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80 Jahre Action im Autokino: Knutschen, fummeln, erwachsen werden

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Vor 80 Jahren, am 6. Juni 1933, wurde in Camden, im US-Bundesstaat New Jersey, das erste Autokino eröffnet. Allerdings hatte dieses erste Drive-in-Theater wenig mit dem zu tun, was in den 1950er Jahren zu den goldenen Zeiten des Autokinos wurde.

Vor 80 Jahren, am 6. Juni 1933, wurde in Camden, im US-Bundesstaat New Jersey, das erste Autokino eröffnet. Allerdings hatte dieses erste Drive-in-Theater wenig mit dem zu tun, was in den 1950er Jahren zu den goldenen Zeiten des Autokinos wurde.

Vor 80 Jahren, am 6. Juni 1933, wurde in Camden, im US-Bundesstaat New Jersey, das erste Autokino eröffnet. Allerdings hatte dieses erste Drive-in-Theater wenig mit dem zu tun, was in den 1950er Jahren zu den goldenen Zeiten des Autokinos wurde.

Der Zuspruch, den das kleine Theater von Richard Hollingshead Jr. fand, war wohl eher dem Neuigkeitswert geschuldet.

Schnell sprach sich die Idee vom Autokino herum. Und in den Provinzen, wo Land billig war und die Menschen nach preiswerter Unterhaltung gierten, …

… war ein Kino, in das man mit dem Auto fahren konnte, genau das Richtige. Hinzu kam, dass man nach Belieben essen, trinken und rauchen konnte.

Als 1941 kleine Lautsprecher entwickelt wurden, die in jedes Auto gehängt werden konnten, war auch der Filmton kein Problem mehr.

Als dann noch die Hamburger-Bude und der Popcorn-Stand Einzug hielten, war das klassische amerikanische Drive-in-Kino fertig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die private Mobilität in den USA einen enormen Aufschwung.

Inzwischen verbrachten die Menschen mehr Zeit im Auto als an jedem anderen Ort. Selbst das eigene Bett wurde nicht so oft benutzt wie das Auto.

Doch in den 1950er Jahren bekam das Kino Konkurrenz durch das Fernsehen. Um überleben zu können, musste es zum Event werden.

Vor allem die Riesenleinwände in Autokinos hatten einen Vorteil. Hier erschien alles überlebensgroß.

Hinzu kam eine Jugendkultur, die mit Rock'n'Roll, Kaugummi und Pomade im Haar ihre eigenen Plätze suchte, die ihre Sprache hatte und ihre Filme.

Um das alles auszuleben, gab es keinen besseren Platz als Saturday Night at the Drive-in.

Das Autokino wurde zum Treffpunkt, zum magischen Ort und zum Abenteuerspielplatz für eine aufbegehrende Jugend.

Vor der Leinwand entwickelte sich ein geschäftiges Treiben. Die Dunkelheit ringsum schaffte einen intimen Raum im Inneren des Autos, …

… in dem dann auch in vielen Fällen der Übergang von der Kindheit in die Jugend vollzogen wurde.

Von 1950 bis 1958 stieg die Zahl der Drive-in-Kinos von 1000 auf 4000. Gleichzeitig schrumpften die traditionellen Filmtheater um 5000.

Der technische Fortschritt brachte die Standheizung für das Auto und ...

... neue Projektoren sorgten für schärfere Bilder.

Doch mehr als die technischen Neuerungen sorgte der puritanische Geist der US-amerikanischen Gesellschaft für eine noch größere Popularität des Autokinos.

Nur dort konnte man zu zweit im Auto sitzen, Alkohol trinken und sich küssen, ohne von irgendjemandem behelligt zu werden.

Als sich in den 1960er Jahren die Hippies aufmachten, gegen die verklemmte US-amerikanische Kultur aufzubegehren, verloren die automobilen Freiluftkinos an Popularität.

Die neue Generation rebellierender Studenten wollte eben nicht mehr unter dem Deckmantel des Autokinos ihre Intimität verstecken.

Anders in Deutschland. Hier begann die Kultur des Autokinos erst am 29. März 1960. An eben jenem Tag wurde in Gravenbruch bei Frankfurt am Main das erste deutsche Autokino eröffnet.

Erstaunlicherweise gab man sich hierzulande noch viel prüder als in den USA.

Nicht nur, dass das Autokino die bürgerlichen Jugendlichen vom schnöden Proletariat trennte.

Man mutmaßte an diesem Ort auch eine sittliche Gefährdung, die nicht nur von der Leinwand ausging, sondern auch im Wageninneren zelebriert wurde.

In den ersten Autokinos in Berlin, Frankfurt und München kam es immer wieder vor, ...

... dass besorgte Eltern zwischen den Autoreihen auftauchten und ihre Sprösslinge suchten.

Vielleicht auch deshalb, weil der Spitzname "Knutschkino" war.

Ende der 60er Jahre hatten mehr oder weniger alle großen deutschen Städte ihre Autokinos.

Doch als in Deutschland der Boom der Autokinos gerade seinen Höhepunkt hatte, ...

... war im Ursprungsland USA das Sterben der Drive-in-Theater schon in vollem Gange.

Während in den Städten die Autokinos von Immobilienhaien aufgefressen wurden, verwandelten sie sich in der Provinz in mehr oder weniger malerische Ruinen.

Kein Wunder, dass die Zeitreise den Helden von "Zurück in die Zukunft" mitten durch die Leinwand eines toten Autokinos von der Gegenwart in die Traumwelt des Wilden Westens bringt.

Heute gibt es in Deutschland noch fünf echte Autokinos.

Alle befinden sich im Besitz von Walter Jann.

Einst hatte er elf solcher Kinos. Heute sind es noch fünf. Als der Run nachlässt, versucht Jann die Autokinos mit alten Filmen oder Kunststreifen zu füllen.

Eine Idee, die nach Aussagen des Kinobetreibers kläglich gescheitert ist.

Das, was die Leute heute noch in seine "Knutschkinos" lockt, sind vor allem Action-Filme. "Fast and Furios 6", der neue "Star Trek" und "Oblivion" mit Tom Cruise.

So werden die verbleibenden Autokinos wohl auch in Zukunft ein Ort mit viel Popcorn, Träumen ...

... und dem einen oder anderen Liebesabenteuer bleiben.

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