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Blankziehen aus Protest: Die nackten Argumente von Femen

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Als vor rund 90 Jahren Frauen für ihre Belange - etwa das Wahlrecht - demonstrierten, sah das zum Beispiel so aus. Heute, im Jahr 2011, hingegen protestieren Frauen ... (Foto: AP)

Als vor rund 90 Jahren Frauen für ihre Belange - etwa das Wahlrecht - demonstrierten, sah das zum Beispiel so aus. Heute, im Jahr 2011, hingegen protestieren Frauen ...

Als vor rund 90 Jahren Frauen für ihre Belange - etwa das Wahlrecht - demonstrierten, sah das zum Beispiel so aus. Heute, im Jahr 2011, hingegen protestieren Frauen ...

... so ...

... oder so ...

... oder so.

So geht's auch.

vielleicht auch so.

Doch Vorsicht! Manchmal tut's auch weh.

Jedenfalls in der Ukraine.

"Femen" nennt sich die Frauengruppe, die mit mehr ...

... oder etwas weniger nackten Argumenten auf ihre Anliegen aufmerksam macht.

"Wir haben unsere ganz eigene ...

... Form eines zivilen Protests entwickelt, ...

... basierend auf Mut, ...

... Kreativität, ...

... Effizienz ...

... und Schock", erklären die Aktivistinnen auf ihrer Myspace-Seite ihr Auftreten. Sie wollten so ...

... zur größten und einflussreichsten Frauenbewegung in Europa werden. Na, ...

... was wohl eine Alice Schwarzer ...

... über SOLCHE Methoden denkt? Aber eines ...

... ist gewiss: Aufmerksamkeit erregen die Femen-Frauen ...

... mit ihren Aktionen allemal. Oder warum klicken Sie sich gerade durch diese Bilderserie? So eigen ...

... ist die Protestform der Ukrainerinnen dann allerdings auch wieder nicht. Dass das Motto "Sex sells" ...

... auch bei Demonstrationen funktioniert, ...

... haben selbstredend schon viele für sich entdeckt, etwa vor Kurzem auch die Teilnehmerinnen der so genannten "Slutwalks", ...

... bei denen sich die Demonstration für Frauenrechte durch den bewussten Einsatz sexueller Reize ähnlich wie bei Femen schon auf einer gewissen Metaebene abspielt, die man nicht unbedingt verstehen muss. Einfacher ...

... ist das schon bei den PETA-AnhängerInnen und ihrem Kampf für den Tierschutz. Hier dienen die unverhüllten Tatsachen in erster Linie dazu, Slogans wie "Lieber nackt als im Pelz" ...

... oder "Ink, not mink" ("Tinte statt Nerz") zu unterstreichen.

Egal, ob für die Bildung ...

... oder den Umweltschutz, ...

... ob gegen die Bundeswehr

... oder den G8-Gipfel - es wurde schon nackt ...

... gerannt, ...

... geradelt, ...

... gerungen ...

... und gerangelt. Und natürlich sind es dabei auch nicht immer nur Frauen, die mit vollem Körpereinsatz schon mal Bekanntschaft mit den Sicherheitskräften schließen. Das wiederum ...

... geht den Frauen von Femen ganz und gar nicht anders.

Im Gegenteil - die ukrainischen Einsatzkräfte ...

... gehen oftmals nicht gerade zimperlich mit den Demonstrantinnen vor.

Werden sie der Frauen habhaft, ...

... werden diese meist nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst ...

... und abgeführt. So gab es seit der Gründung der Gruppe 2008 ...

... durch die 1983 geborene Anna Hutsol (r.) ...

... schon zahlreiche Festnahmen ihrer Mitglieder. Dies zeigt, ...

... dass es bei aller Skurrilität der Aktionen ...

... und Provokation seitens der Demonstrantinnen ...

... durchaus um bitterernste Themen geht. Im Zentrum ...

... stand dabei zunächst der Protest gegen den zunehmenden Sex-Tourismus in die Ukraine ...

... und die Prostitution in dem Land.

Nicht zuletzt mit Blick auf die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen 2012 ...

... treibt die Femen-Aktivistinnen die Sorge vor einer weiteren Zunahme des weitgehend von der Mafia kontrollierten Geschäfts von Frauenhandel und Zwangsprostitution um. Dabei ...

