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"DUCKOMENTA" schreibt Geschichte neu: Die Ver-Entung der Welt

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Historie in Stein gemeißelt. Es sind die Mächtigen, die diese Geschichte schreiben – eine zutiefst menschliche Geschichte. Doch was ist mit den vergessenen, den verdrängten Gattungen, die die Erde einst bevölkerten und beherrschten?

Historie in Stein gemeißelt. Es sind die Mächtigen, die diese Geschichte schreiben – eine zutiefst menschliche Geschichte. Doch was ist mit den vergessenen, den verdrängten Gattungen, die die Erde einst bevölkerten und beherrschten?

Historie in Stein gemeißelt. Es sind die Mächtigen, die diese Geschichte schreiben – eine zutiefst menschliche Geschichte. Doch was ist mit den vergessenen, den verdrängten Gattungen, die die Erde einst bevölkerten und beherrschten?

Die Forscher- und Künstlergruppe interDuck nimmt sich intensiv dieser Frage an – und entdeckt Erstaunliches: Die Enten waren und sind wichtiger Bestandteil der Weltkultur. Die Forschung beweise geradezu eine Ver-Entung der Welt, sagen die Wissenschaftler. Sie stellen damit die herkömmliche Kultur- und Kunstgeschichte in Frage.

Doch es ist eine schwierige Aufgabe: Wenig ist geblieben von den gefiederten Wasservögeln. Umso mehr muss die Arbeit des interDuck-Teams anerkannt werden, das keine Kosten und Mühen scheut, die verborgenen Artefakte der Enten-Kultur aus allen Teilen der Welt ans Licht der Öffentlichkeit zu tragen - unter dem Namen "DUCKOMENTA".

Es ist der Fund einer heute als Anas Erectus bezeichneten Enten-Frühform – hier eine Rekonstruktion –, der als frühester Nachweis der Entenkultur gelten kann.

Die Entwicklung zu den später allgegenwärtigen Enten ist jedoch nach wie vor rätselhaft. Umso größer die Sensation, als in den Alpen ein einsamer, tiefgefrorener Wanderer gefunden wird. Die Entenforscher nennen ihn Dötzi. Noch heute wird dessen Mumie intensiv erforscht, wie dieses heimlich fotografierte Bild beweist.

Und noch etwas zeugt von der bereits vor zehntausenden Jahren hoch entwickelten Kultur der Enten: Wandmalereien stellen sie als große Jäger dar, den Menschen ebenbürtig.

Kein Wunder, dass sich schnell Reiche und Kulturzentren herausbilden, denen die Forscher mit umfangreichen Ausgrabungen auf der Spur sind – Scherben und Münzen geben Zeugnis von Kunsthandwerk und Frühformen einer Wirtschaftsordnung.

Einen ersten Höhepunkt erreicht die Entenkultur an den Ufern des Nils. Duckfretete, die bis heute als schönste Ente aller Zeiten gilt, und …

… Duckamun gehören zu den mächtigsten Herrschern dieser Epoche.

Mit beeindruckenden Mumien feiern die ägyptischen Enten ihren Totenkult – heute gehören diese zu den wertvollsten Ausstellungsstücken in den Museen der Welt.

Gleiches gilt für bildhauerische Werke wie der Sphinx – nur ausnahmsweise wird ein Blick in das Archiv der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin gestattet.

Auf der griechischen Halbinsel im Südosten Europas entsteht ebenfalls eine hochentwickelte Kultur. Es ist vor allem ein Herrscher, der für den Glanz des Stadtstaates Athen steht: Perikles. Lange gab es nur Mutmaßungen über sein wirkliches Aussehen. Eine von interDuck entdeckte Büste gibt nun endlich Aufschluss.

Leider wurde das Werk kürzlich Opfer eines Raubs – die hessische Polizei fahndet fieberhaft nach dem wertvollen Kunstschatz.

Doch Griechenland ist nicht nur ein Hort der Kultur. Immer wieder kommt es auch zu – noch primitiven – kriegerischen Auseinandersetzungen, wie Statuen beweisen. Über Anzahl der Soldaten, über Kampfstrategien und Ausrüstung ist jedoch noch sehr wenig bekannt.

