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Die Welt ist erschüttert über ein Verbrechen, das man sich kaum vorstellen kann. Wieder geschah es in Österreich.
Schon die Flucht von Natascha Kampusch nach acht Jahren in der Gewalt ihres Entführers Wolfgang Priklopil im August 2006 hatte Entsetzen ausgelöst. (Im Bild Priklopils Haus)
Doch jetzt wurde eine 42-Jährige befreit, die dreimal so lange in der Hand ihres Peinigers war.
Hinzu kommt: Der Peiniger war ihr Vater; er zeugte mit ihr sieben Kinder.
Am 28. August 1984 lockt Josef F., der mit seiner Ehefrau bereits sieben Kinder hat, seine damals 18-jährige Tochter Elisabeth in den Keller, betäubt sie und sperrt sie mit Handschellen gefesselt in einem Raum ein.
Einen Tag später meldet die Mutter Elisabeth als vermisst, etwa einen Monat nach ihrem "Verschwinden" präsentiert der Vater einen Brief, in dem die junge Frau darum bittet, nicht nach ihr zu suchen.
Angeblich hat sich seine Tochter einer satanischen Sekte angeschlossen. Da sie volljährig ist, wird kaum nach Elisabeth gesucht.
Neun Jahre später, im Mai 1993, legt die "vermisste" Tochter nach Angaben des Vaters ein neun Monate altes Mädchen im Mehrparteienhaus der Familie ab.
In einem handschriftlichen Brief der "Vermissten" heißt es, sie habe keinen Platz für die Tochter.
In dem Brief werden zudem eine weitere Tochter und ein Sohn erwähnt.
Was nicht in dem Brief steht: Diese vorher geborenen Kinder leben seit ihrer Geburt bei der Mutter im Verlies.
Im Dezember 1994 wird wieder ein zehn Monate altes Mädchen bei der Familie "entdeckt". Elisabeths Vater nimmt das Mädchen bei sich auf, ebenso wie dessen 15 Monate alten Bruder, ...
... der im August 1997 angeblich im Haus der Großeltern "gefunden" wird..
Der andere Zwilling starb offenbar bei der Geburt, der Vater verbrannte den Leichnam später in einem Heizofen seines Hauses.
Im Nachhinein wird klar, kränkliche und zu laute Kinder durften den Keller verlassen, die anderen mussten bleiben.
Im Dezember 2002 bringt Elisabeth F. einen weiteren Sohn zur Welt. Das Kind bleibt im Versteck.
Nur durch eine lebensgefährliche Erkrankung der 19-jährigen Tochter von Elisabeth F., Kerstin, kommt die Polizei dem Verbrechen überhaupt auf die Spur.
Kerstin wird angeblich bewusstlos im Wohnhaus der Großeltern "abgelegt" und in das Landesklinikum Amstetten eingeliefert.
Kerstin befindet sich in einem kritischen Zustand. Sie leidet an einer schweren Erbkrankheit als Folge des Inzests.
Das Krankenhaus sucht auch per Fernsehaufruf nach der Mutter, um genaueres über die Erkrankung zu erfahren.
Währenddessen holt Josef F. seine Tochter Elisabeth sowie zwei Söhne im Alter von 18 und 5 Jahren aus dem Verlies.
Er erklärt seiner Ehefrau, die Tochter wäre mit den beiden Kindern nach Hause gekommen.
Als sich Elisabeth F. mit den beiden "Kellerkindern" auf den Weg zu Kerstins Krankenbett macht, geht bei der Polizei ein anonymer Anruf ein.
Wegen der vorliegenden Vermisstenanzeige, anderseits wegen des Verdachtes der Kindesweglegung wird zunächst die 42-Jährige am Krankenhaus von der Polizei angehalten.
Elisabeth F. macht einen äußerst verstörten psychischen Eindruck und ist nach 24 Jahren in dem Verlies auch in äußerst schlechter körperlicher Verfassung. Ihre Haare seien bereits "schlohweiß", berichten Ermittler.
Erst nach einem längeren Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt mit dem Vater mehr kommen und auch für ihre Kinder gesorgt werde, ist sie zu einer umfassenden Aussage bereit.
Erst jetzt wird den Ermittlern das Ausmaß der Taten klar, mit denen sie hier konfrontiert werden. Daraufhin wird Josef F. verhaftet.
Die Räume in dem Haus in Amstetten, in dem Elisabeth F. mit drei ihrer Kinder jahrelang gefangen gehalten wurde, waren elektronisch gesichert.
Sie können erst geöffnet werden, nachdem der Vater der Polizei den Code offenbart hatte.
Der Vater hatte drei enge, nur etwa 1,70 Meter hohe Räume, an seine Werkstatt angebaut. Die Räume waren über einen kleinen Einstieg hinter einem Regal zu erreichen.
Sie bestanden aus einer sanitären Anlage, Kochnische und hatten unebene Böden. In den Räumen gab es nur ein Fenster.
Die massive Stahlbetontür mit Elektromotor konnte nur per Fernbedienung mit einem Zahlencode geöffnet werden.
Bei einer Feuerbeschau im Jahr 1999 ahnt niemand etwas von dem unglaublichen Martyrium gleich nebenan.
Doch auch die psychische Gewalt, die Josef F. ausgeübt hat, schätzen die Ermittler als enorm ein.
Elisabeth F. berichtet, ihr Vater habe gedroht, es werde Gas in ihr Verlies einströmen, wenn ihm etwas zustieße.
Es gibt, so meinte ein Ermittler, "Dinge, die will man gar nicht sehen".
Gegenüber der Polizei erklärt der Vater Josef F. zunächst, seine Familie "täte ihm leid". Allerdings habe er seine Tochter weggesperrt, um sie vor Drogen zu schützen.
Später gesteht er die Taten weitgehend ein, "schwächt" die Details aber ab.
Seine 69-jährige Ehefrau Rosemarie will vom Martyrium ihrer Tochter und Enkel nichts mitbekommen haben.
Es wird noch Wochen dauern, bis alle Details aufgeklärt sind.
Auch für die Familie, die mit Josef F. oben im Haus lebte, ist eine Welt zusammengebrochen.
Gemeinsam wohnt Elisabeth F. mit ihrer Mutter und allen Kindern in einer Klinik und sucht Ruhe und einen Weg in ein neues Leben.
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