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Lügner und Schummler, Gefallene und Ruinierte: Die Verlierer des Jahres 2012

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Den steilsten Absturz legte ohne Frage Christian Wulff hin. Nichts erzeugte zu Beginn des Jahres mehr Kopfschütteln als die Affäre um den damaligen Bundespräsidenten. Die Vorwürfe gegen ihn und sein Krisenmanagement markieren die größte politische Pleite des Jahres 2012 - aber bei weitem nicht die einzige. (Foto: picture alliance / dpa)

Den steilsten Absturz legte ohne Frage Christian Wulff hin. Nichts erzeugte zu Beginn des Jahres mehr Kopfschütteln als die Affäre um den damaligen Bundespräsidenten. Die Vorwürfe gegen ihn und sein Krisenmanagement markieren die größte politische Pleite des Jahres 2012 - aber bei weitem nicht die einzige.

Den steilsten Absturz legte ohne Frage Christian Wulff hin. Nichts erzeugte zu Beginn des Jahres mehr Kopfschütteln als die Affäre um den damaligen Bundespräsidenten. Die Vorwürfe gegen ihn und sein Krisenmanagement markieren die größte politische Pleite des Jahres 2012 - aber bei weitem nicht die einzige.

Nach der Ankündigung der Staatsanwaltschaft, die Aufhebung der Immunität zu fordern, trat Wulff am 17. Februar nach wochenlangen taktischen Finessen und zerknirschten Erklärungen zurück. Nicht einmal 20 Monate war er im Amt. Am Ende ging es um die Frage, wer seinen Urlaub auf Sylt bezahlt hat. Doch der Rücktritt vom höchsten Staatsamt war noch nicht der Tiefpunkt:

Es folgte ein demütigender Großer Zapfenstreich mit ohrenbetäubenden Protesten. Dann das Gerangel um den Ehrensold und ...

... die Buchveröffentlichung seiner Frau Bettina, von vielen einfach nur als peinlich empfunden.

Für die größte Blamage des Jahres sorgten die Verantwortlichen des neuen Hauptstadtflughafens. Dreimal wurde die Eröffnung schon verschoben. Neues anvisiertes Datum ist der Oktober 2013 - doch die nächste Hiobsbotschaft kommt bestimmt.

Er wurde in diesem Jahr als der größte Betrüger der Sportgeschichte entlarvt: Radprofi Lance Armstrong ist in seiner 20-jährigen Laufbahn ...

... viele Gewitter durchfahren - das Heftigste übersteht er nicht. Am 22. Oktober endet seine Karriere zum dritten und letzten Mal. Der Rad-Weltverband UCI schließt sich der Argumentation der US-Anti-Doping-Agentur an. Er sperrt den Texaner lebenslang und erkennt ihm alle seine sieben Tour-de-France-Titel ab.

Hoch gestiegen, noch höher gehandelt - und dann aus anderen Gründen tief gefallen ist Norbert Röttgen.

Nachdem er sich nicht dazu bekennen wollte, auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu gehen und auch sonst einiges für den Spitzenkandidaten schief lief, stürzte die CDU in Nordrhein-Westfalen auf 26,3 Prozent ab. Röttgen trat als Landeschef zurück, doch in der Union rumorte es weiter.

CSU-Chef Horst Seehofer demontierte den Bundesumweltminister und Atomausstiegsantreiber in einem TV-Interview. Kurze Zeit später wird der einst als Kronprinz Merkels gehandelte Röttgen seines Amtes enthoben.

Für den ehemaligen Bayern-Verteidiger Breno ist die Karriere wohl zu Ende: Im Juli verurteilte ihn ein Gericht zu drei Jahren und neun Monaten Haft, ...

... weil er seine Mietvilla im Münchner Nobelvorort Grünwald angezündet hatte - wohl aus Frust über seine Verletzungen.

FDP-Chef, Wirtschaftsminister und Vizekanzler: Der Papierform nach ist Philipp Rösler immer noch einer der mächtigsten Männer der deutschen Politik - in Wahrheit ist er aber ziemlich angeschlagen.

Sollte die FDP am 20. Januar bei der Landtagswahl in seiner niedersächsischen Heimat eine Schlappe erleiden, wäre der Rücktritt wohl zwangsläufig. Im Moment aber gilt immer noch Röslers Wort, dass er sich mit 45 aus der Politik verabschieden will. Das wäre für den Doktor der Medizin erst 2018.

Einst war er DER Moderator für die großen Samstagsabend-Shows - nach seinem Ausstieg bei "Wetten, dass..?" ist Thomas Gottschalk nun beim ...

... "Supertalent"gelandet - ein Absturz auf Nackedei-Niveau.