... halten sie auch ukrainischen Politikern vor, in dunkle Machenschaften verstrickt zu sein. Und so ...

... richtet sich der Protest der Gruppe mittlerweile auch zusehends gegen die politischen Verhältnisse in der Ukraine an sich. Unter Präsident Janukowitsch habe das Land totalitäre Züge angenommen, lautet der Vorwurf.

Daher zählt zu den jüngsten Aktionen der Femen-Frauen etwa auch die Besetzung eines Gefangenentransporters der Polizei. Hierin gebe es genug Platz für "kriminelle" Politiker, riefen die Demonstrantinnen, ...

... die dabei jedoch nicht lange ungestört blieben. Wieder einmal ...

... griff die Staatsmacht ein ...

... und mit aller Härte durch.

Doch bislang lassen sich die Aktivistinnen davon nicht abschrecken. Im Gegenteil, wie diese Kundgebung gegen das Vorgehen der Polizei gegen die Gruppe vor der Hauptwache in Kiew beweist.

Die Frauen finden sich genauso zu Demonstrationen gegen die Regierung auf der Straße ein ...

... wie gegen Ungerechtigkeiten im politischen System in einem Wahllokal ...

... und wie gegen die sprichwörtliche Grabesstimmung im Land auf einem Friedhof.

Sie protestieren gegen die "Schlammschlachten" im Wahlkampf ...

... und die männliche Dominanz in den Schaltzentralen der Macht. "Zeigt mal einen Lebenslauf", steht unter anderem auf ihren Transparenten geschrieben.

Auf diesem Schild einer 63-jährigen Femen-Anhängerin indes ist zu lesen: "Ich wünsche euch, dass ihr nicht bis zur Pension lebt." Sie protestiert damit ebenso gegen eine Rentenreform in dem Land ...

... wie ihre jüngeren Mitstreiterinnen.

Auch gegen soziale Kürzungen machten die Frauenrechtlerinnen mit einem symbolischen "Rasenmähen" mobil, ...

... mit bekanntem Ausgang.

Diesen Balkon in Kiew enterten die Frauen, um gegen eine abstruse Verordnung zur Fußball-EM zu protestieren. Diese schreibt vor, ...

... dass Wohnungsbesitzer in einem Umkreis von 1500 Metern rund um das Stadion der ukrainischen Hauptstadt ihren Balkon mit Blumen schmücken müssen und während des Sportereignisses nicht in Unterwäsche aus ihrer Wohnung treten dürfen.

Und wie ist es nackt und mit der Unterwäsche in der Hand?

Und noch eine Aktion, die mehr oder weniger mit der EM zu tun hatte: Mit einem Brunnen-Bad in Kiew machten Femen-Mitglieder ihrem Unmut ...

... über die Rationierung von Warmwasser für ukrainische Haushalte während der Sommermonate Luft. Dies ...

... werde auch die EM-Touristen abschrecken, sind sich die Frauen sicher.

Sogar dem Thema Schweinegrippe hat sich die Gruppierung angenommen ...

... und protestierte gegen die ihrer Ansicht nach übertriebene Panikmache in dem Zusammenhang.

Sinn und Zweck dieser Aktion vor dem Bildungsministerium in Kiew war wiederum, auf die Zustände an ukrainischen Universitäten aufmerksam zu machen. Femen zufolge ...

... sind sexuelle Übergriffe und Nötigungen von Professoren gegenüber Studentinnen in dem Land an der Tagesordnung.

"Willst du bestehen? Blowjob gefordert", steht auf dem Schild im Hintergrund.

Auch das schlechte Abschneiden der Ukraine bei den Olympischen Winterspielen ...

... lassen die Aktivistinnen nicht unkommentiert und fordern ...

... eine höhere staatliche Förderung des Sports.

Nicht minder unterfinanziert ist den Femen-Frauen zufolge der staatliche Kampf gegen Krebs. Die Aufnahmen ...

... mit einer selbst an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Demonstrantin entstanden vor dem ukrainischen Gesundheitsministerium.

Die innenpolitischen Fragestellungen, zu denen sich Anhängerinnen der Gruppe auf ihre eigene Art und Weise äußern, reichen von Leihmutterschaften ...

... bis hin zur Presse- ...

... und Meinungsfreiheit. Auf der Rückseite der Tops der drei Frauen steht "Hure", ...

