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Panorama

Alptraum ohne Erwachen: Die Katastrophe bei der Loveparade

 
Alptraum ohne Erwachen: Die Katastrophe bei der Loveparade

Ein Transparent, das Bände spricht. Am 24. Juli 2010 ...

... erschüttern Bilder wie dieses das ganze Land. Denn ganz egal, ...

... ob man die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg als Besucher ...

... oder Helfer selbst hautnah miterlebt hat, ...

... ob man lediglich Einwohner der Stadt an der Ruhrmündung ist, ...

... ob man mit dem Herzen dabei ...

... oder nur distanzierter Beobachter war - das, ...

... was sich an jenem Sommertag in Duisburg ereignet hat, ...

... konnte und kann niemanden kaltlassen.

Die Aufnahmen von der Katastrophe haben sich für eine lange Zeit ins kollektive Gedächtnis gebrannt.

Im Angesicht der Tragödie mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten ...

... wirkt vieles, ...

... leider allzu vieles nur noch zynisch. Vor allem aber treibt auch ein Jahr danach ...

... alle eine Frage um: Wer ist schuld daran, dass es dazu kommen konnte?

Eines scheint klar: Der Veranstaltung auf dem Areal eines ehemaligen Güterbahnhofs lagen eklatante Planungsfehler zugrunde. Laut Staatsanwaltschaft ...

... hätte das Techno-Spektakel unter den gegebenen Umständen nie genehmigt werden dürfen.

Dabei war die Masse der Besucher wohl gar nicht das größte Problem. Nach der Katastrophe in Duisburg ...

... wurde nicht zuletzt auch bekannt, dass die von den Veranstaltern in den Vorjahren genannten Zahlen massiv aufgeputscht waren. Die Millionengrenze dürfte in Wahrheit kaum erreicht worden sein. Und so ...

... war auf die Gesamtfläche bezogen auch das Gelände in Duisburg zwar gut gefüllt, aber an sich nicht überfüllt.

Anders sah dies jedoch im Bereich der Tunnel aus, durch die die Besucher zu dem Areal geschleust wurden.

Hier gab es ein fatales Nadelöhr: Die so genannte Ostrampe bildete den einzigen freigegebenen Zugang zur Veranstaltungsfläche. Und nicht nur das: Auch die Besucher, die das Gelände wieder verlassen wollten, sollten diesen Weg nehmen.

Zur Ostrampe führten zwei Wege: Aus östlicher Richtung ein rund 250 Meter langer, durchgehender Tunnel ...

... und vom Westen her ein System von drei unterschiedlich langen Unterführungen, die durch nicht überdachte Abschnitte unterbrochen sind.

Die Luftaufnahme verdeutlicht das noch einmal. Von allen Seiten drängte alles zur Ostrampe. Die Westrampe, die als alternativer Ausgang dienen sollte, blieb im zeitlichen Umfeld der Katastrophe gesperrt. Warum das so war und wer dies angeordnet hat, ist eine der Fragen, die die Ermittlungen zum Hergang des Unglücks klären sollen.

Schon in den Tunneln beziehungsweise Unterführungen selbst kam es zwischen 16 und 17 Uhr zu einem massiven Gedränge. Die Menschen sollen reihenweise zusammengeklappt sein. Wer konnte, ...

... ergriff die Flucht.

"Es waren Massen hier drin. Die Luft war zum Zerschneiden. Plötzlich fingen Leute an zu schreien", beschrieb eine Besucherin im Nachhinein ihre Erlebnisse. So gesehen grenzt es beinahe an ein Wunder, dass die Lage nicht bereits hier komplett außer Kontrolle geriet und nicht noch wesentlich mehr Opfer zu beklagen waren. Zur eigentlichen, später als Massenpanik beschriebenen Katastrophe ...

... kam es erst im Ausgangsbereich der letzten, im Westen gelegenen Unterführung.

An ihrer Außenwand befand sich jene kleine Treppe, ...

... die zum tragischen Sinnbild des Unglücks werden sollte. Sie, ...

... einige Lichtmasten

... und ein Baucontainer ...

... erschienen vielen Besuchern als rettender Ausweg aus der prekären Situation.

Doch je mehr Menschen in Richtung der Treppe drängten, umso größer wurde der Druck auf die, die sich vor ihr befanden. Die Folge: Gegen 17 Uhr gab es die ersten Toten.

Die spätere Obduktion der Opfer zeigte, dass sie alle an Brustquetschungen gestorben waren. Mit anderen Worten, ...

... der Druck auf die Menschen im Bereich der Treppe wurde zum Zeitpunkt der Katastrophe so groß, dass ihnen schlicht die Luft zum Atmen fehlte. So kam es zu dem tödlichen Drama, ...

... während andernorts auf dem Gelände die Besucher lässig durch die Gegend schlendern ...

... und ohne von der Tragödie überhaupt Notiz zu nehmen, abfeiern konnten. Denn, ...

... das belegen unter anderem Handyvideos, zu der fatalen Verdichtung der Besucherströme kam es tatsächlich ausschließlich im Bereich des Tunnels, der Unterführungen und der Ostrampe.

Warum? Bei dieser Frage ...

... schieben sich insbesondere Polizei und Veranstalter gegenseitig die Schuld in die Schuhe (im Bild: der damalige Duisburger Vize-Polizeipräsident Detlef von Schmeling, l., und Loveparade-Chef Rainer Schaller).