So gehen die griechischen Stadtstaaten unter. Es folgt ein von der Apenninen-Halbinsel aus gelenktes Weltreich, in dem auch die Enten eine entscheidende Rolle spielen. Münzen zeugen von ihrer Macht und ihrem Ansehen.

Doch wie jedes Reich ist auch Rom dem Untergang geweiht. Aus unzähligen Einflüssen entsteht die mittelalterliche Welt. Der Codex Manesse ist eines der beeindruckendsten Werke dieser Epoche – auch wenn so manche Seite aus der Schrift erst heute entdeckt wird –, wie diese Abbildung eines bekannten Minnesängers.

Es ist der Beginn des 16. Jahrhunderts, der danach eine neue Epoche einläutet und überkommene Vorstellungen hinter sich lässt. So entsteht ein neues Bild von der Welt. Der Dotterdamer Gelehrtenstreit um die Form der Erde ist bald entschieden – die Welt ist ein Ei. Eine Feststellung, die tief im Denken der Zeit nachwirkt.

Ein neues Bild der Welt: Nicht überall wird es bereits konsequent durchgesetzt. So zeigt nur eine erste Ölskizze des Malers Raffael zwei Engelsfiguren als gefiederte, fliegende Wesen. Später wird er sie für sein Gemälde "Sixtinische Madonna" verfremden.

Doch es sind eben auch Künstler, die neue, aufklärerische Vorstellungen und Gedanken der Enten der Nachwelt vermitteln. In Italien wirkt das Genie Leonardo da Vinci. Nur wenige Selbstbildnisse von ihm sind erhalten – dieses wurde erst spät in seinem Nachlass entdeckt.

Auch das Porträt einer bisher nicht identifizierten Schönheit war der Nachwelt lange nicht zugänglich. Leonardo wollte es wohl nah bei sich wissen.

Heute wird es nur unter größten Sicherheitsvorkehrungen im Pariser Louvre ausgestellt. Doch Leonardo gilt auch auf naturwissenschaftlichem und technischem Gebiet als Vordenker.

In dem um 1505 entstandenen Buch "Der Flug der Enten" findet sich dieses Blatt da Vincis. Es zeigt eine Fortentwicklung des Schwingenflugzeugs, des Ornithopters. Dieser besitzt eine aerodynamische Eiform und ist auf den Transport von Passagieren angelegt. Ebenfalls dargestellt ist ein Fallschirm. Damit hat Leonardo versucht, seinen ängstlichen Assistenten Zoroastro zu einem ersten Flugversuch zu überreden.

Nördlich der Alpen tobt zur Zeit Leonardos ein erbitterter Glaubenskrieg. Einer der wichtigsten Reformatoren der Kirche – Martin Luther – wird von dem Künstler Lucas Cranach porträtiert. Anders als auf einem später weit verbreiteten Gemälde zeigt ein früher Versuch Luthers wahres Gesicht.

Auch ein Porträt von Dürers Mutter ist erhalten. Es soll möglicherweise eine Fälschung der beiden Nürnberger Kleinmeister Georg Pencz und Barthel Beham sein.

Die Renaissance in Italien, die Reformation in Nordeuropa – die geisteswissenschaftliche Sicht auf die Welt verändert sich nachhaltig. Erasmus von Dotterdam gilt als Vordenker des Humanismus. Hans Hohlbein der Jüngere porträtiert ihn mehrmals – mit offenem oder geschlossenem Buch, schreibend, teils sogar ohne Schnabel.

So werden auch in der Malerei neue Wege gegangen. Sicher, immer noch spielen religiöse Elemente eine große Rolle in der Kunst, wie diese Laute spielende Engel-Ente von Rosso Fiorentino zeigt, …

… oder dieses Vanitas-Stillleben, das die Vergänglichkeit alles Irdischen symbolisiert.

Doch in Nordeuropa, vor allem in Holland, entstehen im Goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts neue Malerschulen. Das Porträt erlebt eine Blüte. Aus der Werkstatt Rembrandt van Rijns stammt dieses Bildnis einer Ente mit Goldhelm.

