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Porsche hat sich ein neues Museum gegönnt. In einem aufsehenerregenden Neubau hat der Autobauer seine schönsten historischen und teils auch aktuellen Modelle untergebracht.
Rekordverdächtige drei Jahre und neun Monate dauerte die Bauzeit. In den drei Säulen, die die 21.000 Kubikmeter Beton tragen, sind Treppenhäuser, Aufzüge und Versorgungsschächte untergebracht. Im unteren Teil befindet sich das Foyer.
Ende 2006 begann das Gebäude "zu schweben". Kaum zu glauben, bei einem Gewicht von 35.000 Tonnen, die alleine der obere Ausstellungsbereich auf die Waage bringt.
In der Bauzeit musste die B27 in den Nachtstunden immer wieder gesperrt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten.
24.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet das Gebäude. Eine Menge Platz für automobile Historie. Das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl hat das Gebäude gezeichnet. Museumsleiter Stejskal schwärmt von der "Kraft und Dynamik", die es ausstrahlt.
Dabei dürfte es keine Probleme geben, diese Fläche zu füllen. Nur wenige Autobauer haben so innovativ an der Geschichte des Autos mitgeschrieben wie Porsche. Im Bild ist der Sohn des genialen Ingenieurs an seinem 85. Geburtstag im Typ 356 "Nr. 1" zu sehen.
Prominenz bei der Eröffnung: (v.l.) Ministerpräsident Oettinger, Betriebsratschef Hück, Vorstand Wiedeking, Presse-Chef Dau, Museumsleiter Stejskal, Stuttgarts Oberbürgermeister Schuster und der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Wolfgang Porsche.
Neben der Ausstellung hat das Gebäude noch weitere Funktionen. Das Porsche-Archiv mit Bibliothek ist dort untergebracht.
Auch eine Restaurationswerkstatt ist dort angesiedelt (Hintergrund). Neben der Aufarbeitung der hauseigenen Fahrzeuge können auch Kunden ihren Oldtimer dort renovieren lassen.
Im Restaurant "Boxenstopp" wird für die Besucher live gekocht. Im oberen Teil befindet sich noch ein Edel-Restaurant.
Per Rolltreppe geht es für die Besucher ins Allerheiligste. Die Vorfreude auf die automobilen Leckerbissen dürfte bei diesen das Herz höher schlagen lassen.
Aus Zwingenberg wurden zuvor die ersten Exponate aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und für die Ausstellung verladen.
Die edle Fracht hätte jeden Oldtimerfreund in Exstase versetzt. Ein Teil der Exponate wurde eigens für das neue Museum wieder instandgesetzt.
Denn dort wartet Außergewöhnliches. Die Ingenieurskunst des Firmengründers ist legendär. Bis 1902, in seiner Zeit bei der Hofwagenfabrik Ludwig Lohner & Co. in Wien, entwickelte er nicht nur den ersten Allrad-, sondern auch den weltweit ersten Hybridantrieb.
Dreh- und Angelpunkt im Zentrum der Ausstellung ist der "Ur-Porsche" des Typs 64, auch bekannt als Berlin-Rom-Wagen.
Wer sich die Ausstellung chronologisch erschließen möchte, wird im Bereich "Porsche vor 1948" beginnen. Neben den frühen Sport-Wagen ist auch der wirklich erste Porsche mit Diesel-Antrieb zu sehen, der Diesel-Schlepper.
Der Prolog zeigte unter anderem den Typ 360 Cisitalia von 1947 (vorn) und den VW Käfer von 1950 (hinten).
Ein Prunkstück ist der Porsche 356 "Nr. 1" Roadster von 1948.
Es ist das erste unter dem Name Porsche gebaute Fahrzeug und begründete die Ära des 356. Die Karosserie wurde von Hand über Holzformen getrieben. Der Motor ist längs vor der Hinterachse montiert und machte das Auto zu einem echten Mittelmotorwagen.
Der Austro-Daimler "Sascha" von 1922. Ferdinand Porsche heuerte 1906 bei der Oesterreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft an. Nach dem Ersten Weltkrieg baute er dort diesen Sportwagen, der direkt die Targa Florio gewann.
Zu dem Traditions-Rennen, das bis 1977 den Status einer WM hatte, hat Porsche viele Fahrzeuge geschickt. Daher wurde ihm eine eigene Sektion gewidmet. Unter anderem sind dort der 718 W-RS Spyder von 1962 und der 718 RS 60 Spyder von 1960 zu sehen.
Unter den Serienfahrzeugen nimmt naturgemäß der 911er einen großen Raum ein. Zwei sehenswerte Exponate sind der Porsche 911 Carrera RS 2.7 Coupé von 1973 (weiß) und der 911 S 2.2 Targa von 1970 (blau).
Unter dem Namen "Evolution 911" werden die Bestseller des Hauses auf drehbaren Podesten gezeigt. Das Modell war und ist entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg und schlicht der Porsche an sich.
Die Studien von Porsche haben stets für Aufsehen gesorgt. Daher gehört auch ihnen ein Sonderbereich. Vorne ist die erste Studie zum Porsche Boxster von 1992 zu sehen.
Im Themenbereich "Schnell" sind Autos vornehmlich aus der Fia-Sportwagenweltmeisterschaft zu sehen. An der Decke hängt der 956, der in den achtziger Jahren vom Konzern selbst und den Kunden erfolgreich im Motorsport eingesetzt wurde.
Dem Porsche 917 wurde ein ganzes Themenarrangement gewidmet. 1969 feierte er auf dem Genfer Autosalon Premiere. Die luftgekühlten Zwölfzylinder machten in den siebziger Jahren zu einem der erfolgreichsten Sportwagen.
Die Modelle 928 (silber) und 924 GTS (rot) waren nicht unerheblich für einen rasanten Anstieg der Verkaufszahlen verantwortlich. Gerade der 924, auch mehr oder weniger charmant als "Hausfrauenporsche" bekannt, ist heute ein gefragter Youngtimer.
Freilich ist aber die eigentliche Domäne des Zuffenhausener Autoherstellers die Kategorie Supersportwagen. Dazu gehören zweifellos der Porsche 911 GT1 in der Straßenversion von 1997 (rechts) und der Carrera GT von 2003 (links).
1964 brachte Porsche den 904 Carrera GTS (rechts vorne). Eigentlich für die GT-Serie entwickelt, wurde dieser Porsche immerhin 120 mal gebaut und war der erste Zuffenhausener mit Kunststoffkarosserie. Oben ein Porsche 911 Carrera "Biggibilla" von 1999.
Ein 911 Carrera S Cabriolet von 2008. Porsche hat sich mit dem Museum ein Denkmal gesetzt. Es erzählt die Geschichte von der Hochzeit des Automobilbaus, von der wir vielleicht schon die Götterdämmerung erleben. (Text: Markus Mechnich)
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