... auf den Schildern, die sie vor dem Büro der ukrainischen Sicherheitsbehörde in die Höhe halten, "Demonstrationsfreiheit" und "Redefreiheit". Die Buchstaben auf den Hosen sind die Abkürzung der Behörde.

Dabei lassen sich die Frauenrechtlerinnen keiner der großen politischen Gruppierungen zuorden. Auch ...

... die mittlerweile wegen angeblichen Amtsmissbrauchs angeklagte Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko wird von ihnen eher parodiert als ernst genommen. Für Femen ...

... bietet auch sie keine glaubhafte Alternative zu den herrschenden Verhältnissen. Abgesehen von den Problemen im eigenen Land, ...

... blicken die Demonstrantinnen mittlerweile auch verstärkt über den internationalen Tellerrand. Sie wenden sich - wie hier während eines Besuchs von Russlands Regierungschef Wladimir Putin - gegen russische Einflussnahme auf ihr Land ...

... und gehen auch zum weißrussischen Nachbarn und seinem diktatorischen Präsidenten Alexander Lukaschenko ...

... in Frontstellung.

Die Verhaftung von drei georgischen Fotografen unter dem Vorwurf, sie hätten für Russland spioniert, thematisierten die Frauen bei dieser Aktion vor der georgischen Botschaft in Kiew. Wieder einmal ...

... blieben sie dabei nicht lange alleine. Diesmal war es allerdings kein ukrainischer Polizeitrupp, der ihnen in die Parade fuhr, ...

... sondern ein Angestellter der georgischen Botschaft.

US-Außenministerin Hillary Clinton wurde freundlich begrüßt, verbunden mit der Aufforderung, in ihren Gesprächen die Demokratiedefizite in der Ukraine anzusprechen. Etwas weniger ...

... freundlich demonstrierte Femen indes vor der italienischen Botschaft in Kiew gegen Silvio Berlusconi. Nach der Prostitutionsaffäre des italienischen Ministerpräsidenten forderten die Frauen ihn zum Rücktritt auf, ...

... indem sie ihre Unterwäsche in Richtung des Botschaftsgebäudes schleuderten. Gebracht hat das bekanntlich jedoch nichts.

Auch mit Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gingen die Frauenrechtlerinnen nach den Vorwürfen, er habe ein Zimmermädchen vergewaltigt, ins Gericht.

Ganz zu schweigen von einem neuseeländischen Radiosender. Dass dieser einen Wettbewerb auslobte, ...

... in dem als Hauptgewinn eine Reise in die Ukraine inklusive freier Auswahl einer ukrainischen Frau bei einer Ehevermittlung versprochen wurde, ...

... inspirierte Femen zu dieser Aktion vor einer Hochzeitskapelle. Vermehrt ins Visier genommen haben die Demonstrantinnen zudem ...

... die Zustände in der arabischen Welt. Mit dem Freiheitskampf der Ägypter sympathisierten die ukrainischen Frauen ebenso öffentlich ...

... wie mit den Frauen in Saudi-Arabien, denen es bis heute verboten ist, ...

... Auto zu fahren. Neben "Let's drive" ist auf den Schildern auch der Spruch "Kamele für Männer, Autos für Frauen" zu lesen.

Keine Sorge! Das sind nur Würstchen - Femens Form des Protests gegen ein afghanisches Gesetz, das Männern erlaubt, ihren Frauen Nahrung und Unterhalt zu verweigern, wenn sie sich ihnen sexuell verweigern. Ob die beiden Männer im Hintergrund hier eingegriffen haben, wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, ...

... dass die Sicherheitskräfte bei einem iranischen Kulturfest in Kiew das Auftauchen der Oben-Ohne-Demonstrantinnen nicht so recht dulden wollten. Nein, ...

... so ganz und gar nicht. Also, ...

... so wirklich nicht. Wir vermuten einmal schwer, ...

... dass die Femen-Frauen gerade bereits ihren nächsten Coup aushecken. Und ob nun auch wirklich alle ihrer Forderungen gerechtfertigt sind oder nicht, ...

... ihr mutiges Auftreten, ...

... unter Einsatz vor allem ihres Leibs, ...

... wenn auch nicht unbedingt ihres Lebens, wird ihnen auch künftig viel Aufmerksamkeit ...

... und womöglich so einige Fans bescheren. (Text: Volker Probst)

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