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Ökologisch korrekter Schnaps, ...
... Modisches aus Bio-Baumwolle ...
... oder Eier aus Freilandhaltung:
Deutschland konsumiert grün.
Doch nicht nur das: Der Bio-Boom scheint auf den umsatzträchtigen Energiemarkt überzugreifen.
Auch wenn der Löwenanteil des deutschen Energiehungers noch von fossilen Brennstoffen gestillt wird, geht der Trend zur nachhaltigen Energieversorgung.
2009 wurden bereits 10 Prozent des gesamten Verbrauchs an Wärme, Strom und Kraftstoffen aus erneuerbaren Energiequellen bestritten.
Wichtigster Energielieferant ist mit einem Anteil von 34,6 Prozent Erdöl. Gerade bei diesem Rohstoff zeigen sich jedoch die gravierenden Nachteile fossiler Brennstoffe.
Von den 2008 in Deutschland verbrauchten 108,6 Millionen Tonnen Erdöl mussten 105,1 Millionen Tonnen importiert werden.
Die einheimische Förderung kann den Bedarf nicht annähernd decken, sodass die deutsche Wirtschaft dem Geschehen am Ölmarkt vollständig ausgeliefert ist.
Wie sich der Weltmarktpreis entwickelt, hängt auch vom Umfang der noch erschließbaren Ressourcen ab. Vor allem Peak Oil - das Erreichen des Fördermaximums - gilt als der entscheidende Wendepunkt. Wann dieser eintritt, ist jedoch stark umstritten.
Die Internationale Energieagentur IEA prognostiziert Peak Oil für das Jahr 2020. Ab diesem Jahr würde die jährliche Fördermenge sinken und könnte nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten, was den Preis in die Höhe treiben dürfte.
Zwar verfügt Deutschland im Bereich der Braunkohle über ausreichende Ressourcen, die Ausbeutung und Verwendung sind aber umstritten.
Eines der Hauptargumente der Gegner fossiler Brennstoffe: Das Verbrennen von Erdöl, Kohle und Erdgas setzt schädliche Klimagase frei.
Das gefährdet das Klimaziel der Bundesregierung, ihren Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu leisten und die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen fordert dafür die "weitestgehende Umstellung" auf erneuerbare Energien.
Der entscheidende Vorteil der Erneuerbaren liegt auf der Hand: Sie sind quasi unerschöpflich, weil sie nach menschlichem Ermessen unendlich vorhanden sind.
Zu den regenerativen Energiequellen gehören Wasserkraft, ...
Windenergie, ...
Erdwärme, ...
Biomasse ...
und die Sonnenenergie.
Die Gewinnungs- und Anwendungsmöglichkeiten sind gerade bei der Solarenergie sehr vielfältig. Mittels Photovoltaik kann etwa aus einfallendem Sonnenlicht Gleichstrom erzeugt werden.
Nach der Umwandlung in Wechselstrom kann dieser in das reguläre Stromnetz eingespeist werden.
Bei der aktiven Nutzung der Solarthermie werden dagegen Sonnenkollektoren eingesetzt, um Wärme zu erzeugen.
Nach Schätzungen der Agentur für Erneuerbare Energie nutzen rund eine Million Haushalte in Deutschland diese Methode, um Wasser zu erhitzen oder ihre Wohnung zu heizen.
Solarthermie kann jedoch auch zur Stromproduktion eingesetzt werden. In solarthermischen Kraftwerken wird Sonnenlicht durch Spiegel gebündelt und auf einen so genannten Absorber gerichtet. Die dabei erzeugte Wärme wird dann mit konventioneller Technik wie etwa Dampfturbinen zur Stromproduktion genutzt.
Mittlerweile dient in Deutschland eine Fläche von ca. 13 Millionen Quadratmetern - das entspricht etwa 1770 Fußballfelder - zur Bereitstellung von Solarwärme.
Ingesamt wurde dadurch 2009 in Deutschland eine Leistung von 4,75 Milliarden Kilowattstunden (kWh) generiert.
Auch bei der Stromerzeugung leistet die Photovoltaik mittlerweile einen signifikanten Beitrag. Mit 6,2 Milliarden kWh hatte Solarstrom 2009 erstmals einen Anteil von über einem Prozent am deutschen Stromverbrauch.