Möglicherweise trugen von der Polizei gebildete Absperrungen dazu bei, dass sich die Besuchermassen auf der Ostrampe zu einem verheerenden Kessel zusammenstauten. Das jedenfalls ...

... behaupten die Veranstalter und versuchten, dies mit Hilfe von Aufnahmen der Überwachungskameras nachzuweisen.

Auch von Kommunikationsproblemen der Beamten untereinander und einem unvorhergesehenen Schichtwechsel während der Veranstaltung ist die Rede.

Die Polizei indes weist die Verantwortung von sich. Ihr zufolge versagte das Sicherheitskonzept der Veranstalter. Demnach waren ursprünglich ausschließlich die Loveparade-Macher für die Regulierung der Besucherströme auf dem Areal zuständig.

Deren Ordner seien jedoch überfordert gewesen und hätten daher ...

... die Polizei zur Hilfe gerufen. Nach dem Eingreifen der Beamten hätten sich die Veranstalter nicht an vereinbarte Absprachen gehalten. So seien trotz der Sperren immer weitere Besucher auf das Gelände gelassen worden, was schließlich zu der dramatischen Ballung auf der Ostrampe geführt habe.

Kein Zweifel: Bei der Frage nach dem "Warum" haben Polizei ...

... und Veranstalter die Bürde einer Schlüsselrolle. Ein zentraler Vorwurf lautet dabei, ...

... dass die Sicherheit der Besucher dem Profitstreben geopfert wurde. Auch wenn der Veranstalter dies bestreitet und beteuert, mit der Loveparade nie Gewinne angepeilt zu haben, ...

... lastet an ihm der öffentliche Verdacht, vor allem von kommerziellen Interessen geleitet worden zu sein. Als gesichert kann jedoch nur gelten, dass Loveparade-Chef Rainer Schaller ...

... mit der Veranstaltung das optimale Marketing-Instrument für seine Fitness-Kette an der Hand hatte (Bild von 2008). Ein zweiter Vorwurf, der weniger materielle Interessen im Blick hat, aber nicht minder schwer wiegt, ...

... thematisiert den Imagegewinn, den man sich womöglich durch einen Event wie die Loveparade erhofft hatte. Sollte die Parade trotz aller Bedenken auf Biegen und Brechen in Duisburg durchgeführt werden? Spätestens hier ...

... kommt bei der Frage nach den Schuldigen für die Katastrophe ein dritter Akteur ins Spiel: Die Duisburger Stadtverwaltung, an ihrer Spitze ...

... Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Er weigert sich bis heute, ...

... die politische Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten. Stattdessen ließ er für fast 300.000 Euro ein Gutachten erstellen, das der Stadt Duisburg eine weiße Weste bescheinigen sollte, ...

... und agierte auch sonst nach dem Unglück oftmals mehr als ungeschickt. Erst nachdem mittlerweile durchgesickert ist, dass die Staatsanwaltschaft die Genehmigung der Loveparade in Duisburg eindeutig für "rechtwidrig" erachtet, ...

... rang er sich nach knapp einem Jahr zu einer öffentlichen Entschuldigung für die Katastrophe durch.

Hat der CDU-Politiker also schlicht die Glocke nicht läuten hören? Viele meinen, ja ...

... und sehen in Adolf Sauerland die Symbolfigur für das kollektive Wegducken der Entscheidungsträger vor ihrer Verantwortung.

Die folgenden Bilder bedürfen dabei keiner Worte.

Doch Sauerland hat auch Unterstützer - und das nicht nur auf der Straße. Weil ein Abwahlantrag gegen ihn im Stadtrat an der nötigen Zweidrittelmehrheit scheiterte, ...

... sammeln inzwischen Sauerlands Gegner Stimmen für ein weiteres Verfahren zu seiner Amtsenthebung. Der Ausgang ist genauso ungewiss ...

... wie der der laufenden Ermittlungen, die ganze Aktenordner füllen. Wegen der enormen Menge an Daten und mehr als 3.000 Zeugen können bis zu einer möglichen Anklageerhebung noch Monate vergehen. Dabei gibt es auch an der juristischen Aufarbeitung der Geschehnisse ...

... Kritik. Der Gründer der Loveparade etwa, Dr. Motte alias Matthias Roeingh, forderte die Untersuchung der Tragödie durch eine unabhängige Kommission. Ansonsten mache man den Bock zum Gärtner - schließlich sei die ermittelnde Staatsanwaltschaft Duisburg selbst an den Genehmigungsverfahren für die Loveparade beteiligt gewesen.

Vielleicht ist es für die Angehörigen der 21 Todesopfer und die Verletzten der Loveparade zumindest ein schwacher Trost, ...

... dass mittlerweile mit der Auszahlung von Entschädigungen begonnen wurde. Zehn Millionen Euro hat der Versicherer dafür zurückgestellt. Aber natürlich kann dies ...

... ebensowenig wie die Klärung von Schuld und Unschuld ...

... den Schmerz ...

... und die Trauer jemals lindern ...

... oder das Geschehene ungeschehen machen.

Die Toten der Loveparade ...

... bleiben nicht nur ihren Angehörigen und Freunden in ewiger Erinnerung, ...

... sondern dauerhaft im öffentlichen Gedächtnis.

Eine Tragödie dieser Art darf es nie mehr geben, ...

... auch wenn dies womöglich bedeutet, dass es auch Bilder dieser Art für lange Zeit nicht mehr geben wird.

Seit der Loveparade 2010 ist nichts mehr so, wie es einmal war.

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