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Noch immer neun Vermisste: Der tragische Untergang der "Sewol"

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Für viele Südkoreaner ein sehr emotionaler Moment, denn der Anblick ... (Foto: imago/Xinhua)

Für viele Südkoreaner ein sehr emotionaler Moment, denn der Anblick ...

Erst knapp drei Jahre nach der Katastrophe mit mehr als 300 Toten ist das von tiefen Kratzern und Rostspuren gezeichnete Wrack der "Sewol" erstmals über der Wasseroberfläche zu sehen.

Für viele Südkoreaner ein sehr emotionaler Moment, denn der Anblick ...

... des 6800-Tonnen-Kolosses weckt traurige Erinnerungen.

Die überladene "Sewol" war am 16. April 2014 vor der Insel Jindo gekentert.

Von den 476 Menschen an Bord überlebten damals nur 172, ...

... darunter die leitenden Besatzungsmitglieder, die sich mit als Erste retten konnten.

Aus Sicht der Opfer-Familien ist die Unglücksursache noch immer nicht vollständig geklärt.

Fakt ist: Am Unglückstag herrscht im Hafen von Incheon an der Nordwestküste Südkoreas dichter Nebel. Die "Sewol" läuft verspätet aus.

Unter den 476 Passagieren an Bord sind 324 Schüler und 15 Lehrer der Danwon-Schule.

In den Morgenstunden des 16. Aprils senkt sich das Schiff plötzlich nach links. Passagiere berichten, dass es einen lauten Knall und anschließend quietschenden Lärm gegeben habe.

Eine knappe Stunde später wendet die "Sewol" scharf. Experten vermuten, dass durch die scharfe Kurve die Ladung - darunter mehr als 150 Autos - verrutschte und das Schiff zum Kentern brachte.

Die Crew setzt ein Notsignal ab. Zu diesem Zeitpunkt liegt die Fähre 5 Grad schief im Wasser.

Gegen halb zehn erreichen erste Schiffe der Küstenwache und Hubschrauber die Unglücks-Fähre. Mittlerweile liegt das Schiff bereits 60 Grad geneigt im Wasser.

Es wird angenommen, dass der Kapitän, der 68-jährige Lee Jun Seok, erst jetzt die Evakuierung anordnet.

Mehrere Überlebende berichten später, dass sie keine Aufforderungen für eine Evakuierung gehört hätten. Im Gegenteil, sie seien aufgefordert worden, sich nicht zu rühren.

Das legt auch der aufgezeichnete Funkverkehr zwischen Fähre und Hafenbehörde nahe. Demzufolge herrscht zum Unglückszeitpunkt auf der der Brücke die reine Panik.

Die Aufzeichnungen zeigen, dass die Besatzung zögerte, das Schiff zu evakuieren, als sich dieses gefährlich zur Seite neigte.

Etwa eine halbe Stunde nachdem die Fähre in Schräglage gekommen war, teilt ein Besatzungsmitglied dem Hafen Jindo mit, dass es unmöglich sei, den Passagieren Anweisungen über die Lautsprecheranlage zu geben.

Der Vertreter der Schifffahrtskontrolle erwidert, sie sollten dennoch die Passagiere anweisen, ihre Rettungswesten und möglichst viele Lagen Kleidung anzuziehen. "Werden die Passagiere sofort nach der Evakuierung gerettet werden?", fragt daraufhin das Besatzungsmitglied. "Lassen Sie sie wenigstens einen Rettungsring tragen und lassen Sie sie schwimmen. Jetzt!", drängt der Vertreter erneut.

Dann geht er auf die Frage von der "Sewol" ein, hat sie aber offenbar nicht richtig verstanden: "Der Kapitän sollte die Entscheidung selbst treffen und sie evakuieren. Wir kennen die Situation nicht gut genug. Der Kapitän sollte die endgültige Entscheidung treffen und entscheiden, ob Sie die Passagiere evakuieren oder nicht."

"Das habe ich nicht gefragt", antwortet die "Sewol". "Ich habe gefragt: Wenn sie jetzt evakuiert werden, können sie rechtzeitig gerettet werden?" Die Frage ist durchaus berechtigt, denn in dem Gebiet herrschen starke Strömungen.

Gegen 9.45 Uhr werden die ersten Passagiere per Hubschrauber gerettet.

Die Fähre dreht sich immer weiter, rutscht immer tiefer.

Gegen 10.30 Uhr ragt nur noch das vordere Ende des kopfüber liegenden Schiffes aus dem Wasser.

Rettungskräfte gehen davon aus, dass die Vermissten im Inneren des Schiffes eingeschlossen wurden und nicht mehr rechtzeitig hinauskamen.

Mit Einbruch der Dunkelheit verschlechtert sich die Sicht. Die Suche nach Überlebenden wird zwar mit Flutlichtern fortgesetzt, doch mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden.

164 Menschen sind zu diesem Zeitpunkt gerettet.

Unter den in Jindo ausharrenden Angehörigen der Vermissten wachsen Verzweiflung und Wut. Das langsame Tempo der Bergung und die häufig wechselnden Informationen zerren an ihren Nerven.

Am Ende überleben 172 Menschen den Untergang der "Sewol".

Später wird bekannt, dass die "Sewol" zum Unglückszeitpunkt nicht vom Kapitän, sondern von einer wenig erfahrenen Offizierin gesteuert wurde. Die 26-Jährige soll die schwierige Strecke, die für ihre starken Strömungen bekannt ist und die an einer Kette von vielen kleinen Inseln vorbeiführt, zum ersten Mal befahren haben.

Lee wird beschuldigt, das sinkende Schiff im Stich gelassen zu haben. Überlebende berichten später, der Kapitän und viele Mitglieder der Crew haben das Schiff als Erste verlassen.

Den Verdacht, er habe getrunken, weist Lee zurück.

Der Kapitän, die Offizierin sowie ein weiteres Besatzungsmitglied werden verhaftet.

Einem 2014 veröffentlichten Bericht des Rechnungshofes zufolge tragen neben dem Versagen der Besatzung auch Korruption, Inkompetenz der Behörden sowie Geldgier der Reederei zum Unglück bei.

Der Regierung wird vorgeworfen, nicht genug für die Rettung der Passagiere getan zu haben.

Fast drei Jahre liegt die Fähre am Meeresgrund. Nach der Bergung wird sie in die fast 90 Kilometer entfernte Küstenstadt Mokpo gebracht.

Dort untersuchen Experten das Wrack, denn noch immer werden neun Opfer vermisst.

Es ist ein schwacher Trost für die betroffenen Familien, die ihre Angehörigen verloren haben.

Doch war die Bergung eine ihrer wichtigsten Forderungen an die Regierung.

Ihre Hoffnung ist, ihre Angehörigen in angemessener Weise bestatten zu können. Und vielleicht kann die Unglücksursache zweifelsfrei festgestellt werden.

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