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Eine Ausfahrt mit dem neuen Boxster S: Mehr Porsche war nie

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Goldener Oktober, die Weinlese ist bald abgeschlossen. Wie gut der Jahrgang 2012 wird? Noch ungewiss, aber: Die Winzer an der Saale rechnen mit einem sehr guten Tropfen. Wichtig ist uns heute: Die Sonne scheint noch einmal. Denn zum vorübergehenden, wetterbedingten Abschied-Nehmen vom Cabrio-Fahren haben wir uns zwei Wochen lang in den neuen Porsche Boxster S gesetzt. (Foto: Tilman Aretz)

Goldener Oktober, die Weinlese ist bald abgeschlossen. Wie gut der Jahrgang 2012 wird? Noch ungewiss, aber: Die Winzer an der Saale rechnen mit einem sehr guten Tropfen. Wichtig ist uns heute: Die Sonne scheint noch einmal. Denn zum vorübergehenden, wetterbedingten Abschied-Nehmen vom Cabrio-Fahren haben wir uns zwei Wochen lang in den neuen Porsche Boxster S gesetzt.

Goldener Oktober, die Weinlese ist bald abgeschlossen. Wie gut der Jahrgang 2012 wird? Noch ungewiss, aber: Die Winzer an der Saale rechnen mit einem sehr guten Tropfen. Wichtig ist uns heute: Die Sonne scheint noch einmal. Denn zum vorübergehenden, wetterbedingten Abschied-Nehmen vom Cabrio-Fahren haben wir uns zwei Wochen lang in den neuen Porsche Boxster S gesetzt.

Und schnell festgestellt: Der Jahrgang 2012 ist ein Spitzenprodukt. Wo der Vorgänger noch zu rund, zu weich, zu bescheiden und aufgeblasen zugleich daherkam, setzt der neue auf klare Akzentuierung. Porsche ist mit dem Generationenwechsel beim Boxster ein echter Coup gelungen, weil man nicht alles anders, aber tatsächlich alles besser gemacht hat. Hier beispielsweise führen die markante obere Schulterlinie und der selbstbewusste Türeinzug zu einem kraftvollen Herausstellen der Ansaugöffnungen. Beim Vorgängermodell waren Tür und Seitenpartie noch in einer geschwungenen Einheitslinie verschmolzen, der Lufteinzug im Fond erinnerte da noch eher an einen billigen Filtereinsatz.

Gleiches gilt auch für das Heck des Boxsters. Dieses Aalglatte: weg. Der Verdeckkastendeckel: weg. Stattdessen eine Abrisskante über die gesamte Breite, die sich bis in die LED-Heckleuchten zieht. Der Boxster hat einen dickeren Hintern bekommen, ohne dabei fett zu wirken. Anfassen erlaubt. Das Erkennungszeichen des Boxster S: ein zweiflutiges Doppelendrohr. Der Boxster ohne S muss sich mit nur einem ovalen Diffuser begnügen.

Und er ist von hinten wie von vorne. Wo der Vorgänger maximal niedlich war, steht hier ein freundlich, aber sehr bestimmt blickender Kraftprotz. Große Kühleröffnungen an den Seiten, dezent abgesetzte Vorderhaubenlinien, Bi-Xenonscheinwerfer und eine 10 Zentimer weiter vorne ansetzende Frontscheibe - ...

Beim neuen Boxster steht fest: Ein Mädchenporsche ist das nicht. Sie dürfen aber mitfahren.

Besonders stolz ist man in Zuffenhausen auf das neue Verdeck. Zu Recht. Zwar muss man sagen, der Boxster sieht, wie viele Cabrios, in geschlossener Ausführung nicht mal mehr halb so gut aus. Dennoch fügt sich das Verdeck im Modell 2012 wesentlich besser in die Gesamtform ein als beim Vorgänger. Dies liegt vor allem an der vergrößerten Heckscheibe und dem etwas flacheren Kurvenverlauf. Ist das Verdeck geschlossen, interessiert die Insassen vor allem eines: die Lautstärke. Porsche selbst sagt, man habe die Innenraumgeräusche bei 100 km/h von 75 Dezibel (Vorgängermodell) auf nun 71 Dezibel gesenkt, was einer gefühlten Halbierung des Pegels entspräche. Überprüfen konnten wir das nicht, aber feststellen: Der neue Akustikverdeckstoff erfüllt so gut seinen Dienst, dass auch bei sehr schnellen Fahrten sowohl eine gepflegte Unterhaltung als auch exzessiver Musikgenuss möglich waren. Ganz zu schweigen vom Schweigen.

Das Verdeck öffnet sich selbstverständlich beim neuen Boxster elektrisch und vollautomatisch. Und das laut Porsche bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Verraten sei: Es geht auch noch bei ein paar km/h mehr.

