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Immer derselbe Dreck: Die ekligsten Lebensmittelskandale

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Nun also Pferde. (Foto: dapd)

Nun also Pferde.

Nun also Pferde.

Die ganz abgebrühten unter den Fleischkonsumenten sagen: Macht doch nichts, Pferd ist nicht ungesund.

Stimmt. Doch sollte bei Nahrungsmitteln nicht draufstehen, was drin ist?

Längst ist die Zahl der Lebensmittelskandale so unübersichtlich wie die Produktionswege von den Mastanlagen ...

... über die Schlachthöfe ...

... und die Verarbeitung ...

... bis in den Supermarkt.

Unser Gemüse kommt aus spanischen Gewächshäusern, ...

... wo unser Fleisch herkommt, will lieber niemand so genau wissen - Hauptsache billig.

Denn das dürfte jedem klar sein: 1000 Gramm Lasagne für weniger als 3 Euro, 500 Gramm Hackfleisch für 1,89 Euro, 150 Gramm Kochschinken für 1,29 Euro sind ein starker Hinweis darauf, dass hier etwas nicht stimmen kann.

Schön, dass wenigstens die Reaktionen der zuständigen Behörden durchweg beruhigend sind. Ob Dioxin, Gammelfleisch oder Pferd in der Lasagne: "Für die Verbraucher besteht keine akute Gesundheitsgefahr."

"Wir reden hier nicht über eine Frage der Lebensmittelsicherheit. Soweit ich weiß, ist niemand krank geworden", sagte etwa der Sprecher von EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg, als bekannt wurde, dass Fertigprodukte mit undeklariertem Pferdefleisch verkauft wurden.

In Großbritannien, wo die entsprechenden Lebensmittel zuerst auftauchten, erklärte die Lebensmittelaufsicht FSA, der Verzehr von mit Pferdefleisch versetzten Produkten berge keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr.

Als dann herauskam, dass dieses Pferdefleisch mit dem Schmerzmittel Phenylbutazon belastet ist, gaben die britischen Behörden schon nach kurzer Zeit auch in diesem Punkt Entwarnung:

"Um eine therapeutisch wirksame Dosis aufzunehmen, wie sie auch Patienten bekommen, müsste man zum Beispiel 500 bis 600 große Hamburger aus Pferdefleisch an einem Tag essen", sagte Amtsärztin Sally Davis.

Auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schreibt auf seiner Homepage, dass es bislang "keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken" gebe.

Die Mutter aller Lebensmittelskandale ist, zumindest für Deutschland, der mit Glykol gepanschte Wein aus dem Jahr 1985.

Das Frostschutzmittel sollte den Wein süßer machen, denn in den achtziger Jahren kommt süß beim Verbraucher gut an. Betroffen ist vor allem Wein aus Österreich, aber auch Deutschland.

Es ist beileibe nicht der erste Lebensmittelskandal. In den 1970er Jahren finden sich vermehrt Salmonellen in Geflügelfleisch, ...

... bis in die 1980er Jahre hinein werden Wachstumshormone in Kalbfleisch nachgewiesen. 1992 ist es das Hormon Clenbuterol, 2002 sind es Antibiotika in niederländischem Kalbfleisch.

1987 berichtet das ARD-Magazin "Monitor" über Larven von Fadenwürmern in Fischen. Vor allem in den Eingeweiden von Seefischen tauchen die sogenannten Nematoden auf. Die Industrie gelobt Besserung.

Dennoch findet die Zeitschrift "Öko-Test" sieben Jahre später erneut Fadenwürmer in Fischstäbchen. Wirklich bedrohlich sind die Fadenwürmer allerdings nur, wenn befallener Fisch roh verzehrt wird. Insofern besteht - man ahnt es bereits - keine akute Gefährdung der Verbraucher.

Im Jahr 2000 erreicht die Rinderseuche BSE Deutschland. Die Krankheit war 1985 erstmals in England festgestellt worden. Der Rindfleischkonsum bricht - vorübergehend - drastisch ein.

Das alte Bundesministerium für "Ernährung, Landwirtschaft und Forsten" wird umgewandelt ins Ministerium für "Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft". 2005 benennt der damalige Ressortchef Horst Seehofer das Ministerium erneut um - und rückt den Verbraucherschutz wieder an die letzte Stelle. Dabei ist es bis heute geblieben.

Der Biobranche beschwert die BSE-Krise einen Boom. Im September 2001 führt die grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast das erste staatliche Bio-Siegel ein.

