| SA | 9° / 23° |
| SO | 12° / 22° |
Fangen wir mit der guten Nachricht an: Die XXI. Olympischen Winterspiele sind nach dem zwölften Wettkampftag noch nicht beendet. Im Gegenteil, sie fangen erst richtig an.
Zumindest für die Kanadier. Die sind nach dem 7:3-Viertelfinalsieg ihrer Eishockey-Nationalmannschaft über Weltmeister Russland …
... einfach nur happy.
Gegen die Russen spielten die Kanadier im vorweggenommenen Endspiel so, wie es sich die Fans zuvor allenfalls erträumt hatten: Voller Einsatz, ...
... kombinationssicher, ...
... eiskalt vor dem gegnerischen Tor.
Mangelnde Chancenverwertung wie beim 3:5 gegen die USA und selbst beim 8:2 über Deutschland ...
... mussten sich die Kanadier diesmal nicht nachsagen lassen.
Resultat: Kanadischer Freudentaumel ...
... und russische Depression.
Von Freudentaumel ist das Wintersportland Deutschland nach dem zwölften Wettkampftag in Vancouver so weit entfernt wie Hertha BSC von der Tabellenspitze in der Bundesliga.
Als nach einem mäßigen Tag alles besser werden sollte, wurde es nur noch schlimmer.
Am schlimmsten kam es für die Deutschen im Eiskanal in Whistler, den die bis zur Besinnungslosigkeit euphorisierten ARD-Kommentatoren zuvor trotz des tragischen Todesfalls zu Beginn der Spiele in "Gold-Rush-Trail" umgetauft haben.
Im vierten Lauf verlor Cathleen Martini in der extrem gefährlichen Kurve 13 ("Fifty-Fifty") die Kontrolle über ihren Bob.
Ihre Anschieberin Romy Logsch wurde bei Tempo 140 aus dem Schlitten geschleudert und rutschte hilflos durch die Eisrinne.
Nicht nur den Zuschauern, auch den Goldgräbern in der ARD dürfte in diesem Moment der Atem gestockt haben. "Da bleibt einem die Luft weg. Ich bin erleichtert, dass sie da halbwegs heil rausgekommen sind", sagte Thomas Schwab, Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland.
Romy Logsch hatte Glück im Unglück: Sie erlitt Prellungen und Verbrennungen am linken Arm und Rücken.
Zudem zog sich die 28-Jährige eine Verletzung am linken Fuß zu.
Die entgangene Medaille war vollkommen egal. "Als ich aufgestanden bin und gemerkt habe, dass kein Knochen kaputt ist, war ich einfach nur froh. Nach so einem Sturz denkt man nicht über Medaillen nach", behauptete sie.
Pilotin Martini kam mit dem Schrecken davon. Doch der Schock saß tief. Helfer führten sie von der Bahn, bei der anschließenden Untersuchung im Zielbereich brach sie in Tränen aus.
Was sie anschließend sagte, dürfte indes wieder ganz nach dem Geschmack der Sportfunktionäre gewesen sein - Martini trauerte der verlorene Medaille nach: "Wenn wir zur Ruhe kommen, wird es sicherlich an einigen Stellen schmerzen. Aber im Moment tut es mehr innerlich weh. Ich bin auf Risiko gefahren, habe versucht, alles rauszuholen, konnte es aber nicht mehr retten."
Vor dem letzten Lauf hatte sie auf Rang vier liegend noch alle Chancen auf Bronze gehabt.
Sandra Kiriasis, die nach Silber in Salt Lake City und Gold in Turin diesmal Platz vier belegte, bemerkte hingegen trocken: "Sie hat sich nicht festgehalten, sonst fliegt man da nicht raus." Dass Anschieberin Logsch vor der Saison zu Martini gewechselt und Kiriasis anschließend im Weltcup hinterhergefahren war, spielte bei deren zynischer Analyse natürlich keine Rolle.
Als sich Logsch wieder etwas erholt hatte, verneigte sie sich vor den Zuschauern.
Die verneigten sich ihrerseits ...
