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Eine Talsperre von 185 Metern Höhe und rund 200 Metern Länge: Der Drei-Schluchten-Staudamm ist eines der größten und umstrittensten Dammbauprojekte der Welt.
Am Ende der Xiling Schlucht in der zentralchinesischen Provinz Hubei staut er den größten Fluss Asiens, den Jangtse.
Der Stausee kann knapp 40 Milliarden Kubikmeter (40.000 Milliarden Liter) Wasser fassen und erstreckt sich hinter der Staumauer mehr als 620 Kilometer weit durch das Tal.
Der Damm hebt den Wasserpegel um 65 Meter über den vorherigen Stand des Flusses, ein Vorteil für die Schiffahrt auf dem Jangtse, ein Nachteil für Millionen Menschen, die den Fluten weichen müssen.
Das Drei-Schluchten-Projekt dient der Flutkontrolle und Energiegewinnung. Auf Satellitenaufnahmen sind die Dammanlagen deutlich zu erkennen. 1994 wurde mit dem Bau der gewaltigen Talsperre begonnen.
Von der Zähmung des Jangtse träumen chinesische Herrscher schon lange. Schon kurz nach der Gründung der Republik China im Jahr 1912, lange bevor die Kommunistische Partei (KP China) die Kontrolle übernahm, planten die damaligen Landesväter, Dämme zu bauen.
Das Drei-Schluchten-Projekt wurde über Jahrzehnte kontrovers diskutiert. Erste, konkrete Pläne für einen Damm in den Drei Schluchten reichen zurück bis ins Jahr 1944.
Durch den wieder aufflammenden Bürgerkrieg wurde der Bau jedoch verhindert. 1946 nutzten viele Chinesen den Jangtse als Fluchtweg, als sie vor den herrannahenden kommunistischen Truppen flohen.
Ende der 50er Jahre startete Mao Tsetung, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, einen erneuten Versuch, der jedoch aus finanziellen Gründen versandete.
Als die Provinz Hubei in den 60er Jahren wieder einen Vorstoß zum Dammbau wagte, lehnte Mao das Bauvorhaben aus politisch-militärischen Erwägungen ab.
Stattdessen wurde flussabwärts, rund 40 Kilometer weiter südlich, in den 70er Jahren mit dem Bau des kleineren Gezhouba-Staudamms begonnen. Noch wirkt die 1989 fertiggestellte Talsperre rechts im Satellitenbild von 2000 größer als das Drei-Schluchten-Projekt (links).
Erst unter der Führung Deng Xiaopings kam das Projekt Mitte der 80er Jahre wieder auf die Agenda. Die Regierung gab erste Machbarkeitsstudien in Auftrag.
Auch Proteste wurden laut - und verstummten wieder, als am 4. Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens der Demokratiebewegung in China ein blutiges Ende gesetzt wurde.
1992 stimmte der Volkskongress dem gigantischen Projekt zu, wenn auch nicht ganz so einmütig wie gewöhnlich.
Ein Drittel der Abgeordneten votierte gegen den Bau - eine bemerkenswert hohe Zahl von Gegenstimmen für damalige chinesische Verhältnisse.
Mit der Absegnung durch den Volkskongress war der Startschuss gefallen.
Doch zunächst musste der Jangtse umgeleitet werden. Dies geschah mit Hilfe eines 3,7 Kilometer langen Kanals am südlichen Ufer der riesigen Baustelle.
Lastwagen karrten Berge von Sand und Steinen heran und versenkten sie im Fluss.
Hunderte von Wagenladungen Zement wurden täglich verbraucht.
13 Tonnen schwere Zementblöcke blockierten den natürlichen Lauf des Flusses.
Am 8. November 1997 beglückwünschten Chinas ehemalige Politspitzen, Premierminister Li Peng (rechts) und Jiang Zemin, der Staatspräsident und Generalsekretär der KP China, die Arbeiter vor Ort zur Fertigstellung der Vorarbeiten.
Der Schiffsverkehr wurde vorrübergehend in das neue Flussbett umgeleitet.
Im November 1997 konnte dann mit dem eigentlichen Bau der gigantischen Staumauer begonnen werden.