Noch wichtiger für den Strommarkt ist die Windenergie: Durch sie wurden 6,45 Prozent des Verbrauches gedeckt.
Das Wirkungsprinzip der Windräder ist dabei denkbar einfach: Die Bewegungsenergie des Windes wird durch die Rotorblätter in mechanische und durch einen Generator in elektrische Energie umgewandelt.
Großer Nachteil dieser Technologie: Bei Flaute kann keine Energie erzeugt werden.
Das ungewöhnlich windarme Jahr 2009 führte dazu, dass die erzeugte Strommenge von 37,8 Millarden kWh zehn Prozent unter der durchschnittlich möglichen Leistung lag.
Unter der ungünstigen Witterung hatte auch die Bilanz der Wasserkraftwerke zu leiden: Die Stromerzeugung sank von 20,4 Milliarden kWh 2008 auf 19 Milliarden kWh 2009.
Die kinetische und potenzielle Energie einer Wasserströmung wird über ein Turbinenrad in mechanische Rotationsenergie umgewandelt, die zum Antrieb von Maschinen oder Generatoren genutzt werden kann.
Der vielseitigste erneuerbare Energieträger in Deutschland ist Biomasse.
Wichtigster Rohstoff ist Holz, das in Biomasseheizkraftwerken verbrannt wird.
Bereits rund ein Viertel der deutschen Holzproduktion wird zur Energiegewinnung genutzt.
Ähnlich sieht es in der Landwirtschaft aus: Immer mehr Flächen werden zur Herstellung von Biomasse genutzt.
Prominentester Verwendungszweck sind die Biokraftstoffe. Insgesamt wurden in Deutschland 2009 3,52 Mio Tonnen produziert, wobei der Trend gerade beim Biodiesel stark rückläufig ist.
Die Produktion erweist sich als teuer und wenig effizient. Das Umweltbundesamt riet 2006 sogar ganz von Biodiesel ab. Das Ersetzungspotential liege nur bei 1 bis 2 Prozent der Gesamt-Dieselmenge. Derzeit liegt der Anteil der Biokraftstoffe am gesamten Kraftstoffverbrauch bei 5,5 Prozent.
Weiter auf dem Vormarsch befindet sich die Herstellung von Biogas. Es entsteht durch die Vergärung tierischer und pflanzlicher Stoffe.
Das Pinzip funktioniert wie ein Kuhmagen. Eine flüssige Rohstoffmischung gärt in so genannten Fermentern unter Luftausschluss. Auf 38 bis 42 Grad erwärmt und durchmischt, wandeln Bakterien die organische Substanz in hochwertiges Biogas um.
In einer Biogasanlage können verschiedenste Grundstoffe vergoren werden. Neben Energiepflanzen (Getreide, Gras, Silomais) dienen auch Produktionsabfälle aus der Lebensmittel- oder Futtermittelindustrie und sogar Speisereste ...
oder Wirtschaftsdünger aus Viehhaltung (Gülle, Mist) als Rohstoff.
Eher für den Hausgebrauch geeignet sind Wärmepumpen. 2009 kletterte der Gesamtbestand auf über 400.000. Die Wärmebereitstellung lag mit 4,7 Milliarden kWh etwa so hoch wie bei der Solarthermie.
Insgesamt trugen die Erneuerbaren 2009 nicht nur zu 10 Prozent zum Gesamtenergieverbrauch bei, sondern halfen auch bei der Vermeidung von Treibhausgasemissionen.
Insgesamt konnten so 108,6 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen eingespart werden.
Die Erneuerbaren tragen nicht nur Energiegewinnung und Emissionsvermeidung bei, sondern entwickeln sich auch zum Jobmotor.
Mittlerweile arbeiten in dem Sektor laut Schätzungen des Bundesumweltministeriums rund 300.000 Beschäftigte.
Selbst die Wirtschaftskrise scheint dem Wachstum der Branche nichts anhaben zu können.
2009 verzeichnete die Branche trotz Wirtschaftskrise Investitionen von 17,7 Milliarden Euro - das ist eine Steigerung von 20 Prozent.
Bundesumweltminister Röttgen spart nicht mit Lob: "Die erneuerbaren Energien haben sich als Fels in der Brandung der Wirtschaftskrise behauptet."
