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Montag, 24. März 2014

"Eines der größten Rätsel unserer Zeit": Die Suche nach Flug MH370

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Es ist die größte Such- und Rettungsmission der Luftfahrtgeschichte, ein bislang vollkommen unerklärliches Technikrätsel und zugleich eine beispiellose menschliche Tragödie. (Foto: REUTERS)

Es ist die größte Such- und Rettungsmission der Luftfahrtgeschichte, ein bislang vollkommen unerklärliches Technikrätsel und zugleich eine beispiellose menschliche Tragödie.

Es ist die größte Such- und Rettungsmission der Luftfahrtgeschichte, ein bislang vollkommen unerklärliches Technikrätsel und zugleich eine beispiellose menschliche Tragödie.

Seit dem 8. März 2014 gilt Flug MH370 als verschollen: Auf dem Linienflug von Kuala Lumpur verschwindet die gut 60 Meter lange Passagiermaschine vom Typ Boeing 777-200 mitten in der Nacht von den Radarschirmen. (Im Bild eine baugleiche Maschine der Malaysia Airlines)

Es gibt weder einen Notruf noch irgendein anderes Anzeichen für Schwierigkeiten. Der Verbleib der Maschine und das Schicksal der 239 Menschen an Bord bleibt zunächst vollkommen im Dunkeln.

Von der ersten Minute an erscheint der Fall mysteriös: In den ersten Tagen der Suche führen Hinweise auf mögliche Trümmerteile die Retter in die Irre.

Hilfskräfte aus Malaysia, Thailand und Vietnam vermuten einen Absturz im Golf von Thailand. Tagelang suchen dutzende Schiffe, Helikopter und Suchflugzeuge in der offensichtlich vollkommen falschen Seeregion.

Erst Tage später wird bekannt, dass malayische Militärs die Maschine womöglich über der Straße von Malakka geortet haben könnten.

Kurz nach dem letzten regulären Signal soll die Maschine zudem einen scharfen Kurswechsel vorgenommen haben. Ein absichtliches Manöver?

Erste Gerüchte kommen auf: Flog die Boeing womöglich noch stundenlang unerkannt weiter? Die Suchgebiete werden deutlich erweitert.

Die multinationalen Hilfsanstrengungen verlagern sich in die Seeregionen vor der malaysischen Westküste.

Mit hoch empfindlicher Überwachungselektronik suchen Kriegsschiffe wie die "USS Kidd" das Seegebiet im Meer vor den Andamanen ab. Indien und China schalten sich in die Suche ein.

Die Hinweise verdichten sich schließlich zur Gewissheit. Flug MH370 sendete noch Stunden nach dem Verschwinden technische Signale. Wurde das Flugzeug entführt?

Besteht für die Angehörigen der Menschen an Bord womöglich doch noch Hoffnung, Passagiere und Besatzung lebend wiederzusehen?

Wie kann ein Passagierjet einfach so unerkannt verschwinden?

Mit einer zögerlichen Informationspolitik bringt sich die Regierung Malaysias mehr und mehr unter Druck. Transportminister Hishamuddin Hussein wird zur Zielscheibe der Kritik.

Das Verhalten der Militärs in den Anrainerstaaten wirft schwerwiegende Fragen auf. Welche Rolle spielen die Geheimdienste? Die Welt verlangt Antworten.

Mithilfe von Satellitendaten gelingt es schließlich, den riesigen Radius möglicher Flugbewegungen auf einen nördlichen und einen südlich gelegenen Suchkorridor einzugrenzen.

Mittlerweile sind Geheimdienste, Militärs und zivile Ortungsspezialisten aus mehr als 26 Staaten an der Suche beteiligt.

Australien übernimmt die Leitung der Search-and-Rescue-Operation im südlichen Korridor.

Mit speziell geeigneten Seeaufklärern vom Typ P-3 "Orion" starten die Australier zum Dauereinsatz im südindischen Ozean.

Die schlanken, viermotorigen Maschinen sind voll gestopft mit Überwachungselektronik.

Tour für Tour ziehen die Seeaufklärer ihre Bahnen, nur unterbrochen durch Tankstopps und Ruhepausen für die Crew.

Die Arbeit an Bord ist monoton und mühsam. Stundenlang müssen die Controller ihre Sensorschirme im Blick behalten.

Die Chancen, dass sie in den unermesslichen Weiten des Indischen Ozeans etwas entdecken, sind gering. Wind und Wellen erschweren die Suche.

Mit Wärmekameras halten Besatzungsmitglieder die Wasseroberfläche im Blick.

Sie suchen nach Temperaturunterschieden, die Hinweise auf Treibgut oder Trümmerteile liefern könnten.

Hin und wieder durchbricht die Sichtung einer Delfinschule die eintönige Suche.

Die meiste Zeit jedoch starren die Helfer ins Leere.

Die Sucheinsätze dauern Stunden.

Seit Tagen kommen die Besatzungen nur zum Auftanken, Warten und Schlafen zurück auf den Boden.

Parallel zu den Einsätzen der "Orion"-Crews fliegt die Royal Australian Air Force (RAAF) auch mit Transportmaschinen vom Typ C-130J "Hercules" ins Suchgebiet.

Am Heck der Maschine gehen gut gesicherte Besatzungsmitglieder in Position.

Bei vollem Flug werfen sie auf Anweisung aus dem Cockpit Funkbojen ins offene Meer, um das Suchgebiet abzustecken.

Die Auswertung von Satellitenbildern bringt schließlich neue Hinweise zutage. Australische Behörden melden die Entdeckung zweier möglicher Wrackteile rund 2500 Kilometer südwestlich von Perth.