Berühmt wird auch das Rembrandt zugeschriebene Bildnis einer badenden Ente. Im Barock ist die Scheu vor Wasser weit verbreitet, es heißt, Wasser mache krank. Aufgrund des Bildes wird vermutet, dass sich diese Angst auch auf Enten übertragen hat.

Nur 37 eigenhändige Werke hinterlässt der Maler Jan Vermeer van Delft bei seinem Ableben. Diese Ölskizze ist im Safe der Delfter Kreissparkasse entdeckt worden. Vermutlich hinterlegte sie die verarmte Witwe als Sicherheit für einen Kredit.

Doch der Barock ist auch eine Zeit des Prunks. Viele adelige Enten lassen sich porträtieren und schmücken damit ihre Residenzen.

Selbst sinnliche Freuden werden thematisiert. Der französische Rokoko-Maler Jean-Antoine Watteau malt den italienischen Harlekin Gilles – als Symbol der ausgelassenen Lebensfreude der Enten.

François Boucher stellt derweil für zahlreiche adelige Auftraggeber Gemälde in erotisch-lasziver Thematik her. Diese Studie stammt aus dem Nachlass Giacomo Casanovas. Sie zeigt seine Lieblingsmätresse, die "Schöne-O-Murphy".

Zum Ende des 18. Jahrhunderts erlebt das lockere, seichte Leben des Adels einen Bruch. In Frankreich erhebt sich das Volk gegen die Unterdrückung, Napoleon errichtet ein Kaiserreich – wird jedoch von den Heeren Europas geschlagen, alle freiheitlichen bürgerlichen Phantasien enden abrupt.

Das Bürgertum – von der Restauration in ganz Europa in die Enge getrieben – zieht sich zurück. Carl Spitzmaus gilt als feinsinniger Kritiker dieser spießbürgerlichen Gemütlichkeit, wie diese bislang verschollen geglaubte Studie zur dritten Fassung des "Bücherwurm" zeigt.

Neben der Literatur gilt auch die Forschung als ein Rückzugsgebiet, bis hin zur künstlichen Erzeugung des Lebens in einer Retorte. In einer bekannteren Fassung des Bildes füllt der Alchimist den leeren Glaskörper mit "heißer Luft". In dieser Version wird Carl Spitzmaus konkreter: Das Ei in der Retorte wird mit herangeführter Warmluft ausgebrütet.

"Armut schändet nicht", glaubt Carl Spitzmaus. Doch mit dieser Darstellung eines Poeten zieht er sich den Ärger der schreibenden Entenzunft zu. Er mache sich mit kaum versteckten Hinweisen über das seriöse Schreiberhandwerk, ja gar über die Kunst im Allgemeinen lustig, meinen die Kritiker.

Vom Familienleben der Enten ist indes wenig bekannt. Mit diesem Werk gönnt uns Carl Spitzmaus einen kleinen Einblick: Der Schulmeister Gottlieb Biedermauser quält hier Frau und Kinder mit kontemplativen Spaziergängen in brütender Sommerhitze.

Es ist ein Motiv, das auch die französischen Impressionisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufnehmen werden. Claude Monente verfolgt eine Entenfamilie bis in den Süden Frankreichs, um diese Idylle zu malen, ...

... und erwischt sie im Anschluss sogar bei einem kühlen Bad in einem mit entzückenden Seerosen bewachsenen Gewässer.

Der Adel sonnt sich derweil in seiner Pracht, wie dieser Blick in den authentisch eingerichteten österreichischen Kaiserpalast beweist. Macht und Geltung werden zu den wichtigsten Werten der feinen Wiener Entengesellschaft.

Der Porträtist Franz Xaver Winterducker berichtet, Kaiserin Elisabeth habe sich für dieses Bildnis auf einen Stuhl gestellt, um ihr Lieblingskleid besser zur Geltung zu bringen. Für zahlungskräftige Kunden erstellt der Maler mehrere Varianten des Motivs. Das Geheimnis, welche Version die richtige ist, nimmt er mit ins Grab.

Sissis Ehemann, Kaiser Franz Joseph I., hat ganz andere Sorgen: Er ist von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Kroatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien etc. Tief graben sich die Anforderungen an sein Amt in das von weißem Flaum bewachsene Gesicht ein.