Was wirklich gut ist: Die Schnelligkeit. Manche mögen jetzt vielleicht sagen: "Ist doch egal, ob ein Verdeck in 10, 20 oder 30 Sekunden auf- und zugeht." Aber das stimmt nicht. Denn bei 30 Sekunden ist der Spaßfaktor gedrittelt. Beim Boxster genügt ein Tipp auf den Schalter und sagenhafte 9 Sekunden später ist der gesamte Vorgang beendet. Das ist spitze und schneller ist keiner.

Über den Fahrzeugschlüssel kann man das Verdeck übrigens auch per Fernbedienung im Stand öffnen. Der Verdeckkastendeckel wurde wegrationalisiert, was nicht nur frischer aussieht, sondern auch 12 Kilogramm Gewicht spart.

Passt zum Boxster wie ein Eames Chair zum New Yorker Flughafen: Das rote Lederinterieur verbreitet prickelnde Klassiker-Stimmung. Die Kunst-Rose gehört allerdings nicht dazu. Die muss man seiner Liebsten auf der Kirmes schon selber schießen. Aber, hey?

Dabei besticht der Boxster durch eine ungemein intime Sitzatmosphäre. Sie erinnert an den ersten Sommerausflug im Käfer der Mutter, gerade 18 (der Fahrer), eine Halbautomatik (der Käfer), etwas schüchtern (sie und er) ... aber das ist eine andere Geschichte.

Das Leder fühlt sich auch so an. Also, nicht wie sie, damals, mit 18, sondern so, wie sich Leder anfühlen sollte, was durchaus nicht bei allen Lederausstattungen der Fall ist. Straff und geschmeidig. Warm und für die Ewigkeit. Die Verarbeitung: exzellent.

"Liegt wie ein Brett auf der Straße" - darf man nicht schreiben, zu abgedroschen. Und dennoch. Die Ingenieure haben die Spur breiter gemacht und den Radstand gegenüber dem Vorgänger um immerhin 6 Zentimeter vergrößert. Wir ersparen Ihnen weitere Details über hydraulische Gasdruckdämpfer und Leichtbau-Federbeine in McPherson-Bauweise und halten fest: Auch bei höchsten Geschwindigkeiten und gewagten Kurvenlagen bringt den Boxster nichts aus der Fassung. Oder Spur. Der Boxster klebt auf dem Asphalt wie die Mücken auf der Windschutzscheibe. Und das ist nicht dahergesagt. Wer einmal mit einem TT oder einem SLK mit 240 über eine der älteren und mieseren Autobahnen Westdeutschland gefahren ist oder zügig ein paar Eifelschleifen zu nehmen versuchte, der spürt hier den Klassenunterschied - und will den Boxster nie wieder hergeben.

Zur Fahrstabilität tragen auch die dicken 20-Zoll-Reifen bei, die gar nicht prollig, sondern angemessen wirken, im Übrigen aber ohnehin nicht nur für die Optik da sind, sondern für sicheren Drang nach unten sorgen. Und Sicherheit verleihen auch die Bremsen. Denn wer schnell fährt, der muss im Ernstfall auch schnell wieder stehen. Daher hat Porsche für den Boxster beim 911 Carrera in die Kiste gegriffen und die dortigen Vorderachsen-Scheiben auch im Boxster verbaut. Gegen einen satten Aufpreis steht die Keramik-Bremsanlage Ceramic Composite Brake zur Verfügung, die, für den Rennsport entwickelt, dem für seine Klasse leichten Boxster (1320 Kilogramm) den richtigen Halt in allen Lebenslagen gibt.

Genug gebremst. Wir erwähnten es an anderer Stelle, die Uhr des Boxsters ist ein echtes Highlight. Sie sehen richtig. Der formschöne Chronograph zählt die Sekunden. Wohl die richtige Entscheidung, wenn man nur 4,8 Sekunden benötigt, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen.

Nicht nur die Uhr, auch die restlichen Instrumente sind eine Mischung aus Vertrautem, Klassischem und Modernem. So sind die drei den Boxster prägenden Rundinstrumente mit zentralem Drehzahlmesser und der links positionierten Geschwindigkeitsanzeige Boxster-Fahrern besten bekannt. Auch das Zündschloss findet sich links, was bei Neu-Boxster-Fahrern nur kurz für Irritationen sorgen dürfte. Sehr gelungen ist der neue, hochauflösende Multifunktionsbildschirm im rechten Instrument. Er kann individuell belegt werden, uns gefielen vor allem die Navigationskarten an dieser Stelle besonders gut.

Beim übrigen Interieur sieht alles nun noch porschiger aus. Unverkennbar sind Zitate aus dem Carrera GT zu erkennen, zum Beispiel die leicht nach vorne geneigte Mittelkonsole. Das intime Sitzambiente kam bereits zur Sprache. Beides zusammen, dichte Sitzposition und sportliche Instrumenten- und Bedienanordnung, führen dazu, dass der Fahrer geradezu mit Fahrzeug und Cockpit verschmilzt und alles Wichtige stets im Blick und unter Kontrolle hat.