Ende 2001 taucht Fischmehl in Deutschland auf, das mit Antibiotika belastet ist. Ursprung sind offenbar 27 Tonnen Garnelen aus den Niederlanden, die mit einem Antibiotikum behandelt wurden. Das Zeug wird Fischmehl beigemengt, das unter anderem an Schweine und Geflügel verfüttert wird.

Der Nitrofen-Skandal bringt der Biobranche einen Rückschlag. 2002 wird das Unkrautvernichtungsmittel in Bio-Hühnern und Eiern gefunden.

Der Hintergrund des Skandals ist fast banal: Das Getreide für die Hühner lagerte in einer Halle, in der DDR-Restbestände von Nitrofen aufbewahrt worden waren.

Ebenfalls 2002 entdecken schwedische Wissenschaftler Acrylamid in Lebensmitteln. Die Verbindung ist krebserregend und entsteht beim Backen, Braten, Grillen und Frittieren von Kartoffeln und getreidehaltigen Lebensmitteln.

Betroffen sind Produkte wie Knäckebrot, Chips, Pommes frites, Spekulatius, Lebkuchen und Kaffee. Vergeblich fordern Verbraucherschützer eine Pflicht zur Kennzeichnung.

Schier endlos ist die Liste der Gammelfleisch-Skandale, die seit Jahren durch die zwar sensibilisierte, aber langfristig erstaunlich unempfindliche Öffentlichkeit geistert.

Den Auftakt macht die Stiftung Warentest im Novemberheft 2002. Von 34 Geflügelproben waren 5 ungenießbar. Diese Meldung passt noch in die Serie der kleineren Gammelfleisch-Skandale, die bereits in den 1990er Jahren aufgedeckt werden.

Anfang 2003 kommt heraus, dass mehr als 1000 Tonnen mit Dioxin verseuchtes Futtermittel aus Thüringen an Betriebe in ganz Deutschland sowie in die Niederlande geliefert wurden.

Im Dezember 2003, werden in einem Kühlhaus in Troisdorf bei Bonn 15 Tonnen Gammelfleisch beschlagnahmt.

Im April 2004 beginnt der Skandal um die bayerische Wildfleischfirma Berger. Es geht um 2600 Tonnen Gammelfleisch. Der Geschäftsführer erhält später eine Bewährungsstrafe.

2005 schafft "Gammelfleisch" es zwar nur auf Platz 5 der Liste "Wort des Jahres". Doch ist dies das Jahr der Gammelfleisch-Skandale. Im März wird bekannt, dass Mitarbeiter der Supermarktkette Real Hackfleisch vom Vortag regelmäßig neu etikettieren. Noch ein Einzelfall, so scheint es.

Im Oktober 2005 beginnt der Skandal um die Firma Deggendorf Frost. Sie soll Schlachtabfälle aus Italien, Österreich und der Schweiz umdeklariert haben. Die Firma muss Insolvenz anmelden, der Geschäftsführer wird zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Ebenfalls im Oktober 2005 wird bekannt, dass ein Fleisch-Großhändler aus Gelsenkirchen Rind- und Putenfleisch umdeklariert hatte. Nachgewiesenermaßen hatte er rund 400 Tonnen Gammelfleisch in Umlauf gebracht.

Die Politik überbietet sich mit Ankündigungen. Und doch sind Gammelfleisch-Skandale mittlerweile so häufig geworden, dass sie es kaum noch auf die Titelseiten schaffen.

Im August 2006 werden rund 100 Tonnen Gammelfleisch in München sichergestellt. Eine sehr viel größere Menge war zuvor bereits verkauft und vermutlich auch verspeist worden. Das Fleisch war zum Teil bis zu vier Jahre alt.

Im August 2007 wird bekannt, dass ein Fleischhändler aus Wertingen in Bayern rund 200 Tonnen Gammelfleisch umetikettiert hatte.

Angeblich war das Fleisch zwischen Juni 2006 und August 2007 vor allem in Berlin als Döner verkauft worden.

Im Juli 2010 warnt das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel vor einer Häufung von bakterienverseuchtem Rindfleisch, Lamm und Wild. Das vakuumverpackte Fleisch sei mit dem kälteliebenden Keim Clostridium estertheticum kontaminiert und verderbe innerhalb der Haltbarkeitszeit.

