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"Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt", singt Grönemeyer auf seinen Konzerten regelmäßig, bevor er seine Ruhrpotthymne "Bochum" anstimmt. "Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt'."
Der Text des "Steigerlieds" geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Bergleute hießen früher oft "Steiger", weil sie in den Berg stiegen: Ursprünglich mussten sie zu ihrer Schicht unter Tage bis zu zwei Stunden an Leitern hinunter- und später wieder hinaufklettern.
Später wurden Personen und Materialien über einen Förderturm in die Tiefe transportiert. Er ist oberhalb eines Schachts aufgebaut.
Ein Förderkorb bringt die Kumpel in den Schacht, der eine Tiefe von bis zu mehreren tausend Metern erreichen kann. Bergleute sprechen von der "Seilfahrt". Die Schächte dienen auch der Belüftung oder "Bewetterung" der Grube.
Unter Tage ist das Grubenfeld durch Strecken oder Stollen auf verschiedenen Ebenen - "Sohlen genannt" - erschlossen, die sich zum Teil über mehrere hundert Kilometer erstrecken.
Besonders in Kohlebergwerken ist die Arbeit mit viel Schmutz verbunden. Der dunkle Staub kriecht fast unter die Haut.
In der Waschkaue können die Bergleute ihre verschmutzte Kleidung wechseln.
Die Arbeit der Kumpel war immer schon gefährlich. Die Heilige Barbara gilt als Schutzheilige der Bergleute und der Geologen. Am 4. Dezember feiern Bergleute noch vielerorts das Barbarafest.
In Bergwerken entstehen oft Gasgemische, die leicht entzündlich und hoch explosiv sind. Grubenwehren müssen immer wieder den Ernstfall trainieren.
Früher nahm man Kanarienvögel mit in den Stollen, die bei der Entwicklung gefährlicher Gase Alarm geben sollten. Die leicht brennbaren Gase erkannten die Vögel allerdings nicht.
Eine andere Gefahr stellen Erdrutsche dar. Noch heute werden weltweit immer wieder Bergleute in schlecht gesicherten Bergstollen verschüttet.
Nicht nur im "Steigerlied", auch im alten "Anfahrtsgebet" der Bergleute ist die Rede von der Grubenlampe, die das Dunkel unter Tage erhellt.
Jeder Bergmann hat seine eigene Grubenlampe, für deren Funktionieren er verantwortlich ist.
Die Grubenlampe muss - wegen der Gefahr eines Stromausfalls - von Beginn bis zum Ende der Schicht brennen, auch in gut erleuchteten Räumen.
Offenes Feuer unter Tage ist gefährlich wegen des Risikos "schlagender Wetter", der Explosion brennbarer Gase in der Grube. Die Grubenlampe oder "Wetterleuchte" genannt, vermeidet diese Gefahr.
Schlägel und Eisen symbolisieren bis heute den Bergbau. Mit diesen Werkzeugen brachen die Arbeiter früher das Gestein aus der Wand: Das Eisen als Meißel in der einen, den Schlägel in der anderen Hand.
Die Arbeit ist auch heute noch hart und körperlich anstrengend, auch, wenn das Werkzeug etwas anders aussieht.
Loren transportieren Gestein und Abraum.
Moderne Abraumförderbrücken übernehmen dieselbe Aufgabe.
Im Ruhrgebiet wurde bereits ab dem 13. Jahrhunder Kohle abgebaut. Aber erst mit der Industrialisierung wurde die Region zum "Kohlenpott". "Pott" kommt übrigens von "Pütt" und bedeutet "Bergwerk".
Auch das Saarland und Oberschlesien spielten für die Gewinnung von Kohle immer schon eine große Rolle.
Das Erzgebirge wurde ab dem 16. Jahrhundert zum Zentrum für den Abbau verschiedener Erze, darunter auch Eisen- und Silbererze.
Andernorts förderte und fördert man Schiefer oder Ton, Kalk oder - wie hier - Salz.
In Seilitz bei Meißen befindet sich das kleinste Bergwerk Deutschlands. Hier bauen drei Bergleute Kaolin ab, das für die Herstellung von Porzellan, dem "weißen Gold" verwendet wird.
Mittlerweile ist die Bedeutung des Bergbaus zurückgegangen. Die Kohlekrise der 60er Jahre leitete in Ruhrgebiet und Saarland einen massiven Strukturwandel ein. Dies ging nicht ohne heftige Proteste von statten.
Durch den Ausstieg aus dem Kohleabbau verloren Tausende Bergleute ihre Arbeit.
Doch das Ende vieler Zechen erlebten andere auch als positiv. Denn viele leiden unter den Folgen des Bergbaus.
Vor allem in Nordrhein-Westfalen sackt durch den massiven Abbau von Gestein immer wieder die Erde ab: Viele Häuser verlieren ihren festen Grund und zeigen zahlreiche Risse auf. Die Bewohner fühlen sich oft nicht mehr sicher.
Vor allem aber der Tagebau beeinträchtigt die Landschaft massiv.
Der Rohstoff wird hier nicht in Schächten und Stollen, sondern in offenen Gruben oder Brüchen, so genannten "Pingen", abgebaut.
Naturschützer protestieren immer wieder gegen die Verwüstung ganzer Landstriche durch den Tagebau.
Doch es sind nicht nur Tier- und Pflanzenliebhaber, die den massiven Abbau von Rohstoffen kritisieren. Für viele Menschen bedeutet ein neuer Tagebau den Verlust von Heimat.
Immer wieder wurden und werden Ortschaften umgesiedelt, um Platz für neue Bergwerke zu machen. Manchmal kann vom alten Dorf noch etwas gerettet werden: Die Heuersdorfer nahmen ihre alte Kirche einfach mit.
In der Regel aber müssen die Bewohner ihre alten Häuser und Gärten zurück lassen.
Es gibt mehr und mehr Versuche, nach der Schließung eines Tagebaus die Landschaft zu renaturieren. Pingen werden zu Seen - und die zu Ausflugszielen.
Die verlassenen Landschaften bieten auch so vielen Touristen einen beeindruckenden Anblick.
Rekultivierung durch Weinanbau: Auf dem Kippengelände des Tagebaus Welzow-Süd werden nun versuchsweise Früchte für Rebensaft geerntet. Im Hintergrund ist noch immer der Schaufelbagger zu sehen.
Auch als Industriedenkmal oder Museum locken stillgelegte Bergwerke viele Besucher an.
Kinder und Jugendliche können so noch einen Eindruck von der Arbeitswelt ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern bekommen. Nur noch wenige von ihnen werden selbst einmal in einem Bergwerk tätig sein.
Andernorts - wie hier in der Zeche Zollverein - entdeckt man ehemalige Bergwerke als neuen Ort für spannende Kulturereignisse.
Stillgelegte Bergwerke eignen sich gleichermaßen für künstlerische Projekte ...
... wie als Konzertsaal (hier das Salzbergwerk Soledar in der Nähe von Kiew).
Dreißig Meter hoch ist die Grubenlampe, die der Künstler Otto Piene auf der Halde Rheinpreußen in Moers gebaut hat.
Das Haldenleuchten ist noch in weiter Entfernung zu sehen.
"Und er hat sein helles Licht bei der Nacht/ und er hat sein helles Licht bei der Nacht/ schon angezündt'/ schon angezündt'." (Bilder: dpa, pixelio.de, Text: Natascha Gillenberg).
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