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Nur der Mythos bleibt: Die "Titanic" wird langsam aufgefressen

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Sie ist ein scheinbar immerwährender Mythos: die Titanic. Nach der Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt von Southampton in England nach New York sinkt der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1500 der mehr als 2200 Menschen an Bord kommen ums Leben. (Foto: picture alliance / dpa)

Sie ist ein scheinbar immerwährender Mythos: die Titanic. Nach der Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt von Southampton in England nach New York sinkt der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1500 der mehr als 2200 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Sie ist ein scheinbar immerwährender Mythos: die Titanic. Nach der Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt von Southampton in England nach New York sinkt der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1500 der mehr als 2200 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Wo sich das Wrack befindet, ist längst kein Geheimnis mehr. Eine Expedition unter der Führung des US-Amerikaners Robert Ballard ....

... entdeckte die "Titanic" am 1. September 1985 auf dem Boden des Atlantiks - exakt 368 Seemeilen südöstlich von Neufundland, wo sie seinerzeit auch verunglückt war.

Seitdem gab es unzählige weitere Tauchgänge zu dem Wrack. Die Bilder, die uns aus der Dunkelheit des Ozeans von der "Titanic" erreicht haben, sind einerseits von bizarrer Schönheit.

Andererseits machen sie deutlich, mit welcher Gewalt sich die Natur des einstmals luxuriösen Technikwunders bemächtigt hat - egal, ob es um die frühere Kapitänskabine geht, ...

... die ehemaligen Unterkünfte in der 1. Klasse ...

... oder die mächtige Schiffsschraube, die den Koloss seinerzeit antrieb. Aber schon in ...

... 15 bis 20 Jahren könnten die "Titanic"-Überreste komplett verschwunden sein, sagen Forscher. Das Problem: bakterieller Eisenfraß.

"Das Wrack ist von Biofilmen und Rost überzogen", so die Forscher. Sie entdeckten vor einigen Jahren in den Rostflocken eine Bakterienart, die nach ihrem Fundort Halomonas titanicae benannt wurde.

"Sie tragen dabei nicht langsam Millimeter für Millimeter die Oberfläche ab, sondern verursachen Lochfraß", so die Tiefseeforscher. "Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen. Die Bakterien leben direkt vom Metall."

Mit der Entdeckung des Wracks ging die Bergung von allerlei Teilen und Artefakten der "Titanic" einher. Original Rettungswesten von dem Unglücksdampfer kamen und kommen immer noch ebenso unter den Hammer ...

... wie etwa Liegestühle ...

... Geschirr, ...

... Schmuck, ...

... Parfüm, ...

... Rasiercreme-Behälter, ...

... Brillen, ...

... Schlüssel ...

... oder Geld.

Wer mag, kann sich mit Ausrüstungsgegenständen der einstigen "Titanic"-Besatzung eindecken, ...

... eine original Kochmütze, ...

... Kohlestücke aus dem Maschinenraum des Schiffes ...

... oder eine Menü-Karte von jenem unglückseligen 14. April 1912 sein Eigen nennen. Teilweise werden bis zu sechsstellige Summen für derartige Fundstücke bezahlt, ja, sogar für Dinge, ...

... die gar nicht auf der "Titanic" waren, sondern nur mit ihr in Verbindung stehen - wie dieser Schlüssel etwa. Es ist der Schlüssel, der den Schrank mit den Ferngläsern auf dem Schiff geöffnet hätte. Weil er bei der Abreise des Dampfers im englischen Southampton am 10. April 1912 vergessen worden war, waren die Matrosen der "Titanic" weitgehend darauf angewiesen, mit bloßem Auge nach Gefahren Ausschau zu halten - möglicherweise ein Grund, weshalb der Eisberg zu spät entdeckt wurde. Der Schlüssel wurde für schlappe 130.000 Euro versteigert.

Besonders begehrt sind auch originale Schriftstücke von dem Schiff, wie etwa dieser Brief des leitenden Offiziers Henry Wilde, den er noch im Hafen am 7. April 1912 geschrieben hatte, ...