... vor den Lokalmatadorinnen Kaillie Humphries und Helen Upperton, die auf der Heimbahn zu Gold und Silber fuhren.
BDR-Sportdirektor Schwab hingegen war einfach nur frustriert: "Wir haben uns vorgenommen, in jeder Disziplin eine Medaille zu gewinnen. Da ist so ein Ergebnis frustrierend."
Richtig tief saß der Frust auch bei den deutschen Skilangläufern nach dem 4 x 10 Kilometer Staffelrennen.
Nach Bronze 2002 und Silber 2006 hatte das DSV-Quartett insgeheim auf Gold gehofft. Heraus kam Platz sechs und damit einer der bittersten Momente für Axel Teichmann, Rene Sommerfeldt, Jens Filbrich und Tobias Angerer.
Beim Wachsroulette von Whistler hatte besonders Olympia-Pechvogel Axel Teichmann alles falsch gemacht.
Bei stärker werdendem Schneefall ging bei Teichmann vor allem am Ende seiner zehn Kilometer fast nichts mehr: "Ich habe gekämpft bis zum Umfallen. Aber meine Füße waren nicht mehr so schnell wie mein Oberkörper. Ich habe fast gestanden."
Er entschied sich anders als die Konkurrenz gegen einen No-Wax-Ski – obwohl der beim letzten Test schneller als der gewachste Ski gewesen war.
Als Teichmann auf Routinier Rene Sommerfeldt übergab, hatte Deutschland mehr als 27 Sekunden Rückstand auf die Spitze, …
… als er auf Schlussläufer Tobias Angerer übergab, waren es bereits 36,3 Sekunden auf das Spitzentrio - zu viel für Angerer, um noch auf einen Medaillenplatz zu laufen.
"Da ist eine kleine Welt zusammengebrochen", sagte Schlussläufer Tobias Angerer: "Ich werde ein, zwei Tage brauchen, um das zu verkraften."
Gold ging an souveräne Schweden, Silber an Norwegen. Deren Schlussläufer Petter Northug startete zeitgleich mit Angerer in seine 10 Kilometer, kam mit den Bedingungen aber besser zurecht …
… und sicherte Norwegen mit seinem bekannten Schlussspurt auf der Zielgeraden noch den kaum noch für möglich gehaltenen zweiten Platz vor den überraschend starken Tschechen.
Noch keine Entscheidung gab es im Riesenslalom der Frauen. Dichter Nebel in Whistler verhinderte den zweiten Lauf.
Im ersten Durchgang zeigten die drei deutschen Damen Viktoria Rebensburg (Rang 6/+0,35 Sekunden), …
... Maria Riesch (Rang 7/+0,48 Sekunden) …
… und Kathrin Hölzl (Rang 10/+0,69 Sekunden) eine überzeugende Leistung. Sie dürfen auf Medaillen hoffen, sofern der zweite Durchgang stattfinden kann. Vorn liegt momentan die Österreicherin Elisabeth Görgl.
Ihre Medaille sicher hat Stephanie Beckert (r.).
Die 21-jährige Erfurterin gewann wie über 3000 Meter auch über die 5000 Meter Silber.
Schneller war erneut nur die Tschechin Martina Sablikova, die nach ihrem zweiten Olympiasieg bekannte: "Ich hätte keine weiteren hundert Meter geschafft. Meine Oberschenkel fühlten sich an, als würden sie platzen. Ich will nur noch ins Bett."
Dort schlief Sablikova als erfolgreichste Winterolympionikin Tschechiens ein. Sie ist jetzt also die Claudia Pechstein ihres Heimatlandes.
Schön und vor allem ganz schön spektakulär ging es am Cypress Mountain zu. Im Ski-Freestyle sprang die Australierin Lydia Lassila ...
... zu Gold.
Acht Jahre nach ihrer Landsfrau Alisa Camplin kommt die Freestyle-Olympiasiegerin damit wieder aus "down under".
In Vancouver war es für die Aussies die zweite Goldmedaille - das sind zwei mehr, als die stolze Wintersportnation Finnland derzeit auf dem Konto hat.
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.