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Zwei Bankräuber schreiben deutsche Kriminalgeschichte: Das Gladbecker Geisel-Desaster

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Im Sommer 1988 versetzen diese beiden Männer die Bundesrepublik in Aufruhr: Hans-Jürgen Rösner ... (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im Sommer 1988 versetzen diese beiden Männer die Bundesrepublik in Aufruhr: Hans-Jürgen Rösner ...

Im Sommer 1988 versetzen diese beiden Männer die Bundesrepublik in Aufruhr: Hans-Jürgen Rösner ...

... und Dieter Degowski (im Bild) sind die Hauptfiguren ...

... des Gladbecker Geiseldramas.

Dabei beginnt alles verhältnismäßig harmlos. Am 16. August 1988 brechen Degowski und Rösner, ein stadtbekannter Schwerverbrecher, in eine Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck-Rentfort ein.

Ein Bankraub wie jeder andere? Nein. Die beiden Verbrecher, die in der Filiale 120.000 Mark erbeuten, nehmen zwei Bankmitarbeiterinnen als Geiseln. Die Polizei belagert das Gebäude.

Obwohl sie auf die Forderungen eingeht - 300.000 Mark und ein Fluchtauto - ...

... fliehen Degowski und Rösner schließlich mit den beiden Geiseln. Es entwickelt sich einer der ...

... spektakulärsten Kriminalfälle in der Geschichte der Bundesrepublik. Gladbeck, Bremen, die Niederlande, Wuppertal, Köln und Bad Honnef: Das sind die Stationen der zweitägigen Flucht, während der die beiden Geiselnehmer die Polizei narren.

In Bremen bringen Rösner und Degowski am 17. August einen Linienbus mit 30 Passagieren in ihre Gewalt.

Sie versuchen Kontakt zur Polizei aufzunehmen, aber niemand geht ans Telefon. Die Gangster entlarven massive organisatorische Probleme der Polizei, als sie Ländergrenzen überqueren und die Beamten damit beschäftigt sind, ...

... immer neue Einsatzstäbe zu bilden. In Bremen hat ein Sondereinsatzkommando die beiden Geiselnehmer zwischenzeitlich zwar im Visier, greift aber zunächst nicht ein.

Als die Polizei auf einem Rastplatz später Rösners Freundin festnimmt, drohen die beiden damit, eine Geisel zu töten. Nach Ablauf eines Fünf-Minuten-Ultimatums erschießt Degowski im Bus schließlich einen 15-jährigen Jungen.

Am Morgen des dritten Tages der Verfolgungsjagd - die Geiselnehmer sind mit dem Bus inzwischen in die Niederlande gefahren - lassen die Verbrecher bis auf zwei alle Geiseln frei und wechseln das Fahrzeug. Mit einem BMW fahren sie zurück nach Deutschland. Über Wuppertal führt ihr Weg nach Köln.

Degowski und Rösner fahren mit dem Fluchtauto mitten durch die Fußgängerzone.

Dabei kommt es zu bizarren Szenen.

Während Degowski mit den Geiseln im Auto sitzen bleibt, ...

... steigt Rösner aus ...

... und gibt den Journalisten Live-Interviews. Die Rolle der Medien wirft später Fragen auf.

Machen sie sich zu Handlangern, indem sie den Verbrechern eine Bühne bieten?

Später stehen daher nicht nur die Ermittlungspannen der Polizei in der Kritik, sondern auch die übereifrigen Reporter.

Unter ihnen ist auch der "Express"-Journalist Udo Röbel, der kurzerhand zu den Entführern ins Auto steigt.

Die Polizei entscheidet sich jedenfalls auch in Köln ...

... gegen den Zugriff. Degowski und Rösner verlassen Köln am Mittag des 18. August und fahren auf die Autobahn. Dass ihre dreitägige Flucht bald endet, ahnen sie noch nicht.

Auf der A3 Richtung Frankfurt schlägt ein Sondereinsatzkommando eine Stunde später zu und ...

... beendet die Geiselnahme nach 54 Stunden - mit tragischem Ausgang. Bei dem Schusswechsel stirbt eine der Geiseln.

Beim Prozess kann die Staatsanwaltschaft beweisen, dass der Schuss aus Rösners Waffe abgefeuert wurde.

Richter Rudolf Esders (Bild von 1999) verurteilt Degowski und Rösner nach 19 Monaten Prozess im März 1991 wegen Geiselnahme mit Todesfolge und Mordes (Degowski) sowie versuchten Mordes (Rösner) zu lebenslanger Haft.

Auch für die Politik hat der Fall Konsequenzen: Während der Bremer Innensenator Bernd Meyer zurücktritt, bleibt NRW-Innenminister Herbert Schnoor (rechts) jedoch im Amt. Die beiden Geiselnehmer sitzen 25 Jahre später noch immer in Haft.

Der 57-jährige Degowski scheitert zuletzt mit einem Antrag auf vorläufige Bewährung. Laut einem Gutachten soll er, der in Werl einsitzt, drei Jahre lang auf eine mögliche Freilassung vorbereitet werden. Sein Komplize Rösner (Bild) ist in Aachen inhaftiert. Die Freundschaft der beiden übersteht die Gladbecker Geiselnahme nicht. Sie zerstreiten sich schon im Prozess und belasten sich gegenseitig.

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