Bilderserie

Erinnerungen an Waco werden wach: Bürgerwehr fordert US-Behörden heraus

Bild 1 von 34
Im tiefsten Westen der USA, im US-Bundesstaat Oregon, verschanzen sich seit Tagen Bewaffnete in den Räumen eines Naturparks. Bei dem Konflikt geht es auf den ersten Blick um Brandstiftung. (Foto: REUTERS)

Im tiefsten Westen der USA, im US-Bundesstaat Oregon, verschanzen sich seit Tagen Bewaffnete in den Räumen eines Naturparks. Bei dem Konflikt geht es auf den ersten Blick um Brandstiftung.

Im tiefsten Westen der USA, im US-Bundesstaat Oregon, verschanzen sich seit Tagen Bewaffnete in den Räumen eines Naturparks. Bei dem Konflikt geht es auf den ersten Blick um Brandstiftung.

Dwight Hammond und sein Sohn Steven sollen auf Land der Bundesregierung Feuer gelegt haben, um Spuren von Wilderei zu verwischen. Dafür saßen der Vater drei Monate und der Sohn ein Jahr in Haft.

Doch Ende 2015 urteilte ein Bundesrichter, die Haft sei nach Bundesrecht zu kurz gewesen, die Männer müssten jeweils noch einmal vier Jahre einsitzen. Schließlich stellten sich die beiden.

Aus Ärger über die Haftverschärfung besetzten Mitglieder einer regierungsfeindlichen Bürgerwehr, Rancher und andere Aktivisten am ersten Januarwochenende das Verwaltungsgebäude des Wildschutzgebiets Malheur National Wildlife Reserve. Er beherbergt ein Verwaltungsgebäude, das Besucherzentrum und ein Museum.

Rund um den Naturschutzpark leben nur etwa 7000 Menschen. Die nächste größere Stadt ist 250 Kilometer entfernt. Die Bundesregierung in Washington ist weit weg. Doch dem Staat gehören in einigen Bezirken Oregons bis zu 90 Prozent des Landes. Darum wird seit Jahrzehnten gerungen. Mal friedlich, mal nicht.

Die teilweise schwer bewaffneten Besetzer nennen sich selbst "Citizens for Constitutional Freedom" (Bürger für verfassungsrechtliche Freiheit).

Seitdem gehen die Bilder von bärtigen Männern mit Cowboyhüten und Karojacken an Lagerfeuern im Winterwind um die Welt.

Unter den Bewaffneten sind Veteranen. Männer von weit her, ausnahmslos Weiße.

Die Ablehnung des Staates und namentlich der Bundesregierung ist in den USA populär, vor allem auf Seiten der extremen Rechten. Verfassung und Bibel akzeptieren sie als einzigen Kodex.

In Oregon wollen sie sich nun Land nehmen, das dem Volk gehöre, sich gegen Tyrannei und Unterdrückung wehren.

"Wir sind die Speerspitze", sagt ihr Anführer Ammon Bundy in Interviews. Die teils bewaffneten Männer wollen so lange ausharren, "wie es nötig ist - Tage, Wochen, oder sogar noch länger", sagt er.

Die Gruppe spricht von bis zu 150 Besetzern, die Polizei von 15 Menschen. Ammon Bundy ist der Sohn von Cliven Bundy, einem stramm rechten Cowboy.

Cliven Bundy erlangte 2014 über Nevada hinaus gewisse Berühmtheit, weil er sich über Jahre weigerte, für das Beweiden von Bundesgebiet Gebühren für seine gewaltigen Herden zu bezahlen. Der Streit eskalierte. Die Regierung vermied einen Showdown, zog sich zurück. Den Rechten galt das als Sieg.

Sein Sohn Ammon Bundy wirft den Behörden vor, die Hammonds zu schikanieren, weil diese ihre Farm nicht verkaufen wollten.

Die "New York Times" schreibt, die Anführer von Oregon wollten mit ihrer Aktion eine US-weite Bewegung entzünden.

Doch längst nicht allen Anwohnern sind Bundy und seine Männer willkommen.

Die Besetzer bewachen alle Eingänge zum Nationalpark. Sie hatten zuvor angekündigt, friedlich zu bleiben, solange die Polizei nicht eingreife.

Sollte dies aber geschehen, seien sie zu Waffengewalt bereit.

Sheriff David Ward sagte dem "Oregonian", die Gruppe plane einen Umsturz. Man solle sich von den Gebäuden fernhalten. Der Park ist bis auf Weiteres geschlossen.

Die Bundespolizei FBI und örtliche Sicherheitskräfte bemühen sich seitdem um eine Entschärfung der Lage, bislang erfolglos.

Wegen des Konflikts bleiben auch die Schulen in dem Gebiet sowie das örtliche Gericht aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Inzwischen wachsen die Befürchtungen, die Lage könnte eskalieren. Nicht nur US-Medien ziehen bereits Vergleiche zu den Vorfällen in Ruby Ridge und Waco in den 1990er-Jahren.

In Ruby Ridge war der Versuch fehlgeschlagen, einen Mann zu überzeugen, Spitzeldienste bei der antisemitischen und rassistischen Organisation Aryan Nation zu übernehmen. Beim bewaffneten Zugriff der US-Behörden im September 1992 starben ein US-Marshal, außerdem die Frau und der 14-jährige Sohn des Mannes.

Sechs Monate später begann die Belagerung einer festungsähnlich ausgebauten Ranch der Davidianer-Sekte in Mount Carmel bei Waco, nachdem bei einer Razzia auf illegale Waffen vier Polizisten und fünf Ranchbewohner ums Leben gekommen waren.

Schließlich wurde das Gelände im April 1993 mit Panzern und Hubschraubern gestürmt. Daraufhin legten die Sektenmitglieder Feuer, durch das 82 von ihnen starben. Unter ihnen war auch der Sektenführer David Koresh.

Einer der FBI-Experten, die im Waco im Einsatz waren, soll nun auch in Oregon vor Ort sein, um die Fehler von damals zu verhindern.

Statt auf Aggression setzt das FBI auf Geduld. Den Besetzern wurde der Strom abgestellt.

Nun gilt es zu warten, bis die Vorräte an Kraftstoff für die Generatoren und die Lebensmittel knapp werden.

Die Rancher Dwight und Steven Hammond hätten sich von der Besetzung distanziert, sagte Sheriff Ward. Sie wollen nun an Präsident Barack Obama einen Gnadenappell senden.

An die Adresse der Besetzer richtete der Sheriff die Forderung: "Für euch ist es nun Zeit, unsere Gemeinde zu verlassen."

Er kritisierte, "dass ein friedlicher Protest zu einem bewaffneten und gesetzeswidrigen Protest wurde". "Geht nach Hause zu euren Familien und beendet dies hier friedlich", sagte Ward.

Noch ist die Lage in Oregon friedlich.

Staat und Polizei taten der selbst ernannten Bürgerwehr bislang nicht den Gefallen einer Konfrontation. Sie hielten sich komplett zurück.

Ein Krisenstab wurde eingerichtet. Wie das alles ausgeht, ist völlig offen.

weitere Bilderserien