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Londoner "Tube" ist schon 150: Die älteste U-Bahn der Welt

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Die Eröffnung ist für 2018 geplant. Mal sehn, ob dieser Termin gehalten werden kann. (Text: Andrea Beu, mit dpa) (Foto: REUTERS)

Die Eröffnung ist für 2018 geplant. Mal sehn, ob dieser Termin gehalten werden kann. (Text: Andrea Beu, mit dpa)

Wer sich durch London bewegen will, kann das ...

... in einem der berühmten schwarzen Taxis tun, ...

... als Tourist bevorzugt in einem der ebenso berühmten roten Doppelstockbusse ...

... oder auch zu Fuß. Weil man so aber nicht wirklich schnell vorankommt und auch wegen des manchmal nicht besonders schönen Londoner Wetters bietet es sich oft doch eher an, in den Untergrund zu gehen.

Auch wenn hier öfter mal gestreikt wird und die Züge dann stillstehen, kommt man so doch in der Regel am schnellsten zum Ziel. Wenn auch nicht unbedingt ...

... auf die komfortabelste und modernste Art: "Mind the gap!" Wer in London mit der U-Bahn fährt, bekommt die Aufforderung, die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante zu beachten, unzählige Male zu hören und zu sehen. Es nervt irgendwann, hat aber einen Grund: jedes Jahr passieren etwa 80 Unfälle, bei denen Passagiere mit dem Fuß in die Lücke geraten - und meist schwer verletzt werden.

"London Underground" ist längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit: der ratternden, häufig verspäteten, oft überhitzten "Tube" (so genannt wegen der runden "Röhren"-Form ihrer Schächte und Züge) ...

... merkt man an allen Ecken und Enden ihr hohes Alter an.

Schließlich ist es die älteste Untergrundbahn der Welt: Am 10. Januar 1863 fuhr vom Bahnhof Paddington nach Farringdon der erste U-Bahn-Zug - damals noch mit Dampf. (Die letzte Dampflok wurde 1961 eingesetzt.) Noch kurz vor der Eröffnung begegnete man der U-Bahn mit Vorbehalten: die Zeitung "The Times" meinte, die ganze Idee sei "eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes". Die Stimmung schwankte ...

... zwischen Skepsis und Technikbegeisterung. Einige der Zuglinien hatten in den ersten Jahren keine Fenster, weil die Hersteller der Meinung waren, im Untergrund gebe es ja ohnehin nichts zu sehen. Bei den Fahrgästen waren sie sehr unbeliebt. Später wurden sie komfortabler. Nach und nach erlangte die U-Bahn immer mehr Popularität. Schon im ersten Jahr ... (Waggoninneres, Abbildung aus "Illustrated London News", 1870)

... nutzten 11,8 Millionen Passagiere die "Metropolitan Line", die erste Linie im Londoner Untergrund. Pro Tag waren es etwa 30.000. (Ganz London hatte damals rund 3,2 Millionen Einwohner.) Die erste elektrisch betriebene U-Bahn-Strecke, die "City & South London Railway", wurde am 4. November 1890 zwischen Stockwell und King William Street am Nordende der London Bridge eröffnet. Sie ist Teil der heutigen "Northern Line". (Zug der City & South London Railway; Abbildung von 1890 aus "Illustrated London News")

Im Jahr 1908 gingen die ersten Fahrkartenautomaten in den Dienst; im selben Jahr wurde das berühmte Underground-Zeichen ("The Roundel") eingeführt.

Zwar saßen schon zu Beginn in der Bahn Bürger fast aller Schichten zusammen ... (im Bild: die damalige Prinzessin und heutige Königin Elizabeth und Prinzessin Margaret vor ihrer ersten U-Bahn-Fahrt im Mai 1939)

... besonders aber bei Arbeitern war sie beliebt. Denn sie eröffnete die Möglichkeit, enge, heruntergekommene Behausungen in Londons überbevölkertem Zentrum zu verlassen ...

... und stattdessen in größere Wohnungen und Häuser mit Gärten in den Vorstädten zu ziehen.

Londons Pendler-Strom wuchs unaufhörlich.

Wo vorher kleine Dörfer standen, breitete sich die Stadt rasant aus.

Als 1926 die "Northern Line" bis zum damaligen Dörfchen Morden ausgebaut wurde, lebten dort 1000 Menschen - fünf Jahre später waren es schon 12.600. Ohne die "Tube" sähe London heute ganz anders aus. (Bild von 1974, Station Charing Cross, 1976 umbenannt in Embankment.)

In den ersten Jahrzehnten war die mehr oder weniger geordnete Linienführung der Londoner U-Bahn vom heutigen Stand noch weit entfernt. Nach der "Metropolitan Line" eröffneten Schritt für Schritt weitere private Betreiber einzelne Linien.

