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Karmann steckt in ernsten Schwierigkeiten. Das Insolvenzverfahren ist eröffnet. Es gibt zwar eine Chance auf Rettung, doch noch ist nichts sicher.
Die Beschäftigten des Autobauers machen harte Zeiten durch. Die Produktion ist erstmal eingestellt, und die Ungewissheit dauert an.
Dabei ist Karmann ein echtes Traditionsunternehmen. Viele kennen den Autobauer vor allem vom Karmann Ghia. Aber die Firma aus Osnabrück hat an zahlreichen automobilen Schönheiten mitgebaut.
Damit soll jetzt Schluss sein? Das Mercedes CLK Cabriolet vom 22. Juni war für's Erste das letzte Auto von Karmann. Eine Transfergesellschaft wird die Mitarbeiter vorerst vor der Arbeitslosigkeit schützen.
Im Jahr 1901 übernahm Wilhelm Karmann eine Pferdewagenfabrik. Zunächst fertigt das junge Unternehmen Karossen für Dürkopp, Adler und DKW. (Im Bild: Ein Wagen der Dürkopp-Werke von 1902)
Innerhalb weniger Jahre wuchs die Belegschaft von Karmann erheblich. Bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts reiste Wilhelm Karmann in die USA.
Er wollte die Produktionsmethoden in Übersee studieren. Mit dem Ford T-Modell war dort bereits eine neue Ära des Automobilbaus angebrochen. (Im Bild: Ein Mercedes Landaulet von 1912)
Dieses Adler Standard 8 Cabriolet entstand nach einem Entwurf des Bauhaus-Architekten Walter Gropius. Die Nazi-Zeit und der Krieg machten aus dem Autobauer erstmal ein Rüstungsunternehmen.
Nach der totalen Niederlage Nazi-Deutschlands holte VW die Pläne des Käfers aus der Schublade. Der Bau der Cabrio-Variante war Karmanns Sache, von Beginn an. (Im Bild: Eine Käferparade vor dem Osnabrücker Rathaus 1950)
Aber Karmann war stets vielseitig aufgestellt. Bekannt wurde das Unternehmen durch die Kooperation mit Volkswagen. Aber auch für Hanomag entwickelte die Firma Automobile. So wie diesen Prototyp aus dem Jahr 1951.
Weltberühmt wurde das Osnabrücker Unternehmen allerdings erst mit dem Karmann Ghia. Das wunderschöne Auto sollte eigentlich ein Nachfolger für den Käfer werden. Im Bild die Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt im Jahr 1955. Selbst Bundespräsident Theodor Heuss und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard schauten sich das Auto an.
Das Design des Autos kam aus dem Turiner Karosseriebaubetrieb Carrozzeria Ghia. Grundlage der Idee soll ein zuvor für Chrysler entworfener Prototyp gewesen sein.
Im Jahr 1969 bekam Karmann den Auftrag, die Karosserie des Triumph TR6 zu überarbeiten. Für British-Leyland lieferte Karmann neben dem Facelift auch Musterkarossen wie diese.
Kerngeschäft blieb jedoch das Käfer-Cabrio und der Ghia. Beide nebeneinander auf den Produktionsbändern im Jahr 1969.
Die Entwicklung eigener Prototypen war stets ein wesentlicher Bestandteil des Geschäfts. Auch wenn nur wenige davon jemals in Serie gingen. Bereits in den 60er-Jahren expandierte Karmann nach Südamerika und baute in Sao Paolo ein Werk. (Im Bild: Ein Prototyp Cheetah, entworfen von Giorgio Giugiaro, aus dem Jahr 1971)
Im Jahr 1974 kam das Ende für den Karmann Ghia. Am 31. Juli lief das letzte Ghia Coupé vom Band. Mehr als 443.000 Exemplare wurden bis dahin gebaut. Das Auto ist heute einer der beliebtesten Oldtimer überhaupt.
In den 80er-Jahre bis Mitte der 90er baute Karmann den VW Corrado. Das beliebte Sportcoupé lief fast 100.000 Mal vom Band.
Er sollte die deutsche Antwort auf Mazdas MX-5 werden. Mit dem Karmann Idea kamen die Roadster zurück nach Europa.
Bis in unsere heutigen Tage baute Karmann an vielen bekannten Cabrio-Modellen mit. Zahlreiche Hersteller lagerten die aufwändige Produktion der Open-Air-Autos nach Osnabrück aus. Darunter Chrysler beim Crossfire.
Bis zum Modellwechsel ließ auch Audi das A4 Cabrio bei Karmann bauen.
Der letzte Großauftrag war das CLK-Cabrio von Mercedes.
Auch wenn viele Autofahrer die Firma Karmann bis vor kurzem vielleicht gar nicht kannten, Karmann ist ein Stück deutscher Automobilgeschichte. Bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen weiterleben kann.
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