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Wer ist der Alpenkönig?: Premium-SUVs getestet

 
Wo könnte man SUVs besser testen als in den Alpen? Das ureigenste Terrain für die geländetauglichen Großraumlimousinen soll den Hintergrund bilden für den n-tv-Motor-SUV-Test.

Wo könnte man SUVs besser testen als in den Alpen? Das ureigenste Terrain für die geländetauglichen Großraumlimousinen soll den Hintergrund bilden für den n-tv-Motor-SUV-Test.

In Alta Badia in Südtirol kommen drei Premium-SUVs auf den Prüfstand.

Bei besten Wintersportbedingungen müssen sie sich auf den steilen Pisten und verschneiten Passstraßen bewähren.

Die drei Kontrahenten: Mercedes GLK, BMW X3 und der Volvo XC60.

Der Mercedes GLK ist in diesem Jahr neu auf den Markt gekommen. Reichlich spät adaptiert man in Stuttgart das Konzept eines "kleinen" SUVs.

Unser Testwagen ist ein Mercedes GLK 320 CDI. Der Drei-Liter-Sechszylinder leistet 224 PS (165 kW), bietet ein Drehmoment von 540 Newtonmeter und ist ab 46.053 Euro zu haben.

Ebenfalls ein neuer Herausforderer ist der Volvo XC 60. So neu, dass er für den Test direkt aus Schweden kommen musste.

Sein Fünfzylinder-Motor hat 2,4 Liter Hubraum, leistet 185 PS (136 kW), bietet ein Drehmoment von 400 Newtonmeter und kostet mindestens 37.850 Euro.

Der Platzhalter und Titelverteidiger ist der X3 von BMW. Im Vorjahr konnte er die Premiumklasse für sich entscheiden.

Der bewährte Antrieb ist ein Drei-Liter-Motor mit sechs Zylindern und 218 PS (160 kW). 500 Newtonmeter schieben den Bayern nach vorne. Dafür wird ein Basispreis von 47.560 Euro aufgerufen.

Das wären die drei Mitspieler in der Premiumklasse. Wer darf sich dieses Jahr zum Alpenkönig krönen?

Los geht es mit dem GLK von Mercedes. Der Erfolg des BMW X3 dürfte in Stuttgart für Unruhe gesorgt haben. Die M-Klasse etwas zu groß und zu teuer als Konkurrent. Da musste was Neues her.

Reichlich spät, nämlich erst in diesem Jahr, ist man in die Klasse eingestiegen. Das muss ja kein Nachteil sein, wie es bei Volkswagen immer wieder zu beobachten ist. Die räumen das Feld ja meist von hinten auf.

Doch zu den Fakten: Mit 224 PS und 540 Newtonmeter bringt er die meisten PS und das höchste Drehmoment mit. Auch die Siebengang-Automatik hat er im Feld exklusiv.

Mit einem Leergewicht von 1880 Kilo und 600 Kilo Zuladung lässt sich der Kofferraum von 450 oder 1550 Liter befüllen. Das ist viel, aber nicht wesentlich mehr als die Konkurrenz vorweisen kann.

Der GLK wäre kein Mercedes, wenn es nicht luxuriös zuginge. Fahrwerk, Geräuschpegel, Bedienung und Verarbeitung sind auf höchstem Niveau. Da gibt es nichts zu meckern.

Auf freier Wildbahn wird der GLK jedoch sehr schwammig. Die komfortable Abstimmung dämmt jegliches Gefühl für die Fahrbahn. Alles ungewöhnliche wird vom Fahrer abgehalten, sprich von der Elektronik wegreguliert. Alles bleibt diffus.

So kann der GLK in Sachen Komfort zwar überzeugen, doch als Geländewagen nicht. Hinzu kommen der größte Durst (7,9 - 8,4 Liter) und der höchste CO2-Ausstoß. Preislich liegt er mit 46.053 Euro knapp unter dem BMW.

Einen ganz anderen Weg geht der Volvo XC60. Mit einem Preis von 37.850 Euro liegt er deutlich unter seinen Konkurrenten in der Premiumklasse.

Bei den Schweden setzt man mehr auf Lifestyle und einen schicken Auftritt. Das zeigt sich bereits an der Karosserie. Die elegante Linienführung weckt Interesse. Volvo sieht das Modell zwischen Coupé und SUV angesiedelt.

Vernachlässigt wurden hingegen die Geländeeigenschaften. Das ESP und der Allradantrieb sind nicht abstellbar. Das hemmt sehr abseits befestigter Straßen und führte bei unserem Test gleich zu dreimaligem Steckenbleiben.

Die Motorisierung ist mit 185 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment zwar deutlich schwächer als bei BMW und Mercedes, aber durchaus ausreichend. An der Kraft lag es also nicht, dass wir den Volvo rausziehen lassen mussten.

Überraschenderweise liegt er aber beim Verbrauch mit 7,5 Liter einen Tick höher als der BMW. Mit 199 Gramm entlässt er auch etwas mehr CO2 in die Atmosphäre.

Im Gegenzug hat er mit 685 Kilo die höchste Zuladung im Feld und muss sich auch mit 1455 Liter Kofferraumvolumen nicht verstecken.

