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Durchgeknalltes Hippiefestival in der Wüste: Der "Burning Man" von Black Rock

Von Andrea Beu

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Mitten in der staubigen, lebensfeindlichen Wüste, in der Black Rock Desert im US-Bundesstaat Nevada ... (Foto: Reuters)

Mitten in der staubigen, lebensfeindlichen Wüste, in der Black Rock Desert im US-Bundesstaat Nevada ...

Mitten in der staubigen, lebensfeindlichen Wüste, in der Black Rock Desert im US-Bundesstaat Nevada ...

... finden sich alljährlich Ende August, Anfang September Massen ...

... von merkwürdig gekleideten Menschen ein. Sie kämpfen sich ...

... durch Sand und Staub, um an einem der letzten Relikte der Hippiekultur teilzuhaben, ...

... dem "Burning Man Festival". Die außergewöhnliche Party rund um den meterhohen Holzmann wurde im Jahr 2013 bereits zum 27. Mal zelebriert.

Angefangen hatte alles 1986 - damals hatten "Urvater" Larry Harvey (links, 1998) und ein paar seiner Freunde die erste Holzfigur am Baker Beach in San Francisco verbrannt; wohl aus Liebeskummer und aus Gründen, an die sich heute von den "Burning Man"-Pionieren keiner mehr so recht erinnert. (Es war wohl eine sehr rauschhafte Party.)

Seit im Jahr 1990 dort das Verbrennen der Holzfigur am Strand verboten wurde, findet das bizarre Wüstenfestival ...

... in der Black-Rock-Wüste rund 75 Kilometer nördlich von Reno statt - und statt 20 Freunden kommen nun jährlich etwa 50.000 Freaks aus aller Welt.

2013 waren es sogar 68.000.

Aus dem Herzschmerz-Ritual im Freundeskreis ist eine mehrtägige Massenparty geworden.

Die den Festivalort umgebende Salzton-Wüste erinnert an eine Mondlandschaft, geradezu ...

... unwirklich, die Welt scheint weit, weit weg. Und sie ...

... ist es auch. In der Zeit des Festivals – 2013 dauerte es vom 26. August bis zu 2. September - entsteht dort, rund um den meterhohen hölzernen Mann, …

... eine temporäre Stadt aus Kunstinstallationen und Wüsten-Fahrzeugen, ...

... den sogenannten Art Cars oder auch Mutant Vehicles - eins skurriler als das andere.

Auf dem Festivalgelände sind auch nur diese Art Cars, ...

... Radfahrer und Fußgänger erlaubt. Keine normalen Fahrzeuge - und kein Müll, keine Hunde, keine Waffen.

Denn hier gibt es bei aller Freiheit auch Regeln, die "Ten Principles of Burning Man". Dazu gehört ...

... das Gebot: Schenken! ("Burning Man is devoted to acts of gift giving") Auf Geschenke dürfte man etwa angewiesen sein, wenn man vergessen hat, sich Verpflegung mitzubringen, denn ...

... verkauft wird hier nichts, außer Kaffee und Eiswürfeln.

Was man mitgebracht hat, darf man keinesfalls als Müll zurücklassen, denn ein anderes der zehn Gebote lautet: "Leaving No Trace" (Keine Spuren hinterlassen).

Auch das Tragen von Markenlogos ist verpönt. Ansonsten ...

... sind Toleranz und Respekt oberstes Gebot.

Es gibt Musik und Kunstaktionen, ...

... interaktive Skulpturen (hier muss man unten trommeln, um oben die Affen kreisen zu lassen) ...

... und jede Menge Platz für Selbstdarsteller aller Art, ob im Vogel- ...

... oder Glitzergewand.

Und viel Sonne.

Geschlafen wird ...

... im Zelt oder Wohnmobil. Auf umfangreiche Körperhygiene muss wegen des Wassermangels während der Festivaltage verzichtet werden - zur Erfrischung ...

... fährt aber ein "Black Rock Geyser" rum. Unter dem Sprenger dieses Trucks können sich Fußgänger und Fahrradfahrer eine kurze Dusche abholen - auch wenn das Wasser durch die Wüstenhitze oft nicht mehr kühl, sondern schon ziemlich heiß geworden ist.

Toilettenhäuschen gibt es aber - und Laternen mit eigenen "Lamplighters", ...

... die in der Dunkelheit der Wüstennacht für Licht sorgen.

Und von einem Telefonhäuschen aus kann man mit Gott sprechen.

Trotz des eher geringen Komforts: Die Tickets sind recht teuer. Es gibt zwar ein Billigticket, das "Low Income Ticket" für 190 Dollar, ...

... aber das Standardticket kostet 380, das "Holiday Sale Ticket" sogar 650 Dollar.

Der Andrang ist dennoch groß - das Festival 2013 war ausverkauft und Spontanbesucher, die auf eine Last-Minute-Eintrittschance hofften, mussten am Eingangstor enttäuscht umkehren.

Das "Burning Man Festival" steht jedesmal unter einem Thema; in diesem Jahr: "Cargo Cult". Der Name bezieht sich auf Kulte in Melanesien, ...

... die mit der Anbetung westlicher Waren und Segnungen zu tun haben. Wie etwa Lebensmittelkonserven, Batterien und anderes "neuartiges Frachtgut" (Cargo).

In die heutige Zeit übertragen, lauten die Fragen: wie wäre es, wenn etwa der Strom dauerhaft ausfiele, wie würden wir klarkommen, was könnten wir selber machen, könnten wir uns selbst versorgen?

Wie abhängig oder unabhängig sind wir von der westlichen, materiellen Konsumgesellschaft? Würden wir auch auf jemanden hoffen und warten, ...

... der aus der Ferne zu uns kommt und uns mit all den Dingen versorgt?

In Anlehnung an dieses Thema stand die Holzstatue diesmal auf einem riesigen, an eine fliegende Untertasse erinnernden Raumschiff, ebenfalls aus Holz.

Höhepunkt des "Burning Man Festivals" ist jedesmal am Sonntag (immer der Sonntag vor dem "Labor Day", dem ersten Montag im September) das namensgebende Verbrennen ...

... des Holz-Mannes.

Der hölzerne UFO-Unterbau ging natürlich mit in Flammen auf.

Auch vom "Temple of Whollyness", ...

... in dem viele Festivalbesucher Bilder und persönliche Nachrichten hinterlassen hatten, ...

... verabschiedet sich das Publikum am letzten Abend mit einer orgiastischen Party.

Am Labor Day selbst endet dann der Riesenrummel. Die zehntausenden Besucher ...

... machen sich auf den Heimweg zurück durch die Wüste, unter die heimische Dusche, ...

... noch ganz berauscht ...

... oder noch ganz erfüllt von den good vibrations des "Burning Man Festivals". Wer ein paar davon gebrauchen kann: Im Jahr 2014 findet es voraussichtlich vom 25. August bis zum 1. September statt.

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