... wie dieses Notruf-Telegramm mit der dramatischen Botschaft "We have struck an ice berg" (Wir haben einen Eisberg gerammt) ...

... oder dieses Telegramm des White-Star-Line-Direktors Bruce Ismay, in dem er den Untergang des Schiffes vermeldete. Allein Letzteres wechselte für 86.500 Dollar den Besitzer. Ismay war selbst an Bord der "Titanic" und sprang auf eines der letzten Rettungsboote, was ihm harsche Kritik in der Öffentlichkeit einbrachte. Schließlich wird vermutet, dass er Druck auf "Titanic"-Kapitän Smith ausübte, mit überhöhter Geschwindigkeit zu fahren, und somit an dem Unglück mit schuld war.

Heute wird nur noch wenig von der "Titanic" geborgen. Die Natur, die Bakterien, das Wasser - irgendwann wird nichts mehr von ihr übrig sein. Nur der Mythos bleibt ...

... , die Geschichte jenes fantastischen Luxusliners, der nach seiner Entwicklung seinerzeit als Wunderwerk der Technik galt. Dass man im Namen der unfassbaren Tragödie, für die die "Titanic" steht, heute Satire ...

... und auch sonst manch anderen Scherz machen kann, liegt sicher daran, ...

... dass die folgenschweren Ereignisse mittlerweile weit zurückliegen.

Es war mutmaßlich dieser Eisberg, der zur Katastrophe führte. Gegen 23.40 Uhr Bordzeit des 14. April 1912 wird er von der "Titanic" gerammt. Damit, ...

... was dann geschah, haben sich in den vergangenen 105 Jahren unzählige Wissenschaftler, Freizeitforscher, Filmemacher, Literaten, Journalisten und Co befasst.

Der Eisberg schlitzte den Bug des Schiffes an mehreren Stellen auf. Das Gewicht des eindringenden Wassers drückte den Vorderteil der "Titanic" immer tiefer unter die Meeresoberfläche. Rund zweieinhalb Stunden nach der Kollision ...

... hielt der Rumpf den ungeheuren Kräften, die auf ihn einwirkten, nicht länger stand und zerbrach. Der Bug versank gen Meeresboden und zog das Heck, das sich steil aufrichtete, mit in die Tiefe. Gegen 2.20 Uhr war der Untergang der "Titanic" besiegelt. Obwohl die Evakuierung schon etwa eineinhalb Stunden zuvor begonnen hatte, ...

... überlebten nur etwas mehr als 700 der 2224 Menschen an Bord die Katastrophe. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Viele Passagiere, die unter Deck in der 3. Klasse reisten, ahnten vermutlich lange nichts von dem sich anbahnenden Unglück und schafften es nicht, sich rechtzeitig auf die höheren Ebenen des Schiffes durchzuschlagen. Auch von den Reisenden an Deck erkannten viele zunächst nicht den Ernst der Lage und glaubten sich auf der "Titanic" sicherer als in den kleinen Rettungsbooten.

So ging tatsächlich mehr als ein Drittel der vorhandenen Boote ungenutzt mit der "Titanic" unter. Bei vielen der anfangs zu Wasser gelassenen Boote wurde das Fassungsvermögen bei Weitem nicht ausgeschöpft. Erst als sich der Bug der "Titanic" mehr und mehr unter Wasser senkte, brach Panik aus und ein Ansturm auf die nun oftmals völlig überbesetzten Rettungsboote begann. Als ...

... die Titanic schließlich ihren verheerenden Untergang in knapp 4000 Meter Tiefe begann, riss sie reihenweise Menschen in den Tod. Andere wurden erschlagen - von umherfliegenden Trümmern, dem umkippenden Schornstein oder weil sie auf dem sich neigenden Schiff den Halt verloren. Viele Menschen jedoch überlebten auch den eigentlichen Untergang und trieben, nachdem die "Titanic" in der Dunkelheit verschwunden war, an der Meeresoberfläche. Ihnen ...

