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Mittwoch, 08. Februar 2017

Diskriminierung, Hunger, ...: Das Ende der Pygmäen auf Idjwi

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Auf Idjwi, der größten Insel der Demokratischen Republik Kongo, stirbt eine Lebensweise. (Foto: REUTERS)

Auf Idjwi, der größten Insel der Demokratischen Republik Kongo, stirbt eine Lebensweise.

Auf Idjwi, der größten Insel der Demokratischen Republik Kongo, stirbt eine Lebensweise.

Hier leben die Bambuti. Die Pygmäen-Gruppe gehört zu den ältesten indigenen Völkern Afrikas. Seit Jahrtausenden leben sie als Jäger und Sammler im Regenwald.

Durch die Insellage wurden die Bewohner von den zahlreichen Kriegen und Konflikten im Kongo bisher weitgehend verschont. Unberührt sind sie davon dennoch nicht geblieben.

Seit den 1980er-Jahren wurden die Bambuti von einer anderen Bevölkerungsgruppe aus ihrer Heimat vertrieben: den Bahavu.

Die Bahavu sind ein Bantu-Volk, das heute mehr als 95 Prozent der Bevölkerung Idwjis ausmacht.

Selbst vom Krieg vertrieben, beanspruchten Bahavu immer größere Teile der Insel für sich, ihre Häuser und andere Bauten.

Die Ureinwohner verloren in der Folge ihr Zuhause und ihre Felder und damit auch ihren Zugang zu Nahrung. Die meisten können nicht lesen und schreiben und das Geld fehlt, die Kinder zur Schule zu schicken. Ihre Gesellschaft verkümmert.

Zudem gibt es nur eine schlechte medizinische Versorgung. Immer mehr Bambuti leiden nicht nur an Hunger, sondern auch an Krankheiten wie Malaria.

Die traditionellen Heilungsmethoden, die auf der Verwendung von Kräutern und anderen Substanzen des Regenwaldes basieren, versagen bei den Zivilisationskrankheiten.

Doch ohne offizielle Dokumente oder finanzielle Mittel werden die Pygmäen auch bei der ärztlichen Versorgung diskriminiert. Die Erfahrung der Erniedrigung ist alltäglich geworden.

Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten, weil die zuständigen Behörden behaupten, dass die Pygmäen ihr Land verkauft haben und nun unklar ist, wem das Land gehört.

Im Lager von Kagorwa, in das etwa 300 Pygmäen umgesiedelt wurden, um ihre Situation zu verbessern, haben die Menschen nicht genügend zu essen, die Kinder sind unterernährt. Sie essen einfache Maniokblätter, ohne Salz und Öl.

"Es ist die einzige Nahrung, die wir in ausreichender Menge haben", meint Adele, "es gibt keine Vögel, keine Schlangen und keine Affen mehr."

"Wir sind nicht mehr als 7000 Ureinwohner auf der Insel, verteilt an der Küste und auf unkultivierbarem Land am Rand von Dörfern, in absoluter Not", sagt Charles Livinstone, Anführer der Idgwy-Pygmäen.

Viele der Bambuti arbeiten hart für die Bahavu-Grundeigentümer, trotzdem behandeln diese sie mit Verachtung.

Habimana, eine 45-jährige Bambuti-Frau weidet die Felder eines Bahavu Geschäftsmanns. Sie bekommt nur etwa ein Drittel von dem, was andere Arbeiter verdienen.

"Ich bin daran gewöhnt", sagt sie, "wir werden wie Untermenschen behandelt."

"Zuvor, im Wald, hatten wir alles, was wir für ein einfaches, aber schönes Leben gebraucht haben. Es ist unsere Natur, so zu leben", sagt Habimana.

Mangu, ein 24-jähriger Fischer, hat seine Bambuti-Existenz bereits aufgegeben: "Unser früheres Leben ist beendet, aber wir möchten nicht in diesen Elend leben."

"Ich will die Insel verlassen, in die Stadt gehen, in einem Ziegelhaus wohnen und meine Kinder erziehen."

Zwar schützt ein Gesetz im Kongo auf dem Papier ethnische Gruppen und Minderheiten.

Wie dieser Schutz konkret aussieht und was bei Verstößen geschieht, ist jedoch weitgehend ungeklärt. Für die Bambuti könnte jede Präzisierung bereits zu spät kommen, jeden Tag verlieren sie ein bisschen mehr ihrer Traditionen und ihres Lebensraums.

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