Oskar Lafontaine wollte es noch einmal wissen - und erlebte 2012 sein Waterloo. Das Taktieren Lafontaines im Machtkampf um die Parteispitze hat erheblich dazu beigetragen, dass die Linke in diesem Frühjahr kurz vor der Spaltung stand.

Der "Napoleon von der Saar" pokerte in der Auseinandersetzung mit seinem Widersacher Dietmar Bartsch zu hoch, überwarf sich sogar mit Fraktionschef Gregor Gysi und verzichtete letztlich dann doch auf eine Kandidatur.

Im April unterlag Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy seinem Herausforderer François Hollande. Die politische Bedeutunglosigkeit behagt ihm nicht. Mit seiner Kritik an der französischen Syrien-Politik löste er einen Sturm der Entrüstung aus.

Dirk Niebel geriet wegen seines "fliegenden Teppichs" kurzzeitig ins Schlingern. Den besagten Teppich kaufte der Entwicklungsminister bei einer Dienstreise in Afghanistan, der BND flog den Teppich am Zoll vorbei nach Hause. Ein Versehen, sagt Niebel. Der Teppich sei irrtümlich für ein offizielles Geschenk gehalten worden.

Kleine Nussschale in großem Politik-Meer? Noch im Frühjahr hatten die Piraten den Status von aufstrebenden jungen Wilden. Man saß inzwischen in vier Landtagen, der Einzug in den Bundestag galt als sicher, und mancher Pirat spekulierte gar, die Entscheidung über den nächsten Bundeskanzler läge auch in seinen Händen.

Doch dann folgte der Absturz, zunächst ohne erkennbaren Grund. Die Umfragewerte brachen ein, aus 13 Prozent wurden vier und die Spitzenpiraten bekriegten sich. Jetzt kämpft die Partei um ihr Überleben. Immerhin hat sie auf ihrem Parteitag in Bochum wichtige Eckpunkte eines Programms verabschiedet.

Er soll Baden-Württemberg mit dem Kauf von EnBW-Aktien einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe zugefügt haben: Gegen Stefan Mappus (CDU), Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, wird wegen des Vorwurfs der Untreue ermittelt.

Polizisten durchsuchten im Juli sein Haus. Am Ende trugen die Ermittler keine großen Kartons, keine Waschkörbe voll Akten aus dem Mappus-Haus, sondern zwei Rucksäcke mit unbekanntem Inhalt.

Nicht nur die Haare sind ihm grau geworden: Es ist auch merklich ruhig um Klaus Wowereit geworden. In den letzten Jahren fiel sein Name immer wieder, wenn es darum ging, mit wem an der SPD-Spitze künftig zu rechnen ist. Sogar als nächster Kanzlerkandidat wurde Berlins Regierender Bürgermeister gehandelt. Doch von diesem Ruf ist nur wenig übrig geblieben.

Nach über zehn Jahren an der Spitze hat Wowereit auch in seiner Geburtsstadt spürbar an Popularität eingebüßt. Dafür ausschlaggebend waren vor allem die Pannen beim Bau des neuen Hauptstadt-Flughafens, die eine Eröffnung wiederholt verhinderten.

2012 wenden sich die Dinge gegen Anton Schlecker. Für den Unternehmer ist es das Jahr der großen Katastrophe.

Der schwäbische Selfmade-Millionär (Archivbild) führt seine Drogerie-Kette in den Ruin. Managementfehler, harte Konkurrenz und Imageschäden machen dem einstigen Marktführer den Garaus.

Im Januar meldet Schlecker Insolvenz an - nach Monaten des Hoffen und Bangen machen Ende Juni endgültig die Pforten dicht.

Noch ist nicht klar, ob sich die Doktorarbeit von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Teilen als Plagiat herausstellt oder nicht - die erhobenen Vorwürfe haben ihre Reputation trotzdem beschädigt. Die Rückendeckung ihres Doktorvaters, Schavan sei eine absolut integre Person, kann das nicht verhindern.

Die dramatischen Bilder der havarierten Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio bleiben unvergessen. Tausende Passagiere und Besatzungsmitglieder versuchen das gekenterte Kreuzfahrtschiff zu verlassen.

Francesco Schettino steuerte den 290-Meter-Kolos am 13. Januar auf Felsen - und ließ sein Schiff während der Evakuierung im Stich. 32 Menschen sterben. Schettino steht in Italien vor Gericht.

Geschredderte Akten, dubiose Informanten und sture Geheimdienstler: Der deutsche Verfassungsschutz mit Heinz Fromm an der Spitze hat sich unglaubliche Pannen bei der Ermittlung der NSU-Mordserie geleistet. Im Sommer folgt der Rücktritt Fromms.

Das Image des Leinwandhelden John Travolta hat 2012 stark gelitten: Lange wird gemunkelt ob er schwul und die Ehe mit Kelly Preston nur Fassade sei. Vorwürfe der sexuellen Nötigung gießen Öl ins Feuer. Schließlich berichtet Travoltas Privatpilot von einer 6-jährigen Affäre, von leidenschaftlichen Liebesspielen und von Sonderwünschen.