... wurde die Kälte zum Verhängnis. Bei Wassertemperaturen unter 0 Grad starben sie rasch an Unterkühlung. Trotz ihrer Hilfeschreie kamen - mit zwei Ausnahmen - die in weniger Entfernung treibenden Rettungsboote ihnen nicht zur Hilfe, da die Besatzungen fürchteten, von den ums Überleben kämpfenden Menschen ebenfalls ins Wasser gerissen zu werden. Als kurz nach 4 Uhr ein anderes Schiff an der Unglücksstelle eintraf, konnten nur noch Leichen aus dem Meer geborgen werden. Schon damals ...

... war das Schicksal der "Titanic" ein Thema, das die Massen bewegte. Wie hier vor dem New Yorker Büro der Reederei White Star Line, der der Unglücksdampfer gehörte, ...

... oder hier vor den Nachrichten-Aushängen der Redaktionen von "The Sun" ...

... und des "New York American" drängelten sich die Menschen, um aktuelle Informationen über die Katastrophe zu bekommen. Die Faszination ...

... der "Titanic" und ihrem tragischen Ende sollte die Menschen in den kommenden einhundert Jahren nicht mehr loslassen. Gründe dafür gibt es viele. Einer ist sicher, dass die sich just bei der Jungfernfahrt ereignende Katastrophe das Vertrauen in die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten menschengemachter Technik nachhaltig erschütterte. Anders als von manchen angenommen, war die sogenannte "Olympic-Klasse", zu deren Baureihe die "Titanic" zählte, eben ganz und gar nicht "unsinkbar".

Ein weiterer Grund ist zweifelsohne der dramatische Ablauf der Katastrophe und die hohe Opferzahl. Bis heute ist der Untergang der "Titanic" das verlustreichste Schiffsunglück der modernen westlichen Welt in Friedenszeiten. Schließlich tat die ...

... Zusammensetzung der Passagiere, die ein Ticket für die Fahrt mit dem Luxusliner gelöst hatten, ihr Übriges. An Bord befanden sich einige der reichsten Männer der Welt - doch im Angesicht der Katastrophe konnte ihnen auch all ihr Reichtum nicht helfen. Die Mischung aus Angehörigen der obersten Gesellschaftsschichten und weitgehend mittellosen Auswanderern, die überwiegend die dritte Klasse der "Titanic" bevölkerten, ...

... lieferte den Stoff für allerlei fiktive und romantische Geschichten und Legenden, darunter natürlich nicht zuletzt das Filmepos "Titanic" mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen. Ehe sich ...

... Regisseur James Cameron (r.) später mit "Avatar" selbst übertraf, ...

... galt sein Katastrophendrama von 1997 als der bis dato in absoluten Umsatzzahlen erfolgreichste Streifen der Filmgeschichte.

Camerons Werk gilt - abgesehen von der erfundenen Liebesgeschichte - durchaus als realitätsnah. Sowohl ...

... beim Entwurf des Schiffes ...

... als auch bei dem im Film gezeigten Ablauf der Katastrophe hielt sich der Regisseur eng an die bekannten Fakten. Sogar der von Bernard Hill dargestellte Kapitän Edward John Smith sieht ...

... dem historischen Vorbild zum Verwechseln ähnlich. Lediglich bei der Darstellung ...

... des ersten Offiziers William McMaster Murdoch ließen sich die Filmemacher von Mutmaßungen leiten. So ist äußerst umstritten, ob er - wie in Camerons Streifen gezeigt - tatsächlich vor dem Untergang zwei Passagiere und anschließend sich selbst erschoss. Nach Protesten gegen diese Szene entschuldigte sich die Filmcrew später bei den Nachfahren Murdochs sogar. Dennoch: Der ...

... immense Erfolg des Hollywood-Epos war einer der bislang letzten Beweise dafür, wie sehr die "Titanic"-Katastrophe, die schon zuvor vielen Büchern, Filmen, Liedern und Kunstwerken als Aufhänger diente, die Menschen noch immer bewegt.

Ob als schnödes Modell, ...

... Schneekugel ...

... oder Christbaum-Schmuck, ...

... ob aus Streichhölzern, ...

... Puzzleteilen, ...

... Zuckerguss ...

