Bilderserie
Sonntag, 13. März 2016

"Unterirdischer Palast": Die Pracht der Moskauer Metro

Von Liv von Boetticher-Germeroth

Bild 1 von 23
Anfang der 1930er-Jahre stieg die Bevölkerungszahl in Moskau rasant an. Aus diesem Grund wurden zwei wichtige Funktionäre mit dem Bau der Moskauer Metro beauftragt: der damalige Transportminister der UdSSR, Lasar Kaganowitsch, und Nikita Chrustschow, der später Generalsekretär der UdSSR wurde. (Foto: REUTERS)

Anfang der 1930er-Jahre stieg die Bevölkerungszahl in Moskau rasant an. Aus diesem Grund wurden zwei wichtige Funktionäre mit dem Bau der Moskauer Metro beauftragt: der damalige Transportminister der UdSSR, Lasar Kaganowitsch, und Nikita Chrustschow, der später Generalsekretär der UdSSR wurde.

Anfang der 1930er-Jahre stieg die Bevölkerungszahl in Moskau rasant an. Aus diesem Grund wurden zwei wichtige Funktionäre mit dem Bau der Moskauer Metro beauftragt: der damalige Transportminister der UdSSR, Lasar Kaganowitsch, und Nikita Chrustschow, der später Generalsekretär der UdSSR wurde.

Schwere Kronleuchter weisen den Reisenden in Moskaus Metro den Weg. Hier, in der Station Taganskaja, sind die Wandgemälde dem Kriegsruhm Russlands gewidmet. Man sieht Schiffe, Ritter in antiken Rüstungen und Krieger des 20. Jahrhunderts. Das Gewölbe ist mit der Aufschrift "Salut des Sieges" verziert.

Ein Paar umarmt sich vor einem bemalten Glasfenster in der Station Nowoslobodskaja. Die großen Bögen und bunten Glasfenster wirken eher wie in einer Kirche als in einer Metrostation.

Dieser rote Prachtbau ist der Eingang für die unterirdische Welt der Moskauer Metrostation Arbatskaja. Zwischen den grauen Plattenbauten wirkt er wie ein Tor zu einer anderen Welt. Der Pavillion hat die Form eines Sowjetsterns. Am besten ist die Form allerdings von oben zu erkennen.

Stuck und Ornamente, reich verziert und prunkvoll. Die Station Nowoslobodskaja wurde 1952 erbaut, mit architektonischen Elementen wie in einem Palast. Sie setzen die kommunistischen Ideale der damaligen Zeit ins zentrale Licht.

Die vielen bunt bemalten Glasfenster zeigen meistens sowjetisch orientierte Szenen - oder, wie in diesem Fall Darstellungen der schönen Seiten des Lebens in Form eines Klavierspielers an seinem Flügel.

In die Prunkbauten der Moskauer Metro hat längst auch die moderne Technik in Form von Rolltreppen Einzug gehalten. Die edle Beleuchtung zeigt den alten Glanz.

Der Entwurf für die Station Majakowskaja gewann 1938 den Hauptpreis einer Ausstellung in New York. Anstatt breiter Pylonen setzte Architekt Alexej Duschkin auf filigrane Säulen und moderne Materialien: in ovalen Nischen zeigen Gemälde "24 Stunden des sowjetischen Landes". Man sieht blühende Apfelbäume, Turner beim Üben oder Pioniere beim Modellflugzeug steigen. Dies alles sollte die Freude am Leben in der Sowjetunion ausdrücken und ein neues Menschenbild schaffen.

Beim Bau der Metro war das Ziel, einen "unterirdischen Palast für das Volk" zu errichten. Der Bau begann am 7. November 1931, dem Jahrestag der Oktoberrevolution. Bauarbeiter wurden von Tausenden Soldaten und Freiwilligen unterstützt. Im ständigen Wettkampf mit dem Westen lag Josef Stalin viel daran, nicht irgendeine, sondern die beste U-Bahn der Welt zu bauen. Auch unterirdisch sollte man die Macht des sowjetischen Staates spüren.

Es gibt auch kargere Ecken in Moskaus Untergrund.

Dennoch: verschiedene Sorten von edelstem Marmor...

... machen auch hier den Anblick für die Reisenden schöner.

Auch ein "Palast des Volkes" braucht Sicherheitshinweise. Auch wer der kyrillischen Schrift nicht mächtig ist: Zwischen die Türen der Metrozüge sollte man nicht geraten! Die Moskauer Metro hat 12 Linien mit etwa 200 Stationen. Das Metro-Netz ist 331,5 Kilometer lang. Die tiefste Station, Park Pobedy, ist 84 Meter unter der Erde und liegt gleichzeitig auf der mit 45,1 Kilometern längsten Metrolinie.

Sowjetführer Wladimir Iljitsch Lenin ist in Moskaus Untergrund allgegenwärtig. Viele Wandbilder, oder wie hier Mosaike bei der Haltestelle Biblioteka Imeni Lenina, zieren die Stationen. Den Besuchern von heute scheint der strenge Blick des Revolutionsführers herzlich egal zu sein: Sie schauen lieber auf ihre Handys. Manche Züge der Moskauer Metro sind mit kostenlosem Wlan-Zugang ausgestattet.

Die Nase des "Glückshundes" ist vom vielen Anfassen der Reisenden schon ganz golden. In der Station Ploschchads Revoljutsii stehen Bronzestatuen von Soldaten mit ihren Einsatzhunden. Das Berühren der tierischen Schnauzen ist für viele Metrobesucher eine Tradition und soll Glück bringen.

In Moskau kommt man mit der Metro oft schneller voran als mit dem Auto oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Züge fahren im Abstand von etwa 90 Sekunden.

Bei so vielen Zeitungen muss man schon ganz genau hinschauen, um die Verkäuferin noch zu erkennen.

Die Namen der Metrolinien sind oft nur in kyrillischer Schrift ausgewiesen. Und auch die meisten Wegweiser im Untergrund sind auf Russisch. Die Stationen auf dem Streckenplan der Moskauer Metro werden aber in kyrillischer und in lateinischer Schrift geschrieben.

Täglich fahren zwischen sieben und neun Millionen Menschen durch den Moskauer Untergrund. Ein Ticket kostet 30 Rubel, umgerechnet rund 40 Euro-Cent.

Auch wenn diese beiden Polizisten vermutlich eher ihrem Feierabend entgegenfahren: Sicherheit wird in Moskaus Untergrund groß geschrieben. Die Metrostationen und -übergänge sind mit Überwachungskameras ausgestattet. Auch viele Züge sind inzwischen mit Alarmvorrichtungen versehen.

Damit der "Palast des Volkes" und die Metrozüge sauber bleiben, gibt es viele Vorschriften: Die Moskauer Metro ist eine Nichtraucherzone und außerdem ist es verboten, Alkohol zu trinken. Fahrräder dürfen ebenfalls nicht transportiert werden.

Zum ersten Mal wurde bereits im Jahr 1902 über den Bau einer Untergrundbahn in Moskau diskutiert. Damals war die Öffentlichkeit empört, und in der Presse gab es heftige Proteste. Heute scheinen die Reisenden ganz zufrieden mit ihrer Beförderung.

Täglich nutzen weit mehr als sieben Millionen Menschen die Moskauer Metro - Züge und Bahnhöfe sind daher vor allem zu Hauptverkehrszeiten total überfüllt. Für eine unterirdische Besichtigungstour sollte man sich entweder früh morgens, spät abends oder an einem Sonntag Zeit nehmen.

weitere Bilderserien