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"Das Schlimmste ist noch nicht vorbei": 2010: Pakistaner kämpfen ums Überleben

 
"Das Schlimmste ist noch nicht vorbei": 2010: Pakistaner kämpfen ums Überleben

Sechs Millionen Menschen in Pakistan brauchen umgehend Hilfe, um die katastrophalen Überschwemmungen überleben zu können.

Weitere acht Millionen Menschen sind indirekt oder längerfristig von der Flutwelle betroffen, durch die nach UN-Angaben bislang mindestens 1200 Menschen ums Leben kamen.

"Die Opferzahl ist bislang relativ niedrig im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen, die Zahl der Betroffenen aber außergewöhnlich hoch", sagt UN-Nothilfekoordinator John Holmes.

Die UN warnen aber vor einer "zweiten Welle von Toten" und mahnen schnellere Hilfe der Weltgemeinschaft an.

Die Weltorganisation rechnet mit dem größten Hilfseinsatz in ihrer Geschichte.

"Wenn wir nicht schnell genug handeln, könnten viele weitere Menschen durch Krankheiten und Lebensmittelknappheit sterben", befürchtet Holmes.

In einem Spendenaufruf forderten die Vereinten Nationen bei ihren 192 Mitgliedsstaaten 459 Millionen Dollar (352 Millionen Euro) Soforthilfe an.

Das Geld werde für die erste Versorgung der Betroffenen mit Nahrung, sauberem Wasser, Unterkünften und Medikamenten benötigt.

Umgerechnet rund 81 Millionen Euro Soforthilfe werden laut UN etwa benötigt, um Flutopfer mit einem Dach über dem Kopf zu versorgen.

Weitere 116 Millionen Euro würden für Lebensmittelkäufe gebraucht, rund 85 Millionen Euro für die Versorgung mit Trinkwasser.

Nach einem Monat will die UNO überprüfen, welche weiteren Gelder gebraucht werden.

Die USA kündigen weitere finanzielle Unterstützung an. Zusätzlich zu den bereits zugesagten 55 Millionen Dollar für die pakistanischen Behörden wollen sie 16,2 Millionen Dollar Soforthilfe für das UN-Flüchtlingskommissariat und das Internationale Rote Kreuz bereitstellen.

Die Bundesregierung stockt ihre Soforthilfe von zwei auf zehn Millionen Euro auf. Die EU-Kommission stellt 40 Millionen Euro bereit; auch daran ist Deutschland noch einmal maßgeblich beteiligt.

Allein in der Landwirtschaft Pakistans wird mit Schäden von mehreren Milliarden Dollar gerechnet. Die Zerstörung der Bestände sei gewaltig, sagt ein UN-Sprecher.

Die Landwirtschaft macht mehr als ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes aus, hier arbeitet fast jeder zweite Beschäftigte.

Nach den Worten des Regierungschefs von Sindh, Syed Qaim Ali Shah, wird sich Pakistan ohne umfangreiche Hilfe aus dem Ausland nicht von der Flutkatastrophe erholen.

Die bislang zugesagten Hilfen seien "Peanuts".

Auch die Hilfsorganisation Oxfam erklärt in Berlin, die internationale Gemeinschaft habe auf die Katastrophe bisher "nur verhalten reagiert".

Viele Flutopfer machen aber auch ihrer Regierung schwere Vorwürfe. Der Staat habe zu spät und nur unzureichend reagiert.

Präsident Asif Ali Zardari ging – während sein Land versinkt – auf Europa-Tour.

Während Zardaris Großbritannien-Besuchs fordern Demonstranten wie hier in Birmingham, der Präsident möge sich um sein Land kümmern.

Pakistans Präsident führte trotz massiver Kritik seine Reise nicht nur unbeirrt zu Ende, sondern machte auch noch einen Abstecher nach Syrien.

Zardari besuchte unterdessen das Katastrophengebiet, "um sich aus erster Hand ein Bild von der Zerstörung zu machen".

Pakistanische Islamisten versuchten derweil, die Not im Land und die schleppend anlaufende Unterstützung für ihre Zwecke auszunutzen.

Als schnelle Helfer vor Ort wollen islamistische Organisationen ihren Einfluss ausbauen.

Die Taliban fordern die pakistanische Regierung auf, keine Hilfsgelder aus den USA anzunehmen und versprechen ihrerseits den Flutopfern Hilfe für 20 Millionen Dollar.

Die USA, für die Pakistan ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Taliban ist, verstärken inzwischen auch ihre technische Hilfe.

Laut Verteidigungsminister Robert Gates liege das Trägerschiff USS Peleliu mit etwa 19 Hubschraubern an Bord bereits in den Gewässern vor der größten pakistanischen Stadt Karachi.

Ziel sei es, die Hilfseinsätze der Regierung in Islamabad und des pakistanischen Militärs zu unterstützen und zu verhindern, dass Islamisten die Lage ausnutzten.

Die sechs US-Helikopter, die bislang Hilfseinsätze flogen, werden zurück ins Nachbarland Afghanistan beordert.

Mit ihnen wurden nach Angaben des Pentagons bisher etwa 3000 Menschen gerettet und fast 150 Tonnen Hilfsgüter verteilt.

Gates zufolge könnte das Hochwasser eine noch größere Katastrophe für Pakistan bedeuten als das Erdbeben 2005 in Kaschmir, bei dem mehr als 70.000 Menschen starben.

Und nach Einschätzung der pakistanischen Meteorologiebehörde ist "das Schlimmste noch nicht vorbei".

Behördenchef Qamar-u-Zaman Chaudhry: "Die nächsten zehn Tage werden sehr entscheidend sein."

Derzeit rolle eine zweite Flutwelle durch die zentralpakistanische Provinz Punjab.

Die Fluten lassen den Fluss Chenab anschwellen und könnten trotz aller Schutzmaßnahmen die Millionenmetropole Multan treffen.

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