Rekordmengen an Beton nahmen im Jangtse Form an.
Vier Millionen Kubikmeter Beton wurden jährlich verbaut, bis zu 28 Millionen Kubikmeter insgesamt.
Unaufhörlich wurde gegraben, aufgeschüttet und weggeschafft. Milliarden Kubikmeter Erde und Felsen wurden abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgefüllt.
Zunächst wurden sogenannte Fangdämme errichtet.
Im Frühjahr 2001 wurden diese provisorischen Stauwände ...
... kontrolliert gesprengt.
Die Bauarbeiten schritten zügiger voran als gedacht.
Schon 2003 konnte die erste Teilflutung vorgenommen werden. Das Wasser des Stausees stieg täglich mehrere Meter.
Bereits im Mai 2006 waren die Bauarbeiten an der Staumauer abgeschlossen - sechs Monate früher als geplant. Seitdem staut sich das Wasser.
Der Stausee zwischen den Steilhängen erreicht eine Breite von etwa 1,5 Kilometern. Auch flussaufwärts wird der Jangtse breiter und tiefer, so dass er auch für große Schiffe befahrbar wird.
Tonnenschwere Frachtschiffe sollen dazu beitragen, dass der wirtschaftliche Aufschwung im Landesinnern ankommt.
Eine Schleuse hilft den Schiffen über das Staugefälle hinweg. Das ausgeklügelte Kammersystem ist seit Juli 2004 funktionstüchtig und befahrbar.
190 Meter tief verschwindet dieses Passagierschiff in der Schleusenkammer.
Ist der Höhenunterschied ausgeglichen, werden die Schiffe wieder auf den offenen Fluss entlassen ...
... und setzen ihre Fahrt auf der anderen Seite der Staumauer fort.
Nicht nur die Ausweitung des Flusses für die Schifffahrt war ein Argument für den Dammbau. Ziel sind vor allem neben der Energiegewinnung die Wasserversorgung trockener Regionen im Norden und der Hochwasserschutz.
China ist regelmäßig Schauplatz verheerender Hochwasser-Katastrophen.
Als der Jangtse 1998 über die Ufer trat, starben rund 1500 Menschen, heißt es auf der offiziellen Website des Drei-Schluchten-Projekts. Über zwei Millionen Menschen seien von den Fluten betroffen gewesen und 239.000 Hektar Farmland versunken.
Mehr als 6,7 Millionen Menschen waren im Einsatz. Die Flutbekämpfung habe Unsummen verschlungen, argumentieren die Dammbauer.
Am Staudamm haben über die Jahre etwa 26.000 Wanderarbeiter gearbeitet.
Etwa 25 Milliarden US-Dollar sind nach offiziellen Angaben in den Dammbau geflossen. Inoffizielle Quellen rechnen mit Summen von mindestens 50 Milliarden Dollar. Folgekosten nicht eingerechnet.
Energiegewinnung aus Wasserkraft soll die Kosten decken. 26 Turbinen sind dafür zuständig.
Über eine allgemeine Stromsteuer finanziert die chinesische Bevölkerung das Projekt mit.
Im November 2003 ging die China Jangtse Energie Company in Shanghai an die Börse. Auch Deutschland steuert finanzielle Mittel und Know How bei.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau streckte Millionensummen vor, mit denen deutsche Turbinenhersteller wie Siemens und Voith bezahlt wurden.
Das Wasserkraftwerk generiert bereits seit 2003 Strom. Die Einnahmen fließen jedoch nicht nur in die Schuldentilgung, sondern werden bereits für weitere Staudammprojekte am Jangtse eingeplant.
Denn die dezentrale Stromerzeugung an vielen kleinen Dämmen ist noch wirkungsvoller als das Kraftwerk in den Drei Schluchten.
Die jährlich produzierte Energieleistung des Wasserkraftwerks liegt bei 87,4 Terrawattstunden im Jahr. Damit können etwa zwei bis vier Prozent des chinesischen Energieverbrauchs abgedeckt werden, gerade einmal die jährliche Energie-Wachtstumsrate des Landes.