... oder Schokolade - die "Titanic" gab es schon in beinahe jeder Form. Wer mag, ...

... kann, wie hier 2002 in Dallas, gegen ein paar Dollar stilecht die letzten Stunden auf der "Titanic" nacherleben ...

... oder für noch einige zehntausend Dollar mehr in einem Mini-U-Boot zu den Überresten des Schiffes in die Tiefen des Meeres hinab tauchen und dort ein original "Titanic"-Menü zu sich nehmen. Denn ...

Auch wer nicht das nötige Kleingeld hat, um sich einen Tauchgang zum Wrack zu gönnen oder eines der Überbleibsel der "Titanic" für das heimische Wohnzimmer zu sichern, braucht natürlich nicht darauf zu verzichten, mit dem Mythos auf Tuchfühlung zu gehen. Rund um den Erdball ziehen vorübergehende oder dauerhafte "Titanic"-Ausstellungen die Besuchermassen immer wieder an - von Mexiko ...

... über Barcelona ...

... und San Francisco ...

... wird so ziemlich alles gezeigt, ...

... was auf dem gesunkenen Dampfer nicht niet- und nagelfest war (im Bild: zerbrochene Klarinette eines Musikers auf der "Titanic") ...

... und im Laufe der Zeit zurück an die Oberfläche gebracht wurde (im Bild: Notenblätter eines Musikers auf der "Titanic"). Zum Beispiel auch ...

... die Kette, die James Cameron zur Rahmenhandlung seines Streifens - die Schatzsuche nach dem Diamant-Collier "Herz des Ozeans" - inspirierte.

Vor allem jedoch hat sich in den vergangenen Jahren das irische Belfast zu einem wahren Mekka für alle "Titanic"-Enthusiasten gemausert. Im ...

... Hafenviertel der Stadt, ...

... in dieser Halle, war die "Titanic" damals entworfen und gebaut worden. Lange scheute man sich in Belfast, sich der historischen Verbindung mit dem Unglücksdampfer zu stellen. Doch mittlerweile ...

... hat man mit dem Bau des sogenannten Titanic-Viertels positive Lehren aus der Geschichte gezogen und eines der größten Städtebauprojekte Europas angekurbelt.

Im Zentrum steht dabei das "Experience Center", ...

... in dem die Gäste hautnah die Atmosphäre ...

... und die Geschehnisse auf der "Titanic" nachempfinden können sollen. Doch die einzigen wirklich wahrhaftigen Geschichten über das Unglück ...

... konnten vermutlich die wenigen Überlebenden erzählen. Der Funker Harold Bride (M.) gehörte etwa ebenso dazu ...

... wie Eva Hart (M.) und ihre Mutter (r.). Der Vater (l.) von Hart, ...

... die 1996 im Alter von 91 Jahren starb, kam indes in den Fluten um. Manche ...

... "Titanic"-Überlebende wie die Frauenrechtsaktivistin Margaret "Molly" Brown wurden nach der Katastrophe regelrecht zu kleinen "Stars". Andere ...

... schrieben als die am längsten lebenden Augenzeugen des Unglücks Geschichte. Lillian Gertrud Asplund starb am 6. Mai 2006 mit 99 Jahren. Sie war die letzte US-Amerikanerin, die den Untergang miterlebt hatte.

Die wirklich letzte Überlebende der Katastrophe war jedoch sie: Millvina Dean aus England. Als ...

... die "Titanic" sank, war sie ein gerade mal zehn Wochen altes Baby. Auch ihre Mutter und ihr Bruder überlebten das Drama, ihr Vater jedoch nicht.

Millvina Dean selbst wurde 97 Jahre alt. Sie starb am 31. Mai 2009. Mit ihr ging der letzte Mensch, der der Katastrophe ein Gesicht gegeben hatte. Diejenigen, ...

... die bei dem Unglück selbst ihr Leben verloren hatten, blieben indes oftmals namenlos. Viele wurden auch nie gefunden und geborgen. Was bleibt, ...

... ist die Erinnerung an eines der schlimmsten Unglücke in der Geschichte der Neuzeit ...

... und die ewige Faszination für die "Titanic".

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