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Rückblick in den April 2010: Aschewolke lässt Hunderttausende stranden

 
Rückblick in den April 2010: Aschewolke lässt Hunderttausende stranden

April 2010: Hunderttausende Flugreisende sitzen fest, …

… die Bundeskanzlerin muss im Auto von Rom nach Berlin fahren …

… und auf Straßen und Schienen in Europa herrscht Ausnahmezustand: ...

Seit dem Ausbruch des isländischen Vulkans am Eyjafjalla-Gletscher am Mittwoch ist der Luftraum über weiten Teilen Europas gesperrt.

Zehntausende Flüge sind wegen der gigantischen Aschewolke bereits ausgefallen.

Wenn der Vulkan spuckt und der Wind "falsch" weht, muss der Mensch kuschen.

Die massenhaften Flugausfälle führen eindrucksvoll vor, wie eine Naturgewalt dem Menschen seine Grenzen aufzeigen kann.

Die Asche des Vulkans am isländischen Eyjafjalla-Gletscher hält tausende Flugzeuge am Boden.

Selbst der mächtigste Mann der Welt muss sich manchmal fügen. US-Präsident Barack Obama konnte am Sonntag nicht wie geplant zur Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski anreisen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eigentlich am Freitag von einer USA-Reise nach Berlin zurückkehren wollte, erreichte die Hauptstadt erst mit zweitägiger Verspätung: Sie musste einen Zwischenstopp in Lissabon einlegen, und mit dem Auto schließlich von Rom aus fahren.

Von den Flugausfällen besonders betroffen sind Urlauber und Transitreisende - viele Passagiere sitzen in der Fremde fest oder kommen nicht an ihr Reiseziel.

Reiseveranstalter konzentrieren sich darauf, möglichst viele Kunden auf anderen Wegen heimzuholen.

Der Reiseverband Abta geht davon aus, dass derzeit 150.000 Briten im Ausland festsitzen.

Die britische Regierung hat deshalb beschlossen, festsitzende Reisende mit Kriegsschiffen der Marine zurückzuholen. Die HMS Ocean, ein Amphibienschiff, soll ebenso wie der Flugzeugträger HMS Ark Royal (Foto) am Ärmelkanal ankommen. Sie sollen tausende Briten transportieren, die in Frankreich gestrandet sind. Ein drittes Schiff ist nach Nordspanien unterwegs, um britische Soldaten zurückzubringen, die aus Afghanistan zurückgekehrt sind.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) konnten am Wochenende rund 150.000 deutsche Pauschalreisende weder nach Hause noch an ihre Ferienziele fliegen.

Allein auf den Kanarischen Inseln saßen am Wochenende mehr als 70.000 Urlauber fest, auf Mallorca (Foto) waren 50.000 Reisende von dem Chaos betroffen.

Bei Pauschalreisen kommen dafür zum Teil die Reiseveranstalter auf Kulanzbasis auf. Wer auf eigene Faust angereist war, muss allerdings den verlängerten Hotel-Aufenthalt selbst bezahlen.

Die Hoteliers gewähren den "Asche-Urlaubern" ermäßigte Zimmerpreise, berichten spanische Medien.

Der Reisekonzern TUI holt festsitzende Spanien-Urlauber mit einem Buskonvoi nach Deutschland zurück. So werden deutsche Touristen von Mallorca oder Gran Canaria aufs spanische Festland geflogen, von wo sie nach einer von TUI bezahlten Übernachtung mit Bussen weiterreisen.

Am Sonntag wurde allerdings auch der Flughafen von Mallorca geschlossen, so dass man die Insel bis auf weiteres nur per Schiff verlassen kann.

Eine einzige Maschine konnte der Reiseveranstalter TUI am Sonntag durchbringen, weil das Flugverbot zwischenzeitlich aufgehoben war. In Hannover landete ein Flugzeug mit 165 Urlaubern aus Gran Canaria.

Zwei bis drei Tage saßen die Fluggäste dort fest. Sie waren schon fest auf eine 30-stündige Fahrt mit dem Bus von Faro bis nach Deutschland vorbereitet. "Es hätte schlimmer kommen können. Wir sind froh, dass wir wieder in Deutschland sind", sagte ein Urlauber.

In der Transitzone des Frankfurter Flughafens harren derzeit immer noch hunderte Passagiere aus, viele ohne ein Visum für Deutschland. Das heißt, sie können den Bereich im Flughafen seit Tagen nicht verlassen.