Die Satellitenbilder sind unscharf. Handelt es sich um Trümmerteile oder nur um Treibgut? Es ist die bislang beste Spur, heißt es aus Australien.

Australiens Premierminister Tony Abbott warnt vor voreiligen Schlüssen: "Wir wissen nicht, ob diese Trümmer zu MH370 gehören."

Genau genommen ist es die zunächst einzige konkrete Spur auf der Suche nach Flug MH370.

Für die Helfer ist es ein neuer Hoffnungsschimmer. Leichter wird ihre Aufgabe dadurch allerdings nicht.

Ab sofort konzentriert sich die Suche auf ein Seegebiet, das für unablässige Westwinde und hohe Wellen bekannt ist. Stürzte Flug MH370 in den "Roaring Forties" ins Meer?

Unter der Leitung der australischen Schifffahrtsaufsicht Australian Maritime Safety Authority (AMSA) fahnden die Helfer nun nach den beiden mysteriösen "Objekten".

Australien werde die Suche in jedem Fall fortsetzen, um "eines der größten Rätsel unserer Zeit" aufzuklären, betont Premier Abbott.

"Das sind wir den Familien derjenigen, die an Bord waren, schuldig."

Die Maschinen der australischen Luftwaffe sind dabei nicht alleine unterwegs.

Insgesamt sind inzwischen zehn Flugzeuge vor der Südwestküste Australien im Einsatz.

China verstärkte zudem mit sieben Schiffen die Suche zu Wasser.

Japan entsendet zusätzliche Seeaufklärungsflugzeuge vom Typ Lockheed P-3C "Orion" der Japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte.

Die Suchaktion gleicht einer Leistungsschau, entspricht aber den internationalen Gepflogenheiten.

Das fragliche Suchgebiet ist einfach zu groß für die Seenotrettungskapazitäten einer einzelnen Nation.

Unterstützung ist willkommen - und wird selbstverständlich gewährt. Rund um die Suche nach Flug MH370 entsteht eine grenzüberschreitende Kooperation, an der die ganze Welt Anteil nimmt.

Auch wenn die Chancen verschwindend gering sind: Noch besteht - zumindest theoretisch - die Möglichkeit, Überlebende zu finden.

Neuseeland steuert eigene Maschinen der Royal New Zealand Air Force bei.

Die US-Amerikaner schicken Maschinen vom Typ P-8A "Poseidon".

Der Seefernaufklärer der US Navy besteht im Prinzip aus einer umgebauten Boeing 737 - mit zahlreichen militärischen Erweiterungen.

Unter dem Rumpf trägt das Suchflugzeug zum Beispiel ein spezielles Breitbandradar, mit dem sich die Wasseroberfläche noch genauer absuchen lässt.

Die P-8A "Poseidon" der US-Marine hat zudem hochmoderne elektro-optische Kameras und Sensoren an Bord, die selbst kleine Objekt auf dem Wasser orten und bestimmen können. Die Maschine kann 7500 Kilometer weit fliegen, ohne aufzutanken.

Vom australischen Hafen Freemantle aus macht sich der chinesische Eisbrecher "Xuelong" (deutsch etwa: "Schneedrache") auf den Weg ins Suchgebiet.

Seefest an Bord verzurrt befinden sich Suchhubschrauber in einem Deckshangar des Eisbrechers.

Peking beordert zudem weitere Kräfte in die abgelegene Seeregion vor der Südwestküste Australiens.

Nach einer Zwischenlandung auf einer australischen Luftwaffenbasis stoßen zwei Transportflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 zur internationalen Suchflotte hinzu.

Unklar blieb zunächst, welche Aufgabe die beiden schwerfälligen Maschinen übernehmen sollen.

Bereitet sich Peking damit bereits auf eine Überführung möglicher Opfer vor? Offiziellen Angaben zufolge besitzen 152 der 239 Menschen an Bord die chinesische Staatsangehörigkeit.

Tatsächlich nutzen die Chinesen die Iljuschins zur Suche aus der Luft.

Die Besatzung aus dem fernen China stößt schließlich auf weitere verdächtige Objekte. Treiben hier die Trümmer von MH370?

Die Suche per Flugzeug hilft nur bis zu einem gewissen Punkt weiter. Jetzt braucht es Schiffe vor Ort, die die Objekte näher in Augenschein nehmen können.

Im Auftrag der australischen Marine folgt die "HMAS Success" den Flugzeugen ins Suchgebiet.

Von Deck des Bergungs- und Versorgungsschiffes aus können Seeleute verdächtige Gegenstände an Bord hieven.

Erst wenn die "Objekte" zweifelsfrei als Wrackteile der Boeing 777-200 identifiziert werden können, besteht Gewissheit über das Schicksal der Passagiermaschine.

Premier Najib Razak (r.) verkündet der Welt schließlich die trauige Erkenntnis: Flug MH370 endete tausende Kilometer entfernt von seinem eigentlichen Bestimmungsort im Süden des indischen Ozeans.

Die Bestätigung zerschlägt auch den letzten kümmerlichen Rest der Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang.

Die Angehörigen müssen von den Menschen an Bord tatsächlich für immer Abschied nehmen.

Für die Unfallermittler beginnt jedoch erst jetzt die eigentliche Arbeit: die Suche nach dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder mit den Audioaufnahmen aus dem Cockpit.

Erst nach der Bergung und der anschließenden Auswertung wird sich mit Sicherheit sagen lassen, was genau an Bord der Boeing 777-200 geschah. (Stand: 24. März 2014)

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