Im Innenraum gibt sich der XC60 keine Blöße. Das Interieur entspricht durchaus Oberklasseansprüchen. Natürlich dürfen ein paar schwedentypische Eigenheiten nicht fehlen. Die Liste der Sonderausstattungen ist lang und umfassend.

So ist der Volvo XC60 durchaus eine ernste Alternative. Im Gelände sind zwar deutliche Abstriche zu verbuchen, aber ansonsten bietet das Auto Premium-Feeling fast zum Mittelklasse-Preis.

BMW stellt mit dem X3 den Titelverteidiger des letzten Jahres. Mit fast fünf Jahren ist er mit Abstand das dienstälteste Fahrzeug unter den drei Premium-SUVs. Aber das muss ja kein Nachteil sein, schließlich wurde der X3 in 2007 erst modellgepflegt.

Und der Erfolg gibt dem Bayern recht. Mit 17.415 Einheiten in den ersten neun Monaten dieses Jahres haben die Münchner den Standard gesetzt. Da kann der GLK bisher nicht. Im November wurden 1325 Autos verkauft gegenüber 1965 Modellen des BMW X3.

Und das obwohl der GLK ja ganz frisch auf dem Markt ist. In der Krise greift die Kundschaft offenbar zu Bewährtem. Dazu zählt auch der Drei-Liter-Diesel. Der absoluten Löwenanteil von fast 16.000 verkauften X3 gehen als Diesel über die Theke, wenn man das mal so sagen darf.

Der BMW-Diesel zeigt sich zudem mit 7,4 Litern Verbrauch und einer CO2-Emission von 196 Gramm am umweltfreundlichsten.

Allerdings schleppt der X3 viel Gewicht mit sich rum. Mit 1880 Kilo wiegt er so viel wie der Konkurrent von Mercedes, darf aber nur 545 Kilogramm zuladen. Dabei hat er mit 1885 Litern Kofferraumvolumen den größten Platz zu bieten.

Das Allradsystem XDrive ist ebenfalls ein bewährtes Stück Technik. Das Minus an Komfort gegenüber dem GLK kann der X3 durch "Freude am Fahren", also durch erfreulich sachliche Sportlichkeit, locker ausgleichen.

Die Lenkung ist präzise und das Fahrwerk vermittelt jederzeit ein gutes Gefühl für die Straße.

Dank Differenzialsperre und ausschaltbarem ESP macht das Auto durchaus auch abseits der befestigten Straße Spaß.

Sieht so aus, als ob der alte auch der neue Alpenkönig werden würde. Klar ist, dass der BMW X3 in Sachen Klettereigenschaften den Konkurrenten vorneweg fährt.

Wer kann sich also den Titel in Alta Badia sichern? Die beiden Newcomer oder der amtierende Regent der Alpen?

Zunächst muss gesagt werden, dass sich keines der Autos große Blößen gibt. Premium sind alle drei, auch wenn der Volvo preislich eher darunter liegt. Erfreulich für den Kunden.

Bei BMW und Mercedes ist Luxus Standard. Da merkt man trotz des wertigen Volvos noch einen Unterschied. Im Innenraum kann vor allem der Mercedes GLK richtig punkten. Modern, optisch ansprechend und dennoch funktional zeigt sich der Edel-Schwabe.

Auch die Motorisierung spricht für den GLK. Er hat die meiste Kraft, verbraucht allerdings auch am meisten und stößt am meisten CO2 in die Luft. Nicht mehr ganz zeitgemäß, daher also auch wieder Abstriche.

Enttäuschend sind allerdings die Geländeeigenschaften. Zwar lässt sich der Mercedes sicher durch Schnee und Eis manövrieren, aber alles scheint mehr oder weniger ohne Beteiligung des Fahrers vonstatten zu gehen.

Da ist der BMW X3 die ehrlichere Haut. Mit ihm macht es immer noch richtig Spaß durch den Schnee zu pflügen. Der Motor ist solide und ausgereift. Der Drei-Liter-Sechszylinder bietet jederzeit ausreichend Drehmoment ohne zuviel Kraft auf die Räder zu bringen.

Der Volvo hingegen kann mit seinem günstigen Preis punkten. Bei vernünftiger Ausstattung rund 10.000 Euro weniger ist ein Wort. Zudem zeigt er sich in frischem, modernen Gewande. Dennoch wird es für ihn nicht zum Gipfelsturm reichen.

Die beiden anderen Premium-SUVs sind da schon näher dran. Sie sind zwar teurer, bieten aber auch mehr für ihr Geld. Vor allem in Sachen Motorisierung und Fahrwerk. Die schwachen Geländeeigenschaften sind für den Volvo ein echter Hemmschuh.

Showdown in La Villa: Im Gadertal nähert sich die Premiumfraktion der Preisverleihung.

Der Sieger des diesjährigen SUV-Tests in der Nobelklasse ist der alte und neue Alpenkönig, der BMW X3. Er bietet das beste Gesamtpaket. Ein sehr kultivierter, kraftvoller Motor mit gutem Fahrwerk und ausgereiftem Allradantrieb. Der wahre Anton aus Tirol.

Wir verabschieden uns für dieses Jahr von den prachtvollen Dolomiten und freuen uns auf den nächsten SUV-Test. Allen Lesern von n-tv.de wünschen wir frohe Feiertage und einen guten Start in 2009.

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