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Es ist eine der größten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte - und sie hat gerade erst begonnen.
BP erleidet im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko einen Dämpfer nach dem anderen.
Die Ölquelle im Golf von Mexiko schießt wie schon seit sechs Wochen weiter unglaubliche Mengen Gift ins Meer.
"Wir konnten den Ölfluss nicht stoppen", musste BP-Manager Doug Suttles gestehen.
Das Unternehmen kann nur versuchen, so viel Öl wie möglich abzufangen, bevor es noch mehr Küsten verseucht, Tiere tötet und Fischern die Existenz raubt. Amerika ist geschockt.
Mehr als fünf Millionen Liter Schlamm pumpten die BP-Techniker Ende Mai in das Bohrloch. Sie wollten das Öl zurückdrängen und die Quelle mit Zement verschließen.
Weil es zunächst nicht klappte, mischten sie Plastikwürfel, Golfbälle und verknotete Seile in die Flüssigkeit. Das wirkt verzweifelt, aber erste Erfolgsmeldungen machten die Runde. Alle falsch.
Nach etwa 6 Wochen Ölpest ist BP fast wieder ganz am Anfang. Nur das alles schlimmer ist, denn statt 700 Tonnen Rohöl, wie zunächst angenommen, fließen zwischen 1600 und 3400 Tonnen täglich ins Meer.
Suttles, der Chef des operativen Geschäfts bei BP, verkündet seit Wochen mit eiserner Miene die Fortschritte und Rückschläge im Kampf gegen die Ölpest.
Diesmal zeigt sein Gesicht, dass etwas gar nicht stimmt. "Es verängstigt uns alle, dass wir es nicht schaffen, die Quelle zu schließen", sagt er. Angst statt Optimismus, jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung.
Auch für Barack Obama, der durch die Ölpest in seine größte Krise als US-Präsident gestürzt ist. Bleibt sein Vorgänger George W. Bush ewiglich mit dem Hurrikan "Katrina" verbunden, dürfte Obama jetzt den Beinamen "Oilspill" bekommen. Kritiker werfen ihm schlechtes Krisenmanagement vor.
Was aber noch schwerer wiegt: Kurz vor dem Unfall stellt er sich schützend vor die Tiefseebohrungen der Ölindustrie. Sicher und umweltverträglich seien sie. "Ich habe mich geirrt", sagt er heute.
Wochenlang behandelt Obama die Ölkatastrophe wie eine Krise der anderen. BP sei verantwortlich, BP müsse die Katastrophe bewältigen, BP habe "jeden Pfennig", den die Ölpest kostet, zu bezahlen.
Als die Regierung über die Rohstoffbehörde MMS hineingezogen wird, die Genehmigungen für Bohrvorhaben auf hoher See durchgewunken hat, ...
...geißelt er die "behagliche Beziehung" zwischen den MMS-Beamten und der Ölindustrie. Dann kündigt er Reformen an. In Washington ein großes Thema.
Die Bevölkerung starrt aber nicht auf die Hauptstadt, sie schaut auf das menschliche und ökologische Drama an der Golfküste.
Und dort will sie einen Präsidenten mit hochgekrempelten Ärmeln sehen. Nur einmal in fünf Wochen ließ sich Obama an der Küste in Louisiana blicken, für eine Kurzvisite
Kommentatoren fragen, warum er nach Kalifornien fliegt und Spenden sammelt, während das Land die größte Ölpest in seiner Geschichte erlebt.
Am 27. Mai dann die Wende. "Ich übernehme die Verantwortung", sagt er in einer langen Pressekonferenz.
Am 28. Mai fliegt er noch einmal ins Krisengebiet, spricht mit verängstigten Fischern und örtlichen Politikern, nennt die Ölpest einen "Angriff auf die Menschen an der Golfküste".
Obama will jetzt der Commander-in-chief sein, ein Präsident in Aktion. Er schickt dreimal mehr Helfer an die betroffenen Küsten.
Nach der Hiobsbotschaft reagiert er sofort: Er, sagt Obama, habe angeordnet, dass BP nun den Versuch startet, das Öl wenigstens mit einem Behälter aufzufangen.
Der gescheiterte Schlammbeschuss, sagt er dem Volk, findet er "herzzerreißend" und "entzürnend". Er werde nicht ruhen, bis diese "menschgemachte" Katastrophe beseitigt sei.
Obamas Problem - das könnte noch Monate dauern.
Das Öl schwappt erst jetzt richtig an Land. Bis dato sind 270 Kilometer Küste und 13 Hektar Marschland verseucht, hunderte und Schildkröten sowie Dutzende Meeressäuger verendet.
Die Zahlen könnten dramatisch steigen, da das Öl fast ungehindert weiterfließt. Denn auch der letzte Versuch vom 2. Juni, das ausströmende Öl einzudämmen, um dann das Öl abzupumpen, scheiterte.
Mit Unterwasserrobotern sollte die defekte Steigleitung abgesägt werden. Die ferngesteuerte Säge war aber in der Leitung auf halber Strecke steckengeblieben.
Das Werkzeug konnte zwar nach rund 12 Stunden befreit werden. Allerdings hat BP die Arbeiten nicht wieder aufgenommen, weil die Diamantsägeblätter zu stumpf für das massive Rohr zur Ölquelle sind.
Wann der Versuch fortgesetzt werden kann, ist unklar. In der Zwischenzeit sprudeln weiter tausende Tonnen Rohöl pro Tag ins Meer.
Durch die aktuelle Operation könnte sich die Menge laut Experten zeitweise sogar um 20 Prozent erhöhen. Zum Stillstand gebracht werden kann der Ölfluss laut BP erst im August, wenn zwei Parallelbohrungen zum Grund der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresboden abgeschlossen sind.
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