In Umfragen sah es so aus, als könne Mitt Romney das Rennen ums Weiße Haus gewinnen. Dann wirbelte "Sandy" alles durcheinander und US-Präsident Barack Obama punktete selbst bei Republikanern. Der Mormone unterlag am Ende überraschend deutlich.

2012 bedeutet auch das Ende einer Ära mit Verlängerung: 91 Siege, 68 Poles und 7 WM-Titel holte Michael Schumacher in seiner erfolgreichen Zeit. Nach seinem ersten Rücktritt folgt 2010 die Rückkehr in die Formel-1, doch sein Comeback sollte anders verlaufen als es der beste Pilot aller Zeiten gewohnt war.

Kein einziger Sieg in den vergangenen drei Jahren. Schumacher fährt beim GP von Europa noch einmal auf Rang drei, am Saisonende aber belegt er nur den 13. Platz in der WM. Die Folgen: kein neuer Vertrag bei Mercedes und das endgültige Karriereende.

Als Kammerdiener des Papstes gab Paolo Gabriele geheime Papiere weiter. Die Strafe für den Mann, der nur aus Liebe zum Papst gehandelt haben will: 18 Monate Haft. Theorien, hinter "Vatikleas" könnte mehr stecken, blühen weiter.

Ein schwarzes Kapitel seit Bestehen der Bundesrepublik schrieb die Pressebranche 2012.

Hunderte Jobs fielen weg: Die "FTD" und die "Abendzeitung Nürnberg" wurden eingestellt, die "Frankfurter Rundschau" und die Nachrichtenagentur dapd meldeten Insolvenz an.

Neue Wunden erhielt die Demokratie in Russland: Im Mai wird der Ämtertausch an der Spitze vollzogen: Erst wird Wladimir Putin als Präsident vereidigt, danach wählt das Parlament Putins Vorgänger Medwedew zum Premier. Proteste gegen die inszenierte Rochade sind laut.

Die Musikerinnen der Punk-Band Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Gefängnis. Ein Moskauer Gericht verurteilt die drei Frauen wegen Rowdytums motiviert durch religiösen Hass. Sie hatten im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale mit einem sogenannten Punk-Gebet gegen Putin protestiert.

Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, erlebte in diesem Jahr ein politisches Fiasko: die Pleite des Nürburgrings im Juli. Im Prozess muss er nun als Zeuge öffentlich aussagen. Im Januar wird er außerdem sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Die deutschen Schwimmer um ihre Vorzeigeathleten Britta Steffen und Paul Biedermann erleben bei den Olympischen Spielen ein historisches Debakel. Die deutschen Schwimm-Asse gehen in London komplett leer aus.

Einst war Gerhard Gribkowsky Bankmanager. Heute sitzt er in Haft. Der ehemalige Risikovorstand der BayernLB hatte 44 Millionen Dollar von Bernie Ecclestone angenommen, im Gegenzug legte er ihm beim Verkauf der Formel 1 durch die Landesbank an den Finanzinvestor CVC Capital Partners keine Steine in den Weg. Gribkowsky muss nun achteinhalb Jahre absitzen.

Hans Michael Strepp musste seinen Job aufgeben. Der Parteisprecher der CSU soll versucht haben, das ZDF von einer Berichterstattung über den Parteitag der Bayern-SPD abzuhalten. Berichte das ZDF dennoch, so werde "das Diskussionen nach sich ziehen".

Auch für Opel war es kein gutes Jahr: Karl-Friedrich Stracke sollte den Opel-Konzern zurück in die Gewinnzone führen. Das misslang gründlich. Der Vorstandschef musste schon nach 15 Monaten seinen Hut nehmen.

Im Dezember verkündet der Autobauer die Schließung der Bochumer Niederlassung. Vor 50 Jahren war das Opel-Werk die Hoffnung der Stadt, nun droht der Absturz. Nicht nur 3300 Mitarbeiter bangen um ihren Job, es geht auch um Zulieferbetriebe, um Dienstleister, um 40.000 Arbeitsplätze.

Zählt Peer Steinbrück zu den Gewinnern oder zu den Verlierern des Jahres 2012? Er startete als Gewinner, nachdem er von der Führungstroika als Kanzlerkandidat ausgerufen wurde. Doch sein Start war holprig. Steinbrück ist zumindest der Verlierer der Debatte über die Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten.

1,25 Millionen Euro in drei Jahren - dazu noch Diäten, Buchhonorare und rund 100.000 für ein Aufsichtsratsmandat. Das bleibt hängen. Transparenz ist das eine, die Höhe der Nebeneinkünfte das andere.

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