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Freitag, 28. April 2017

Dresdens "Kulti" öffnet wieder: Der größte Mehrzweckbau der DDR - ganz neu

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Der Jubel für die Hamburger Elbphilharmonie ist noch nicht verklungen, da wird etwa 400 Kilometer Luftlinie entfernt ... (Foto: picture alliance / Markus Scholz)

Der Jubel für die Hamburger Elbphilharmonie ist noch nicht verklungen, da wird etwa 400 Kilometer Luftlinie entfernt ...

Der Jubel für die Hamburger Elbphilharmonie ist noch nicht verklungen, da wird etwa 400 Kilometer Luftlinie entfernt ...

... der nächste besondere Klangraum eingeweiht.

Der 1969 eröffnete Dresdner Kulturpalast des Architekten Wolfgang Hänsch ...

... wurde in den vergangenen fünf Jahren für rund 100 Millionen Euro umgebaut ... (hier die Baustelle im Dezember 2016)

... und soll der hiesigen Philharmonie nun endlich die Klangqualität ermöglichen, den das 1870 gegründete Orchester sonst nur auf Tourneen in Tokio, New York oder London erreicht. (Hier spielen Musiker der Dresdner Philharmonie 2014 auf der Baustelle.)

Zudem nimmt der Palast auch die Zentralbibliothek ...

... und das Kabarett "Die Herkuleskeule" auf.

Es bekommt hier einen eigenen kleinen Saal.

Dass der "Kulti", wie Dresdner den Palast am Altmarkt auch nennen, mehr als 15 Millionen Euro teurer wurde als geplant, dürfte am Ende eher eine Fußnote bleiben.

Zähneknirschend gab der Stadtrat zuletzt immer weitere Zuweisungen für den Prestigebau frei.

Ein Verweis auf ausufernde Vorhaben wie die Hamburger Elbphilharmonie oder den neuen Berliner Flughafen lässt die Mehrkosten in Dresden noch überschaubar erscheinen.

Dennoch sorgten die Mehrausgaben im Vorfeld der Eröffnung am 28. April immer mal wieder für Misstöne.

Der gute Klang soll die Kritiker nun beschwichtigen.

Das 60 Millionen DDR-Mark teure Projekt (im Bild die Baustelle 1967) war seinerzeit der größte Mehrzweckbau der DDR - mit einer Grundfläche von 70 mal 100 Metern. Der "gegen Widerstand der Parteidogmatiker durchgesetzte, horizontal entwickelte Baukörper ...

... durfte damals als unmissverständliches Signal verstanden werden, dass die DDR-Architektur wieder Anschluss an die internationalen Nachkriegsentwicklungen gefunden hatte", heißt es in einer Einschätzung der Sächsischen Akademie der Künste.

Das 30 mal 10 Meter große Wandbild "Der Weg der roten Fahne" an der Westseite ist seit 2001 ein Kulturdenkmal; es besteht aus Farbglas auf elektrostatisch beschichteten Betonplatten. Seit 2008 steht der Kulturpalast unter Denkmalschutz.

Unabhängig von architektonischen Bewertungen und Denkmaltiteln war der "Kulti" für die Dresdner immer ein Haus der Kunst, nicht der Macht.

Als Heimstätte von Philharmonie, Musikfestspielen, Dixieland-Festival oder dem internationalen Tanzturnier wurde er zum Treffpunkt der Kulturfans.

Namhafte Orchester aus aller Welt gastierten hier und auch Größen aus Rock, Pop und Jazz nutzten den Palast ...

... als Bühne für ihre Shows - ob nun Stars wie Paco de Lucia, Pat Metheny, Milva (im Bild), Zucchero ...

... und Bruce Springsteen (er kam 1996) ...

... oder Schlagersänger aus dem eigenen Land.

Einmal wurde der Kulturpalast sogar zum weltpolitischen Schauplatz. Kurz vor Weihnachten 1989 gaben hier Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und DDR-Regierungschef Hans Modrow eine vielbeachtete Pressekonferenz.

Immer mehr aber nagte der Zahn der Zeit an dem Haus. Schließlich musste zu jedem Philharmonie-Konzert die Feuerwehr vorfahren - weil der Brandschutz nicht mehr den Standards entsprach. Im Sommer 2012 wurde das Haus geschlossen, im Oktober 2013 begann der Umbau.

Der Entwurf des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner gewann den Wettbewerb - er sah einen reinen Konzertsaal in Form eines Weinberges vor, ähnlich wie beim Saal ...

... des Gewandhauses in Leipzig.

Der Umbau ist nun Geschichte, auch für die Philharmonie. Fünf Jahre lang war sie in diversen Interimspielstätten auf Tournee in der eigenen Stadt unterwegs (hier in der Frauenkirche). Keine leichte Phase für ein Orchester.

Die Dresdner Philharmoniker besitzen in der Musikwelt nicht nur wegen ihrer Historie einen guten Klang. Berühmtheiten wie Peter Tschaikowski oder Antonín Dvorák standen einst an ihrem Pult. 1909 gingen sie als erstes deutsches Orchester auf eine USA-Tournee. Auch zu DDR-Zeiten tourten die Dresdner durch den Westen und spielten regelmäßig in Fernost.

Um die Güte des neuen Klangraumes machte Dresden ein ähnlich großes Geheimnis wie kürzlich die Elbphilharmonie. Nur wenig drang vor der Eröffnung an die Öffentlichkeit. "Der Saal ist überwältigend. Er besticht durch seine Wärme und akustische Geborgenheit. Für die Philharmonie und für Dresden ...

... ist er ein ganz großes Geschenk", berichtet Chefdirigent Michael Sanderling nach ersten Proben. Die Zeit des Improvisierens in anderen Spielstätten hält der Maestro im Rückblick für ein Plus. "Das Orchester hat an Flexibilität in der Tonsprache und an schneller Umsetzung gewonnen." Er rechnet nun mit einem neuen Qualitätssprung.

Die Dresdner Philharmonie will mit dem Einzug in den umgebauten Kulturpalast auch neue Konzertformate bieten. So kündigte sie nicht nur einen Auftritt ...

... als Filmorchester beim Streifen "Harry Potter und der Stein der Weisen" im Februar 2018 an. Im kommenden Jahr sollen auch namhafte Interpreten anderer musikalischer Fächer zu Gast in der Philharmonie sein. Dazu zählen Fado-Königin Mariza und Goran Bregovic mit seiner Wedding and Funeral Band. (abe/dpa)

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