum.
Er beinhaltet fünf Zellen für Gefangene. Die etwas größere hinter der Fahrerkabine ...
... und vier kleinere im hinteren Teil des Aufbaus.
Ein Lada Niva WAS 2121. Er wurde wegen der höheren Geschwindigkeit ausschließlich auf den Transit-Autobahnen gefahren.
Die Ladas gab es natürlich auch bei der russischen Armee. Dieses Fahrzeug war für die Militärpolizei der Roten Armee im Einsatz.
Dieser Wartburg und der Barkas wurden nach der Wende umlackiert und waren noch für die gesamtdeutsche Polizei auf Streife.
Einer der beiden Feuerwehrzüge im Blaulichtmuseum Beuster ist ein S 4000-Löschzug. Das Drehleiterfahrzeug nennt sich DL 25.
Mit den Hebeln auf der rechten Seite wurde die Leiter bedient. Die Rundinstrumente links zeigen Höhe und Winkel der Leiter an. Das Besteigen war nur bis zu einer bestimmten Höhe und Winkel erlaubt. Maximal erreichte die Leiter eine Arbeitshöhe von 25 Metern.
Dazu gehört auch das Schlauchtransportfahrzeug SKW 14. 1400 Meter Schlauch wurden mit dem Lkw zum Einsatzort gebracht.
Da es damals noch keine Funkgeräte bei der Feuerwehr gab, wurden Kabel verlegt, um die Kommunikation zu gewährleisten. Bis zu 1500 Meter konnten mit dem Feldtelefon überbrückt werden.
Die ausfahrbare Pumpe schaffte 1600 Liter pro Minute.
Bis kurz zur Wendezeit fuhren die Fahrzeuge des Löschzuges S 4000 für die Feuerwehr Tangerhütte Einsätze.
Der Barkas B 100 KK gehörte zu den ersten eigenen Fahrzeugen des Deutschen Roten Kreuzes der DDR. Er diente vornehmlich zum Krankentransport, war mit zwei Krankenpflegern besetzt und nur mit den nötigsten medizinischen Instrumenten ausgestattet.
Das erste echte Rettungsfahrzeug war der SMH 2. SMH steht für Schnelle Medizinische Hilfe. Das Fahrzeug aus der VEB Ilmenau hatte alles an Bord, um dem Arzt die Behandlung lebensgefährlich verletzter Patienten zu ermöglichen.
Die Ausstattung wurde ständig weiterentwickelt.
Der SMH 3 fand sich nur in größeren Leitstellen und war die letzte Entwicklungsstufe der SMH-Rettungsfahrzeuge.
Das Exemplar in Beuster ist vollständig ausgerüstet und technisch einsatzfähig.
Sogar ein Defibrilator gehörte zur Ausstattung der letzten SMH-Fahrzeuge. Medizinisch auf dem aktuellsten Stand der Zeit, wie der Sammler und studierte Biologe Ralf von Hagen bestätigt.
Der Wartburg 353 MED ergänzte die Rettungsfahrzeuge und wurde vornehmlich auf langen Strecken eingesetzt. Damit sollte der Notarzt schneller vor Ort gebracht werden.
Nur in Berlin und auch dort höchst selten gab es noch den Volvo 240 DL. Er ist Baujahr 1979 und fuhr nach der Wende bis zum Jahr 2000 für den Katastrophenschutz des DRK.
Dieser Volvo war hohen Regierungsbeamten vorbehalten.
Die Autos mit dem Sechszylinder-Motor aus Schweden waren Raritäten unter den Regierungsfahrzeugen.
Vieles deutet darauf hin, dass dieser Volvo eines der Dienstfahrzeuge von Erich Mielke war.
Er kam nach der Wende in den Besitz des Bundeskriminalamtes und wurde dort für einige Zeit eingesetzt. Dann wurde das Auto 1992 verkauft.
Der Tschaika hat noch den Gründervater der DDR, Walter Ulbricht, erlebt.
Das aus der Sowjetunion stammende Auto hat einen 5,6-Liter-Motor und leistet beachtliche 195 PS.
Die beiden Regierungsfahrzeuge sind wahre Raritäten und haben reichlich Geschichte auf den Reifen.
Sie sind die Perlen des Museums, aber keineswegs die einzigen sehenswerten Fahrzeuge.
Der Tschaika ist als Oldtimer angemeldet und dient im Sommer der gelegentlichen Ausfahrt.
Ein Besuch im Blaulichtmuseum ist einen Ausflug wert, nicht nur für Zeitgenossen, die diese Fahrzeuge noch im Einsatz gesehen haben - eine Zeitreise in die Geschichte der DDR. Angeschlossen an das Museum ist auch noch ein vollständig eingerichteter Konsum-Markt.
Allerdings reicht das Gelände kaum mehr aus, um alle historischen Fahrzeuge angemessen zu präsentieren. Ralf von Hagen würde sich mehr Unterstützung von Land und Gemeinde erhoffen. (Bild und Text: Markus Mechnich)
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