Gefährlich? Ach, nein. Das Fleisch sei zwar nicht mehr zum Essen geeignet, eine Gesundheitsgefahr sei aber unwahrscheinlich, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Typische Anzeichen für das verseuchte Fleisch sind eine aufgeblähte Verpackung und übler Geruch.

Man sollte meinen, Gammelfleisch sei ein gutes Argument ist, den Konsum von Billigfleisch zu reduzieren.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Der Verbraucher verlangt billiges Fleisch und er will zunehmend auch billige Fertigprodukte - Dreck im Essen ist die logische Folge.

Nicht nur Gammelfleisch, auch Gammel-Eier schaffen es in die Medien. Im Dezember 2006 wird bei einer Durchsuchung in einem Eier verarbeitenden Betrieb umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Die Firma soll verschmutzte oder verdorbene Eier als Flüssigei an Nudelhersteller und Großbäckereien verkauft haben.

Angeschlagene Eier wurden selbst dann verarbeitet, wenn bereits Maden darin saßen. Aus Sicht des bayerischen Umweltministeriums ist alles halb so wild: Eine Gesundheitsgefahr könne ausgeschlossen werden, schließlich seien die Gammel-Eier vor der Weiterverarbeitung pasteurisiert worden.

Rund 11.000 Tonnen Gammel-Mozzarella, verunreinigt mit Würmern und Mäusekot, sollen in ganz Europa von Verbrauchern gegessen worden sein. Dieser Fall wird 2008 publik. Das Verbraucherministerium hat keinen Hinweis, dass eine Gesundheitsgefahr droht.

Im Sommer 2009 veröffentlicht die Verbraucherzentrale Hamburg eine Liste mit "gefälschten" Lebensmitteln - Garnelen aus Pressfleisch, Wasabi ohne Meerrettich. Besondere Berühmtheit erlangt "Analogkäse".

Ende 2010 wird bekannt, dass der Fetthändler Harles und Jentzsch mindestens 3000 Tonnen dioxinbelastetes Fett als Futterfett verkauft hat. Das verseuchte Futterfett wurde verdünnt - insgesamt ging es offenbar in 150.000 Tonnen Futtermittel auf ...

... und landete so in Schweinefleisch ...

... und in Eiern. Im Januar 2011 präsentiert Verbraucherministerin Ilse Aigner einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit in Lebensmitteln.

Und das Bundesinstitut für Risikobewertung weist - natürlich! - darauf hin, dass bei kurzfristigem Verzehr von Eiern, die den festgelegten Höchstgehalt von Dioxinen überschreiten, keine unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten sei.

Im April 2011 findet das staatliche Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut heraus, dass Fische aus der Ostsee deutlich stärker radioaktiv belastet sind als Fische aus der Nordsee. Natürlich bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Im Mai 2011 bricht in Deutschland eine Ehec-Epidemie aus. Ehec ist die Abkürzung für enterohämorrhagische Escherichia coli, das sind Stämme des Darmbakteriums E.coli, die Krankheiten auslösen können.

Grundsätzlich sind Ehec-Erreger nichts Neues, doch diese Variante tritt zum ersten Mal auf: Der Stamm wird HUSEC041 genannt. Verharmlosung hilft hier nur begrenzt; bis zum Ende der Epidemie im Juli 2011 sterben mehr als 50 Menschen durch den aggressiven Darmkeim.

Aus Sicht der Behörden gelten am Ende der Epidemie aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen als Quelle des Erregers. Zuvor hatten die Behörden vor Gurken, Tomaten und Blattsalat gewarnt, so dass ...

... auf dem Höhepunkt der Ehec-Krise täglich Gemüse im Wert von mehreren Millionen Euro vernichtet wird. Vor allem spanische Bauern leiden unter den Warnungen der deutschen Behörden.

Bis heute ist die Ursache der Ehec-Epidemie nicht wirklich geklärt. Nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch gibt es für die Bockshorn-These "keinen einzigen Tatsachenbeleg".

2012 findet die Stiftung Warentest Rückstände von Mineralöl in Adventskalendern. Die Kohlenwasserstoffgemische kommen wahrscheinlich über die Verpackungen in die Schokolade. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rechnet nach und kommt zu dem Schluss, dass kein akutes Gesundheitsrisiko besteht.

Zyniker werden sagen: Lieber Pferde als Mineralöl. Unterm Strich ist aber ganz offenbar ...

... völlig egal, was in unseren Lebensmitteln steckt. Denn akute Gefahr besteht ja so gut wie nie.

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