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"Haben" oder "sein": Die Suche nach dem Glück

 
"Haben" oder "sein": Die Suche nach dem Glück

Schon der antike Philosoph Aristoteles wusste: "Alle Menschen wollen glücklich sein". Worin allerdings das Glück besteht, darüber gibt es bis heute ganz unterschiedliche Auffassungen.

Bescheidener geht es Theodor Fontane (1819 - 1898) an: "Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen."

Sehr genau und offenbar auch ganz speziell auf sich bezogen definiert der Großindustrielle Henry Ford (1863 -1947) sein Glück: "Glück ist, die Eigenschaften zu haben, die die Zeit verlangt."

Der britische Dichter Lawrence George Durrell (1912 -1990) stellt sehr einfach und sehr deutlich klar: "Das Glück beruht oft nur auf dem Entschluss, glücklich zu sein."

Tiefenpsychologisch wird es, wenn man auf der Suche nach dem Glück Aristoteles' (384 - 322 v. Chr.) Kausalitätsgesetz bemüht: "Erfolg kommt nicht von ungefähr. Was Ihnen widerfährt, hängt nicht von Glück oder Zufall ab. Es gibt für alles einen Grund."

Hellwach erklärt der große Schauspieler Ernst Deutsch (1890 - 1969): " Wer vom Glück immer nur träumt, darf sich nicht wundern, wenn er es verschläft."

Der dänische Philosoph und Theologe Sren Kierkegaard (1813 - 1855) entschied bei seiner Suche nach dem Glück, dass "das Vergleichen das Ende des Glücks ist und der Anfang der Unzufriedenheit."

Mathematisch sieht es der Theologe, Musiker, Philosoph und Arzt Albert Schweitzer (1875 - 1965). Er meint: "Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt."

Die Gründerin des Ordens "Missionarinnen der Nächstenliebe" und Trägerin des Friedensnobelpreises, Mutter Theresa (1910 - 1997), wollte zeitlebens den Menschen helfen. Ihre Maxime: "Lass nicht zu, dass du jemandem begegnest, der nach der Begegnung mit dir nicht glücklicher geworden ist!"

Auch die Schriftstellerin Ricarda Huch (1864 - 1947) hat sich offenbar gefragt, was Glück ist. Heraus kam dabei ein Rätsel: "Glück ist etwas, was man geben kann, ohne es zu haben."

Der irische Esoteriker und Buchautor Joseph Murphy (1898 - 1981) vertritt die These, dass wir bewusst auf das Unbewusste einwirken können. Bezogen auf das Glück heißt dies nach Murphy, dass "Glück nichts anderes ist, als die Gewohnheit und die Folgen positiven Denkens".

Viel banaler dafür aber auch sehr anschaulich geht der Volksmund mit den Definitionen des Glücks zu Werke. In Senegal heißt es: "Es gibt Glückspilze, die fallen und finden noch etwas dabei."

"Geld allein macht nicht glücklich", sagen die Deutschen.

"Geld macht nicht glücklich. Aber es gestattet uns, auf verhältnismäßig angenehme Weise unglücklich zu sein", besagt eine amerikanische Redewendung.

Ein japanisches Sprichwort besagt hingegen: "Die Schönheit ist die Blüte des Glücks."

Und von gänzlich unbekannter Quelle stammt: "Ob dir eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob du Mensch oder Maus bist."

Auch der Schriftsteller Alexandre Dumas (1824 -1895), unehelicher Sohn von Alexandre Dumas dem Älteren, tat gut daran, sich die Frage nach dem Glück zu stellen: "Glücklicher als der Glücklichste ist, wer andere Menschen glücklich machen kann."

Hermann Hesse (1877 -1962) hat beim Nachdenken über das Glück die Liebe entdeckt: "Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich." Punkt.

Der Dichter Horaz (65 -8 v. Chr.) weiß das Glück des Augenblicks zu schätzen: "Glücklich der Mensch, glücklich er allein, / der das Heute ganz besitzen kann, / der in sich ruhend sagen kann: / 'Das Morgen, sei es noch so schlimm, / ich hab heut gelebt.'"

Der Begriff selbst wurde schon immer in seinen beiden Bedeutungen verstanden, und viele Völker unterscheiden auch sprachlich zwischen "Glück haben" und "glücklich sein".

Die Engländer unterscheiden zwischen "luck" und "happiness", und im Französischen gibt es dafür die Vokabeln "fortune" und "bonheur".

Im Deutschen können die unterschiedlichen Bedeutungen von Glück leider nur durch Umschreibungen ausgedrückt werden.

Wir denken an Glück meistens im Sinne von euphorischen Glücksgefühlen, aber dieses Glück hält nicht lange an. Ein Lottogewinn oder ein erfüllter Herzenswunsch machen uns nicht auf Dauer glücklich.

Dahinter steckt eine sinnvolle Einrichtung der Natur, denn wir sind weder auf Dauer glücklich, noch auf Dauer unglücklich.

Die Gefühle von Glück oder Unglück pendeln sich im Durchschnitt nach etwa einem halben Jahr wieder ein. Verhaltensforscher sprechen dann vom "set-point" des Glücks, der jedem Menschen biologisch mitgegeben sei.

Was wir uns für unser Leben wünschen, ist Glück im Sinne von andauernder Zufriedenheit, und dafür ist eine Folge solcher kleiner Glücksmomente sicherlich entscheidend. Ebenso wie die Frage der Lebenseinstellung. Aber wir können auch etwas für unser Glück tun.

Wenn man Glücksforscher fragt, was den Menschen wirklich glücklich macht, stößt man immer wieder auf den Begriff des Fließens oder Schwebens.

"Flow" ist also der Zustand, in dem man alles um sich herum vergisst, weil man ganz in die Lösung einer Aufgabe versunken ist - wie dem Erstellen dieser Bilderserie. Diesen Zustand kann jeder erleben, unabhängig von der persönlichen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Situation.

Die Schriftstellerin Simone de Beauvoir (1908 -1986) meint: "Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein."

Bertolt Brecht (1898 -1956) schreibt für seine "Dreigroschenoper": "Ja, renn nur nach dem Glück / doch renne nicht zu sehr / denn alle rennen nach dem Glück / das Glück rennt hinterher."

Dass "Glück oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen entsteht, und Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge", hat der Dichter, Zeichner und Maler Wilhelm Busch (1832 -1908) herausgefunden.

"Das Glück entflieht uns, wenn wir hinter ihm her rennen. In Wahrheit kommt das Glück von innen", meint Mahatma Gandhi (1869 -1948).

Johann Wolfgang von Goethe (1749 -1832) schreibt: "Willst du immer weiter schweifen? / Sieh das Gute liegt so nah! / Lerne nur das Glück ergreifen, / denn das Glück ist immer da."

Etwas leichter macht es sich der Erzähler Ernest Hemingway (1899 -1961) wenn er behauptet: "Glück ist ganz einfach gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis."

Und wie definieren Sie das Glück? (Alle Fotos: dpa / AP)

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