Und ohne weiter über die tolle Innenausstattung schwärmen zu wollen (wobei die dreistufig belüftbaren Sportsitze wirklich eine Schwärmerei wert wären) sei nur noch ein den Fahrspaß steigernder Zusatzluxus genannt: Das unser Testauto schmückende BOSE Surround Sound System. Es kostet viele Hundert Euro extra und ob sich das lohnt, erscheint vielleicht fraglich. Aber egal, ob Wagner oder Ärzte, Wankelmut, Kakkmaddafakka oder Adele: Die zehn Lautsprecher mit acht Verstärkern, einem unsichtbar in der Karosserie versteckten Subwoofer und 445 Watt lassen jeden Ton messerscharf und rein erklingen, selbst bei geöffnetem Verdeck vibriert der Magen und die Hosenbeine flattern an den Waden. Einzigartig. Hören wir noch Musik beim Fahren? Oder fahren wir schon beim Musikhören?

So sieht der Porsche in der Abendsonne aus. Alles ruhig. Unter der Haube aber, und das ist, wir wissen es, hier natürlich unsauber formuliert, steckt ein Kraftpaket, das seinesgleichen sucht. Wir behaupten: der sportlichste Porsche, den es derzeit gibt. "Ein Musterbeispiel aus Performance und Effizienz", jubelt Porsche über die eigene Autobaukunst. Gemeint ist der Mittelmotor, der auch den neuen Boxster führt, so wie man früher seine Spielzeugautos mit Daumen und wahlweise Mittel- oder Zeigefinger über den selbstgebauten Parcours Im Kinder- oder Wohnzimmer rasen ließ.

Zwar verfügt der neue Boxster S mit 315 PS nur über 5 PS mehr als der Vorgänger. Auch der Hubraum blieb gleich (3436 Kubikzentimeter). Doch durch Verbesserungen von Details wie einer Verringerung des Ansaugwiderstandes oder eine verdichtete Direkteinspritzung holt der Porsche nun mehr raus, bis maximal 6700 Umdrehungen pro Minute. Wer sich etwas wünschen darf, der gönnt sich noch das Porsche Doppelkupplungsgetriebe (PDK), das Porsche komplett neu entwickelt hat. Im Vergleich zum Vorgänger fällt sofort auf, dass man es mit einer neuen Generation zu tun hat. Ins Auge sticht dabei vor allem die schnelle Reaktionszeit des PDK. Zwar verfügte unser Testauto auch über einen manuellen Schaltmodus. Allerdings konnten wir mit der Präzision der Automatik nicht mithalten. Selbst wutartige Überholvorgänge wurden von der Porscheelektronik erkannt und das PDK glänzte durch eine entsprechend niedrige Gangwahl mit maximaler Beschleunigung und damit dem denkbar kürzesten Überholweg.

Der Mittelmotor hat noch einen brauchbaren Nebeneffekt - Stauraum gibt es vorne und hinten. Das Volumen insgesamt: 280 Liter. Das ist zwar nicht die Welt, aber mehr, als man zunächst erwartet.

Und da man ohnehin nur zu zweit unterwegs sein kann, reicht der Platz damit völlig aus. Taschen und Koffer, die Wanderschuhe und ein paar Flaschen aus der kleinen Sektkellerei: Wir verstauten alles problemlos. Bei längeren Touren muss man dagegen einfach Prioritäten setzen.

Was gibt es noch zum neuen Boxster S zu sagen? In der Spitze kommt er auf fast 280 km/h. Auch mit offenem Verdeck sind 230 km/h drin. Der Verbrauch variiert natürlich nach Fahrverhalten. Die von Porsche angegebenen 8,0 Liter/100 km im Mittel konnten wir jedenfalls nicht einhalten. Die CO2-Emission liegt bei 188 g/km beim Boxster S mit PDK.

Und wir könnten noch etwas über die Start-Stopp-Automatik, das Thermomanagement, das "Segeln", das dynamische Getriebelager, das ausgeklügelte Lenkverhalten oder das aktive Dämpfersystem PASM erzählen. Aber eigentlich kommt es darauf beim Boxster gar nicht an. Denn die Fahrassistenten, die technischen Verliebtheiten und der gehobene Materialeinsatz drängen sich nirgendwo auf. Immer agieren sie im Hintergrund und lassen so einen gelungenen Sportwagen trotz Raffinessen im Inneren nach außen reduziert (im positiven Sinne) und edel erscheinen.

Deshalb lehnen wir uns tief zurück und fahren einfach weiter. Früher hieß es immer "Der Sonne entgegen". Wir fahren einfach mit der Sonne. Schneller sind wir ohnehin. Und wir haben alle Zeit der Welt, denn ...

... der nächste Sommer kommt bestimmt.

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