Der Flughafenbetreiber Fraport bietet ihnen neben Essen, Trinken und Waschzeug auch Kinofilme und Flughafenrundfahrten an.

Angehörige dutzender Nationen sitzen teilweise seit Freitagmorgen am Frankfurter Flughafen fest. Die Stimmung sei "den Umständen entsprechend gut", sagte ein Fraport-Sprecher.

Insgesamt 1400 Feldbetten stehen für Reisende bereit, die dort übernachten müssen.

In Australien hat die Aschewolke hunderte europäische Rucksacktouristen in Finanznöte gebracht. Die Gestrandeten, meist junge Leute mit wenig Geld, müssen nach der Verschiebung ihrer Rückflüge sehen, wie sie die zusätzlichen Übernachtungen bezahlen.

"Das haut zum Ende meiner Reise besonders rein", beschwerte sich eine 25-jährige Britin. Ein 29-jähriger Landsmann, der eigentlich ab Montag wieder Dienst bei der Royal Navy schieben sollte, erkundigte sich bereits bei seiner Reiseversicherung. Doch die zahlt nicht, da es sich um eine Naturkatastrophe handelt.

Die Rucksacktouristen können die Strände der Metropole wohl noch länger genießen. Die Fluggesellschaft Qantas hat ihre Flüge nach Europa schon bis Mittwoch gestrichen.

Sollte die Sperrung der Lufträume aufgehoben werden, wird es nach Ansicht von Experten mehrere Tage dauern, ehe sich der Reiseverkehr normalisiert hat. Die Fluggesellschaften forderten vorsorglich eine Lockerung des Nachtflugverbots.

Spanien hat den EU-Staaten seine Flughäfen als Ausweichstellen für Fernflüge auf andere Kontinente angeboten. Nach einem Vorschlag des Madrider Verkehrsministers José Blanco könnten Flüge in die USA oder nach Lateinamerika von spanischen Flughäfen aus abgewickelt werden.

Nach diesem Vorschlag könnten zum Beispiel die in den USA festsitzenden Deutschen und Briten nach Spanien fliegen und von dort auf dem Landweg oder per Schiff in ihre Heimat zurückkehren.

In ganz Europa versuchen Reisende derzeit, mit der Bahn oder Mietwagen weiterzukommen.

Auch Taxis wurden für grenzüberschreitende Langstrecken gechartert.

In Deutschland führte das zu hoffnungslos überfüllten Zügen, dichtem Gedränge in fast allen Bahnhöfen und ewig langen Schlangen an den Service-Schaltern.

Wie auch andere europäische Bahnunternehmen, versucht die Deutsche Bahn, einen Ausgleich für die gestrichenen Flugverbindungen zu schaffen. Das beispiellose Naturereignis könnte für das Unternehmen aber auch eine Chance sein, ihr angekratztes Image aufzupolieren. Schließlich setzt der Konzern jetzt mehr auf Pünktlichkeit und Service.

"Alles muss jetzt rollen, was rollen kann", sagt ein Sprecher. "Wir stehen sozusagen Gewehr bei Fuß".

Ein Ende der Aschewolke ist derzeit nicht in Sicht.

Eine Behördensprecherin in Reykjavik sagte, die Säule mit Rauch und Asche erreiche zwar nur noch eine Höhe von maximal drei Kilometern. Der Wind weht in südöstlicher Richtung auf Großbritannien und das südliche Skandinavien zu.

Fachleute hatten aber seit Beginn des Ausbruchs übereinstimmend darauf hingewiesen, dass langfristige Vorhersagen über Dauer und Intensität der Vulkanaktivitäten nicht möglich sind.

In Deutschland sagten Meteorologen erst für Dienstag eine Wetteränderung voraus. Tief "Queenie" soll dann zwar neue Asche aus Island bringen, der Regen wird vermutlich aber auch für ein "Großreinemachen" am Himmel sorgen.

Die Aschewolke aus Island könnte zudem nun auch Nordamerika erreichen. Laut Vorhersagen werde die Asche gegen 14 Uhr im Osten Kanadas ankommen, sagte Bob Syvret vom britischen Wetterdienst. Die Wolke werde aber wahrscheinlich eine geringe Aschekonzentration haben, so dass Flüge weiter möglich seien. (Text: tis/dpa/AFP/rts)

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