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Tschernobyl: Der Super-GAU

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Am 26. April 1986 zerstörte eine schwere Explosion den Reaktorblock IV des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Bis heute ist es der weltweit größte Unfall in einer kerntechnischen Anlage.

Am 26. April 1986 zerstörte eine schwere Explosion den Reaktorblock IV des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Bis heute ist es der weltweit größte Unfall in einer kerntechnischen Anlage.

Am 26. April 1986 zerstörte eine schwere Explosion den Reaktorblock IV des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Bis heute ist es der weltweit größte Unfall in einer kerntechnischen Anlage.

Der Unglückshergang ist immer noch nicht zweifelsfrei geklärt. Kam es durch Bedienungsfehler zu dem GAU? Oder waren Systemschwächen des Reaktors die Ursache? Eingeleitet wurde der "größte anzunehmende Unfall" durch eine fehlerhaft ausgeführte Notfallübung.

Große Mengen radioaktiver Materie wurden durch die extreme Hitze in den Himmel geschleudert. Der Wind verteilte sie über ganz Europa.

Die sowjetischen Behörden schickten tausende schlecht ausgerüsteter Männer zu Bergungs- und Aufräumarbeiten in die radioaktiven Trümmer des Reaktors.

Mehrere Dutzend Liquidatoren sind wenig später an akuter Strahlenerkrankung gestorben, weitere an Leukämie.

Erst zehn Tage nach dem Unfall war die Freisetzung von Kernbrennstoffen und Spaltprodukten gestoppt. Man hatte rund 5.000 Tonnen Sand, Lehm, Blei und Bor auf die Reaktoranlage geworfen.

Einige Monate später begann man, die Ruine des Reaktorblocks einzubetonieren.

Im November 1986 war der "Sarkophag" fertiggestellt.

Er diente auch dazu, den anliegenden Block III weiterbetreiben zu können. Dieser wurde erst Ende 2000 abgeschaltet.

Mittlerweile ist der Betonmantel rissig, undicht und akut einsturzgefährdet.

Eine gigantische Kuppel aus Stahl soll Abhilfe schaffen. Sie wird etwa 100 Jahre halten und kostet bis zu einer Milliarde Euro.

Unmittelbar nach der Reaktorexplosion wurden rund 200.000 Menschen aus dem Umkreis von Tschernobyl evakuiert.

Den 47.000 Einwohnern von Prybjat sagten die Behörden, es handele sich um eine militärische Übung. Deshalb ließen sie Hab und Gut in ihren Wohnungen zurück.

Auf dem zentralen Platz von Prybjat steht noch immer das Riesenrad, das für Feiern zum 1. Mai aufgestellt worden war.

Zum 20. Jahrestag der Reaktorexplosion haben Graffiti-Künstler aus Weißrussland, Russland und Deutschland die verlassenen Häuser in Prybjat besprüht.

So haben sie ein besonderes Mahnmal geschaffen.

Prybjat wirkt gespenstisch.

Daran, dass es einmal eine lebendige Arbeiterstadt war, erinnern nur noch der verfallende Vergnügungspark ...

... und einige Bilder an den Wänden.

Auch Tschernobyl selbst ist überwiegend von Verfall gekennzeichnet, ...

... jedoch nicht menschenleer. Noch immer weigern sich Bewohner der 12 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernten Stadt, das stark verseuchte Gebiet zu verlassen.

Maria Savenko ist das einzige Kind, ..

... das nach dem GAU in Tschernobyl geboren wurde.

Auch andernorts widersetzten sich Bewohner der Sperrzone den Anweisungen der Behörden. Anna Ratkevich aus Ilyintsy, 20 Kilometer vom Atommeiler entfernt, wollte ihre Heimat nicht verlassen.

Zusammen mit ihrem Mann zog sie es vor ....

... weiterhin in ihrem Haus zu wohnen.

Auch ihr Nachbar Fedor Strij blieb - trotz der Katastrophe. Und es gibt noch einige mehr, die trotz der hohen Strahlenbelastung in Illintsi bleiben.

In den drei am stärksten vom GAU betroffenen Ländern - in Weißrussland, Russland und der Ukraine - zeichnet sich die Tendenz ab, die Folgeschäden durch die Verstrahlung als eher gering einzustufen.

Mit Orten, die durch den Reaktor-Unfall verseucht wurden, beschäftigt sich das Tschernobyl-Museum in Kiew.

Den Kindern, die 1986 und 1987 in Tschernobyl geboren wurden und die größtenteils schwere gesundheitliche Probleme haben, widmet die Ausstellung einen eigenen Raum.

Deutsche Hilfsinitiativen kämpfen mit zunehmenden Schikanen weißrussischer Behörden.

Mit Hilfe des Netzwerks haben bereits zehntausende Kinder aus strahlenbelasteten Gebieten ihre Ferien bei deutschen Gastgebern verbracht.

Unstrittig ist, dass es in der Region immer mehr Fälle von Schilddrüsenkrebs gibt.

Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace hat die Reaktor-Katastrophe weltweit viel dramatischere Folgen für die menschliche Gesundheit als bisher angenommen.

"Neue Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften kommen für Weißrussland, Ukraine und Russland alleine auf 270.000 zusätzliche Krebserkrankungen, von denen voraussichtlich 93.000 tödlich enden werden", so Greenpeace-Experte Thomas Breuer.

Diese Schätzungen seien realistisch - anders als die Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO von etwa 4.000 Todesopfern. "Selbst die IEAO geht in ihren Schätzungen eigentlich von mehr Todesopfern aus. Was die Behörde betreibt, ist bewusste Verharmlosung", so Breuer.

"Unsere Generation hat gesehen, wie diese Katastrophe begann, doch wird sie wohl kaum ihr Ende erleben", heißt es in einem Greenpeace-Bericht. "Die internationale Staatengemeinschaft sollte diesen Unfall zum Anlass nehmen, weltweit aus der Atomenergie auszusteigen."

Die Grünen im Europaparlament fordern eine ehrliche Bilanz über die Opfer der Reaktorexplosion.

Sie stützen sich auf eine britische Studie: "TORCH - The Other Report of Chernobyl". Der TORCH-Bericht geht davon aus, dass noch 30.000 bis 60.000 Menschen wegen des Unfalls an Krebs sterben müssten. Das wären 7,5 bis 15 Mal mehr als von der IAEO angegeben.

Nach Angaben des TORCH-Reports gelangte radioaktives Cäsium-137 aus Tschernobyl auf 40 Prozent der Fläche Europas.

Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Einige Pilze und Wildbret sind deshalb in Gebieten, über denen es nach dem GAU geregnet hat, auch heute noch stark belastet.

In Deutschland gilt für Lebensmittel ein Grenzwert von 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt an, dass noch heute im Bayerischen Wald in Maronenröhrlingen und Semmelstoppelpilzen mitunter mehrere tausend Becquerel Cäsium pro Kilogramm gemessen werden.

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle aus dem Kernkraftwerk Tschernobyl ist noch nicht abgeschlossen. 23 Jahre nach dem Unfall sind mit dieser Arbeit noch Tausende Menschen betraut. Sie arbeiten weiterhin auf dem Gelände ...

... und Zahl der Tschernobyl-Opfer steigt weiter.

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