Doch ob nun bürgerliche Idylle im Grünen oder prachtvolle Machtpräsentation des Adels: Das 19. Jahrhundert, die Moderne ist unaufhaltsam. In der Kunst entstehen neue Stile. Gustav Klimt vertritt den Wiener Jugendstil. Sein Bildnis Judith wird oft kopiert, doch ist dieses Original unerreicht.

Die Flächigkeit von Klimts Malerei wird von Künstlern wie Entian auf die Spitze getrieben. Seine abstrakten Gemälde geben dem Betrachter Rätsel auf.

Rätselhaft ist auch der Surrealismus. Wüste Weite und fließende Zeit führen den Betrachter an die Grenzen seines Bewusstseins und seiner Träume, während er sich im kuscheligen Federbett wähnt.

Die abstrakte Malerei eines weiteren Surrealisten freilich setzt auf Bewegung. Er ist einer der wenigen Künstler, die wider besseren Wissens auf die Darstellung von Enten verzichten.

Die Dynamik dieser Werke kann nur noch eine Steigerung erfahren: Die Bewegung der Bilder selbst. Marlene Duckrich ist eine der bekanntesten Darstellerinnen des neuen Mediums Film, "Die Blaue Ente" ihr wohl berühmtestes Werk.

Immer mehr Informationen stürzen auf die Enten ein, sie drohen in der Bilder-Flut zu ertrinken – ein Thema, das in der modernen Kunst, wie hier von Lou Lichtenberg, immer wieder aufgegriffen wird. Die Enten sind an einer Zäsur angelangt. Sicher, sie haben die Geheimnisse des Lebens und der Natur entschlüsselt, …

… sie haben die Weltmeere befahren und sind bis zu fernen Stränden und Bergen vorgedrungen.

Doch stets bleibt die wiederkehrende Frage: Was versteckt sich hinter all dem? Was ist der Sinn des Lebens, was die Mission der Enten? Ja, sind die Enten allein im Universum?

Signale werden ins All gesandt, Satelliten mit Botschaften über die Grundlagen der Entenpopulation auf der Erde fordern Lebewesen in den Weiten des Universums zur Antwort auf.

Alte Karten Albrecht Dürers lassen die Enten grübeln: Wo sind die verloren geglaubten Sternenbilder ihres vermuteten Ursprungs. Anas Minor, Anas Major, Ovum – das sollen ihre neuen Ziele sein.

Eine Raummission wird gestartet. Als Startbasis dient den Enten Hollywood, wo Kreative und Exzentriker aus aller Welt leben, Enten also nicht groß auffallen. Mit Filmproduktionen finanzieren sie die Vorbereitung ihrer Weltraummission. Menschlichen Technikern gelingt es, ein leicht verzerrtes Videosignal abzufangen und das Missionsmotto zu entschlüsseln.

Heimlich und geräuschlos wird in einem abgelegenen Hangar das Raumschiff gebaut, werden Raumanzüge und Ausrüstung produziert. Und 1944 ist es schließlich soweit – die Enten verlassen die Erde.

Für die Menschen auf der Erde ist es nicht leicht, ihren Weg weiterzuverfolgen. Doch das interDuck-Team hat die Entenspur wiedergefunden. Mit leistungsstarken Teleskopen werden Abdrücke auf dem Mond gesichtet. Grund genug, der Öffentlichkeit den derzeitigen Aufenthaltsort der Enten bald zu enthüllen.

In Ausstellungen sollen auch die Menschen teilhaben am Schicksal der Wasservögel. Nach internationalen Orten macht die "DUCKOMENTA" im Jahr 2010 Station im Schloss Neuhardenberg bei Berlin (14. März bis 13. Juni 2010). Danach kann sich die Öffentlichkeit im Römer- und Pelizaeusmuseum in Hildesheim (ab 12. September 2010 bis 1. Mai 2011) von der Echtheit der Enten-Artefakte überzeugen.

Zudem erscheint in der Ehapa-Comic-Collection des Egmont-Verlages der umfangreiche Forschungsbericht aller Funde, Bilder und Werke, die den Nachweis der Ver-Entung der Welt erbringen. Und diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt ... (Text: Markus Lippold/interDuck, alle Bilder: (c) interDuck)

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