Sein Ministerium beziffert den Gesamtumsatz mit den Erneuerbaren auf mehr als 33,4 Milliarden Euro - gegenüber 30,7 Milliarden Euro im Vorjahr.
Aber grüne Energie ist nicht umsonst. Zwar ist sie unerschöpflich, ihre Erschließung bringt jedoch enorme Kosten mit sich. Bislang ist vor allem der erneuerbare Strom in Deutschland im Durchschnitt noch teurer als solcher aus fossilen oder nuklearen Quellen.
Um Investitionen in Erneuerbare trotzdem attraktiv zu machen, beschloss die Bundesregierung 2000 das „Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien“. Es verpflichtet die Netzbetreiber, Strom aus erneuerbaren Energien von den Erzeugern abzunehmen, vorrangig in das Stromnetz einzuspeisen und mindestens 20 Jahre lang eine gesetzlich festgelegte Mindestvergütung zu zahlen.
Hieraus ergeben sich Differenzkosten als Unterschied zwischen der EEG-Durchschnittsvergütung und dem Beschaffungspreis für konventionell erzeugten Strom.
Die vier großen Netzbetreiber Tennet, EnBW, RWE und Vattenfall rechnen für 2010 mit Vergütungszahlungen an EEG-Anlagenbetreiber in Höhe von 12,7 Milliarden Euro. Dem stehen erwartete Einnahmen von 4,5 Milliarden Euro gegenüber
Die Differenz von 8,2 Milliarden Euro wird über die EEG-Umlage gedeckt, sprich: der Kunde zahlt. Das Bundesumweltministerium bezweifelt allerdings, dass die von den Konzernen kolportierten 2 Cent/kWh Mehrbelastung durch das EEG der Wahrheit entsprechen.
Es ermittelt eine Mehrbelastung von maximal 0,4 Cent/kWh - ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt müsste so sechs Euro mehr im Monat für die Förderung von erneuerbaren Energien bezahlen.
In einer Studie des Hauses von Norbert Röttgen über den Einfluss des EEG auf die Strompreise heißt es: "Wenn einzelne Stromlieferanten jetzt ihre Strompreiserhöhungen vorrangig mit dem EEG begründen, verstellt dies also den Blick auf viel maßgeblichere Kostengrößen und -treiber."
Trotz höherer Preise scheinen die Erneuerbaren bei den Kunden angekommen zu sein. So ergab eine Umfrage des Instituts TNS Infratest aus dem Herbst 2009, dass 92 Prozent der Befragten ihren Strom aus umweltschonenden Energiequellen beziehen wollen. Mehr als die Hälfte waren bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen.
Dagegen sind aufwendige Investitionen in energieeffiziente Heizungssysteme und Energiegewinnungsanlagen noch Ausnahmen: Erst 16 Prozent der befragten Eigentümer gewinnen ihren Strom durch erneuerbare Energiequellen, zum Beispiel durch eine Solaranlage.
Die Entscheidung für eine solche Anlage wird durch einen Beschluss der Bundesregierung erschwert: Die Vergütung für die Einspeisung von Solarstrom vom eigenen Hausdach wurde am 1. Juni 2010 um 16 Prozent gekappt.
Für viele ein falsches Signal. Vor allem die Anti-Atom-Bewegung macht mobil und möchte die nukleare Energie, die noch zirka 23 Prozent der Stromerzeugung ausmacht, durch erneuerbare Energie ersetzen.
Ende April demonstrierten über 100.000 Menschen in Deutschland für den endgültigen Atomausstieg.
Ihr Argument: Das Festhalten an den fossilen Brennstoffen behindert die Entwicklung der Erneuerbaren und ...
... gefährdet die Klimaziele der Regierung.
Nicht zuletzt sehen die Verfechter der Erneuerbaren Arbeitsplätze in den aufstrebenden Industriezweigen gefährdet.
Mit der Verlängerung der AKW-Laufzeiten im neuen Energiekonzept hat die Bundesregierung um Kanzlerin Merkel ein umstrittenes Signal ausgesendet.
Das ambitionierte Ziel, bis zum Jahr 2050 Deutschlands Strom komplett aus regenerativen zu erzeugen, wird damit wohl nicht erreicht.
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