Dabei entstand ein ziemliches Chaos, das unter anderem dazu führte, dass es heute etwa 40 ungenutzte Stationen gibt. Erst später wurden Verbindungsstrecken gebaut, ...

... die gemeinsame Vermarktung als "London Underground" begann im Jahr 1908. Die ersten Linien ...

... führten zudem noch nicht so weit in die Tiefe. Gebaut wurde nach einem Verfahren, bei dem ein Graben ausgehoben und dann wieder überbaut wurde. Oft folgte die Strecke dabei dem Straßenverlauf.

Hunderte Menschen wurden daher gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man, unter der Erde Tunnel zu graben. Dadurch ergaben sich viel mehr Möglichkeiten zur Erweiterung des Netzes. Im Zweiten Weltkrieg ...

... rettete die Tiefe der Tunnel zudem tausende Menschenleben, ...

... denn Londons Bevölkerung nutzte die U-Bahn als Bunker und versteckte sich dort vor den deutschen Bomben.

Auch während der Weihnachtszeit, wie hier 1940.

Die Schächte waren aber auch Verstecke für Kunstschätze. Das Militär richtete hier Kontrollzentren etwa für die Luftabwehr ein.

Doch die tiefen Tunnel bergen auch Gefahren; sie können wie eine Falle sein. 1975 raste im Endbahnhof Moorgate eine U-Bahn gegen eine Wand. Der Zug ging in Flammen auf, 43 Menschen kamen ums Leben.

Im November 1987 starben bei einem Feuer in der Station King's Cross mehr als 30 Menschen. Daraufhin ...

... wurden die Brandvorschriften verschärft und viele neue Sicherheitsregeln eingeführt.

Unter anderem wurde das Rauchen in den U-Bahn-Stationen verboten.

Am 7. Juli 2005 erlebte London die schlimmsten Terroranschläge seiner Geschichte: ...

... In drei U-Bahnzügen und ...

... in einem Bus gingen Bomben hoch, 52 Menschen wurden getötet.

Bei solchen tragischen Vorfällen macht sich das Alter der Londoner U-Bahn besonders nachteilig bemerkbar: ...

Die Auf- und Abgänge sind viel zu eng, die Bahnsteige zu schmal.

Nur wenige Stationen sind mit Sicherheitstüren ausgerüstet, um einen Sturz auf die Gleise zu verhindern.

Bis 2006 gab es sogar noch Rolltreppen aus Holz. (Bild von September 1940, Nutzung der U-Bahn-Anlagen als Luftschutzraum)

Aber der veraltete Zustand soll sich ändern: Die britische Regierung hat bis zum Jahr 2036 die Riesensumme von 16 Milliarden Pfund zur Verfügung gestellt, ...

... um die "Tube" auf Vordermann zu bringen. Mehr als sechs Milliarden Pfund davon sind bereits verbaut.

Wenn es sein muss, geht es aber auch ohne den Umbau: Während der Olympischen Spiele im Sommer 2012 bewies die "Tube", dass sie trotz ihres hohen Alters einiges leisten kann, ...

... und überraschte viele Skeptiker, die einen totalen Zusammenbruch des Netzes vorausgesagt hatten.

"Während der Olympischen Spiele und der Paralympics gab es das niedrigste Niveau an Ausfällen und Störungen", verkündete Transport for London, die Londoner Nahverkehrsgesellschaft, hinterher stolz.

Dabei musste die U-Bahn zu dieser Zeit auf ihren elf Linien Höchstleistungen bringen.

Mehr als vier Millionen Fahrten wurden am Spitzentag gezählt - an einem verkehrsreichen Werktag ...

... sind es normalerweise rund 3,3 Millionen.

Jahrlich transportiert die "Tube" mehr als eine Milliarde Fahrgäste.

Heute ist Londons U-Bahn-Netz nach dem von Schanghai ...

... und Peking das drittlängste der Welt ...

... und es wächst weiter.

Derzeit wird eine neue Ost-West-Verbindung gebaut, Crossrail genannt.

Das Crossrail-Projekt ist der größte Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems von London seit dem Zweiten Weltkrieg. (Im Bild: Baustelle einer Crossrail-Station in Canary Wharf)

Zugleich ist es das derzeit größte Infrastrukturprojekt Europas.

Crossrail soll nach Angaben der Betreiber jährlich etwa 200 Millionen Passagiere befördern ...

... und die Kapazität der öffentlichen Bahnen der Stadt so um zehn Prozent erhöhen.

Die bis zu 36 Meter tiefen Tunnelröhren für die neue Bahnlinie werden übrigens von Tunnelbohrmaschinen der deutschen Firma Herrenknecht gegraben.

Die Eröffnung ist für 2018 geplant. Mal sehn, ob dieser Termin gehalten werden kann. (Text: Andrea Beu, mit dpa)

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