| FR | 8° / 23° |
| SA | 9° / 23° |
Mit der "Kanzler-U-Bahn" geht es nun auch unter dem Brandenburger Tor hindurch. Seit dem 8. August 2009 gibt es für Berliner und Touristen einen unterirdischen Weg durch das Regierungsviertel.
Als neue Linie U55 pendelt ein Schienenshuttle auf Deutschlands kürzester U-Bahn-Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Pariser Platz. Natürlich heißt die Station "Brandenburger Tor".
Drei Minuten dauert die Fahrt - immerhin elf Minuten weniger als die Fahrt mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof über Friedrichstraße zur Station Unter den Linden, bislang vom Pariser Platz aus der nächste Bahnhof.
Wo wir allerdings gerade bei Alternativrouten sind: Die Fahrt mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum S-Bahnhof Friedrichstraße dauert nur zwei Minuten - und von dort bis zum Pariser Platz sind es gerade einmal 900 Meter.
Schlappe 320 Millionen Euro hat der Bau der Linie gekostet, 13 Jahre hat er gedauert. Wirklich fertig ist das Projekt noch immer nicht: ...
Um die neue U55 an das städtische U-Bahn-Netz anzuknüpfen (bislang hängt die "Stummellinie" wie ein Appendix am Hauptbahnhof), soll sie bis zum Alexanderplatz verlängert werden. Damit entsteht die neue Linie ziemlich genau zwischen der S-Bahn, die zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz verkehrt, ...
... und der U2, deren Station Mohrenstraße vom Pariser Platz 800 Meter entfernt ist und die ebenfalls am Alexanderplatz hält.
Der Weiterbau der "Kanzler-U-Bahn" - gemeint war ursprünglich übrigens Helmut Kohl - soll noch einmal 433 Millionen Euro kosten. Nach derzeitigen Planungen soll es 2017 soweit sein.
Zunächst einmal feiert Berlin seine 1,8 Kilometer lange U-Bahn. Große Begeisterung dürfte beim Senat der klammen Stadt vermutlich nicht aufkommen.
Die Planung der Linie fiel in die Berlin-Euphorie der frühen Nachwendezeit, ...
... in der Architekten auch den riesigen, gläsernen Hauptbahnhof entwarfen.
Zur Jahrtausendwende stoppte Berlin, in der Realität angekommen, den U-Bahn-Bau aus Geldnot. Doch der Bund als Hauptfinanzier drückte die Fertigstellung mit einem Ultimatum durch: Entweder die Hauptstadt zahlt Millionen Euro Bundesgelder zurück - oder die U-Bahn fährt.
Berlin musste weiterbuddeln. An weniger prominenter Stelle, vermutet der kritische Berliner Fahrgastverband IGEB, wären die Arbeiten irgendwann trotzdem eingestellt worden.
Vor dem Reichstag aber liefen Abgeordnete und ihre Wähler jeden Tag am verriegelten Geisterbahnhof "Bundestag" vorbei, der zuletzt nur für Opernaufführungen geöffnet wurde.
Die Kanzlerin wird die "Kanzler-U-Bahn" vermutlich nicht nutzen.
Es bleibt die Hoffnung auf ein paar Berliner und vor allem Touristen. 17 Meter müssen sie nun zum U-Bahnhof Brandenburger Tor hinabsteigen. Die Station ist eine der am tiefsten gelegenen Berlins.
Gebaut wurde hier im Eismantel, um das Grundwasser in den Griff zu bekommen - und die Linie rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu eröffnen. Das Grundwasser machte trotzdem Ärger, der Bau verzögerte sich erheblich.
Die drei Haltepunkte sollen mehr sein, als einfache U-Bahnhöfe. Die Station "Brandenburger Tor", in Weiß- und Anthrazittönen gehalten, ist als Infopunkt in das Gedenkstättenkonzept Berliner Mauer eingebunden. An einem Kiosk lassen sich Hörbücher zur Mauer ausleihen, Computer bieten Zugang zu Internetseiten voller Stadtgeschichte.
Vor 20 Jahren verlief hier noch der Todesstreifen. Heute flanieren Touristen auf dem neuerbauten Pariser Platz, der vom Hotel Adlon, der Akademie der Künste, Botschaften und Banken gesäumt wird.
Für Verkehrsexperten ist die Mini-Strecke einmalig: Es kommt nicht oft vor, ...
... dass U-Bahn-Waggons von einem Lastkran mit Stahlseilen in die Unterwelt gehievt werden müssen - ...
... die fehlende Anbindung ans übrige U-Bahnnetz machte sich hier bemerkbar.
Verkehrstechnisch hat Berlin inzwischen ein ganz anderes Problem. Die S-Bahn fährt nach einem Notfahrplan, da sie viele Züge nach Sicherheitsmängeln in die Werkstatt schicken muss.
Für viele Berliner und Berlin-Besucher wurde die U-Bahn zum wichtigen Ersatz. Einen besseren Zeitpunkt für die Eröffnung der neuen Mini-Strecke hätte es kaum geben können.
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.