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Das Geiseldrama von Gladbeck schrieb Kriminal- und Mediengeschichte. Zwei junge Geiseln kamen ums Leben. Während des Dramas machten sich Journalisten auf der Jagd nach Bildern und Interviews teils zu Handlangern der Geiselnehmer.
Dienstag, 16. August 1988, kurz vor 8.00 Uhr: Der 31 Jahre alte Hans-Jürgen Rösner und der 32-jährige Dieter Degowski betreten vermummt und mit Maschinenpistolen bewaffnet die Filiale der Deutschen Bank im Gladbecker Stadtteil Rentford-Nord.
Sie nehmen eine Kundenberaterin und einen Kassierer als Geiseln. Um ihren Forderungen nach einem Fluchtwagen und Lösegeld Nachdruck zu verleihen, schießen die Täter um sich. Bereitwillig geben sie Journalisten ein Interview.
21.47 Uhr: Unter den Augen der Polizei und im Blitzlichtgewitter der Presse fahren die Täter mit den beiden Geiseln und mindestens 420.000 Mark Lösegeld ab. Nach einer Irrfahrt durchs Ruhrgebiet holen die Täter Rösners Freundin Marion Löblich in Gladbeck ab.
19.07 Uhr: In Bremen-Huckelriede kapern die Geiselnehmer einen vollbesetzten Linienbus. Sie lassen Journalisten das Fahrzeug betreten - zum Ärger der Polizei, die wegen der zahlreichen Medienleute Gangster und Geiseln im Bus nicht mehr auseinanderhalten kann.
Rösner (Bild) und Degowski geben Journalisten ein Interview und fordern weiteres Bargeld. Fünf Geiseln werden freigelassen.
21.50 Uhr: Die Geiselnehmer setzen ihre Flucht mit dem Linienbus fort, dem erneut zahlreiche Presseautos folgen. 45 Minuten später erreicht der Bus mit knapp 30 Geiseln die Raststätte Grundbergsee an der A1.
Dort lassen die Täter die beiden Bankangestellten frei. Als die Polizei Marion Löblich überwältigt und auf Forderung der Gangster nicht gleich wieder freilässt (der Schlüssel für die Handschellen war abgebrochen), erschießt Degowski einen 15 Jahre alten Jungen.
Der Bus fährt Richtung Holland. Bei der Verfolgung verunglückt ein Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, ein weiterer schwer verletzt. Am Donnerstag um 2.28 Uhr morgens überquert der Bus die Grenze. Wieder fallen Schüsse, der Busfahrer und Löblich werden verletzt.
Im Austausch gegen ein neues Fluchtauto werden fast alle Geiseln freigelassen. Mit den Bremer Geiseln Ines Voitle und Silke Bischoff steigen die Täter in eine von der Polizei bereitgestellte Limousine um, mit der sie über Gronau nach Deutschland zurückkehren.
Über Wuppertal fährt das Trio mit den beiden Geiseln auf der A1 nach Köln. 10.53 Uhr: Der Fluchtwagen steht in der Kölner Fußgängerzone, umringt von einem Pulk Schaulustiger und Journalisten.
Die Täter geben vor laufenden Kameras Interviews - Köln wird zum Schauplatz der wohl berüchtigtsten "Pressekonferenz" der deutschen Kriminalgeschichte.
Kölns langjähriger Polizeichef Winrich Granitzka erinnert sich, wie ein Fotograf zu Degowski sagte: "Halt der nochmal die Knarre an den Hals, ich hab das Bild noch nicht." Mit "der" war Silke Bischoff gemeint.
Ein Journalist steigt sogar in den Fluchtwagen, um die Geiselnehmer auf die Autobahn Richtung Frankfurt zu dirigieren.
Als der Wagen sich um 12.31 Uhr wieder in Bewegung setzt, drängen Presseautos die Verfolgungsfahrzeuge der Polizei ab.
13.38 Uhr: Das Fluchtauto steht auf dem Standstreifen der A3 nahe der Ausfahrt Bad Honnef. Sekunden später greift die Polizei zu: Einsatzwagen der Spezialkommandos blockieren das Auto, Polizei und Gangster liefern sich eine wilde Schießerei.
Die Geisel Silke Bischoff wird dabei von Rösner erschossen. Rösner, Degowski und Löblich werden festgenommen.
Am 22. März 1991 werden die Gladbecker Geiselnehmer vom Landgericht Essen verurteilt. Rösner und Degowski erhalten lebenslänglich, Löblich muss für neun Jahre hinter Gitter.
Degowski (Bild) und Rösner verbüßen noch heute ihre Strafen in Gefängnissen in Bochum und Werl.
Für Rösner wurde Sicherheitsverwahrung angeordnet, was bedeutet, dass er nach Verbüßung seiner Strafe in Haft bleibt. Degowski kann frühestens 2013 entlassen werden. (Bilder: AP/ dpa)
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