Die maximale Energieleistung wird erreicht, wenn der See bis zum Rand gefüllt ist. Dann drückt das Wasser mit maximaler Kraft auf die Turbinen.
Erreicht der Stausee jedoch seinen Normalpegel von 175 Metern, leidet der Hochwasserschutz. Der Flutkontrollpegel liegt bei 145 Metern.
Was die Architekten des Dammprojekts übersehen haben, ist die Tatsache, dass in der Region nur wenige Stromabnehmer leben. So verpufft auf dem Weg zu den Verbrauchern eine beträchtliche Menge Energie im Netz.
Die negativen Auswirkungen des massiven Eingriffs in die Natur und die sozialen Folgen des Projektes beginnen sich immer deutlicher abzuzeichnen. Im trägen Wasser des Stausees setzen sich Giftstoffe aus den Zentren der umliegenden Regionen ab.
Die Folgeschäden für das Fluss-Ökosystem lassen sich nur schwer abschätzen. Laut Umweltschützern sind über 2000 Pflanzen- und rund 300 Fischarten bedroht, davon auch einige Spezies, die bereits auf der Roten Liste vom aussterben bedrohter Tierarten stehen.
Für den sagenumwobenen Flussdelfin, den Baiji, kommt wohl jede Rettung zu spät. Er gilt bereits als ausgestorben.
An den Uferböschungen drohen Erdrutsche. Die Böden erodieren und werden fortgeschwemmt. Die Millionen Tonnen Schlamm, die der Jangtse jährlich zum Meer transportiert, lassen das Staubecken versanden.
Doch nicht nur die Tiere verschwinden, auch die Menschen müssen dem Wasser weichen.
Auf der Karte rot markiert sin alle Gebiete, aus denen die Menschen umgesiedelt werden oder bereits weggezogen sind.
Zwei Großstädte, 116 Kleinstädte und elf Landkreise hat der Fluss bereits mitgerissen.
Schilder am Ufer markieren die Stellen, die das Wasser erreichen soll. Inzwischen erwägt der Volkskongress, die Besiedlungsgrenze noch weiter nach oben zu verschieben. Von der Umsiedlung weiterer vier Millionen Menschen ist die Rede.
Oftmals wird gesprengt, bevor das Wasser die Gebäude in den Stausee spült.
Ganze Siedlungen sind auf dem Reißbrett neu entstanden.
Nicht alle haben ein neues Heim gefunden.
Die Höhe der gezahlten Entschädigungen liegt weit unter dem, was den Entwurzelten tatsächlich genommen wurde, beklagen Menschenrechtsorganisationen.
Wenn das Geld überhaupt ankam und nicht längst in den Taschen korrupter Funktionäre versickert ist.
Rund 1,5 Millionen Menschen müssen laut Regierungsangaben umgesiedelt werden. Menschenrechtsorganisationen sprechen von zwei Millionen, die ihre Heimat verlieren.
Schätzungsweise 24.500 Hektar landwirtschaftliche Anbauflächen gehen unter. Zwar erhalten die Bauern als Ersatz neue Äcker zugewiesen, doch oft liegen diese in unzumutbarer Hanglage.
Hunderte kulturhistorische Stätten mussten dem riesigen Wasserspeicher weichen.
Diese Tempelanlagen und antiken Inschriften haben Kriege und die Kulturrevolution überstanden.
Jetzt verschwinden sie im schmutzigen Stausee.
Teilweise wurden sie abgebaut und anderswo wieder neue errichtet, wie hier am Jiuwanxi Fluss.
Um den schlimmsten ökologischen Schäden zu begegnen, hat der Volkskongress im Frühjahr 2005 eine Kommission beauftragt, die Umweltfolgen genauer zu untersuchen.
In der Staumauer bilden sich seit geraumer Zeit angeblich ungefährliche Risse.
Das chinesische Prestigeprojekt weist unübersehbare Kratzer auf.
Das idyllische Drei-Schluchten-Tal hat sich in einen bedrohten Lebensraum verwandelt, das Naturschauspiel "Jangtse" durchläuft die Schluchten nun gebremst und in geordneten Bahnen.
Die Zukunft am Drei-Schluchten-Staudamm ist ungewiss.
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