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Donnerstag, 24. März 2016

Die Germanwings-Katastrophe: Die tragische Geschichte des Flugs 4U9525

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Am 24. März 2015 zerschellt ein voll besetzter Airbus von Germanwings in den Alpen. (Foto: dpa)

Am 24. März 2015 zerschellt ein voll besetzter Airbus von Germanwings in den Alpen.

Am 24. März 2015 zerschellt ein voll besetzter Airbus von Germanwings in den Alpen.

Keiner der 150 Insassen überlebt die Katastrophe, die meisten Opfer stammten aus Deutschland - darunter 16 Schüler aus Haltern am See.

Unter der Flugnummer 4U9525 war die Maschine am besagten Dienstagmorgen von Barcelona aus in Richtung Düsseldorf gestartet, wo sie nie ankam.

Was zunächst kaum vorstellbar erscheint, wird wenige Tage nach der Katastrophe schreckliche Gewissheit: Die Germanwings-Maschine wurde gezielt vom 27 Jahre alten Co-Piloten Andreas Lubitz zum Absturz gebracht.

Die Ermittler um Staatsanwalt Brice Robin arbeiten nach dem Absturz hart und teilen ihre Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit. Ein technischer Fehler an dem mehr als 24 Jahre alten Jet wird schnell ausgeschlossen.

Schon nach der ersten Auswertung der Flugschreiber benennt Robin klar Lubitz als Täter, der 149 weitere Menschen mit in den Tod gerissen habe.

Um sie in Höchstgeschwindigkeit am Berg zerschellen zu lassen, hatte der Erste Offizier zuvor seinen Kapitän aus dem Cockpit ausgeschlossen und dann seelenruhig den Sturzflug eingeleitet.

Den tödlichen Sinkflug hatte er den Ermittlungen zufolge schon auf dem Hinflug kurz ausprobiert. Alle Funkrufe der Flugsicherung und des Militärs ließ Lubitz unbeantwortet, atmete ruhig bis zum finalen Crash.

Am 11. Juni beschreibt Staatsanwalt Robin den Co-Piloten Lubitz als "absolut flugunfähig". Er habe unter der "handfesten Psychose" gelitten, dass er sein Augenlicht verlieren und damit seinen Traumberuf Pilot nicht mehr würde ausüben können.

In Lubitz' Blut wurden laut Abschlussbericht Spuren der Antidepressiva Citalopram und Mirtazapin sowie des Schlafmittels Zopiclon gefunden. Dem Report zufolge empfahl ein Arzt zwei Wochen vor dem Absturz für Lubitz die Behandlung in einer psychiatrischen Klinik.

Lubitz zeigte demnach Symptome, die mit einer depressiven Phase im Dezember 2014 übereinstimmten. In den Monaten danach ging Lubitz deswegen zu mehreren Ärzten, so der Bericht.

Für die Zeit des Todesflugs war er krankgeschrieben und damit flugunfähig, ohne dass Lubitz das seinem Arbeitgeber mitgeteilt hätte.

Am unwegsamen Absturzort im Gemeindegebiet des Örtchens Prads-Haute-Bléone bietet sich den Einsatzkräften nach dem Absturz ein Bild des Grauens.

Selbst nach Wochen härtester Aufräumarbeit im Hochgebirge können nur etwa die Hälfte der rund 6000 gefundenen Leichenteile zweifelsfrei den 150 Toten zugeordnet werden.

Für die übrigen wurde in der Nähe des Absturzortes ein ...

... kollektives Grabmal errichtet.

Die Gedenkstätte in Le Vernet liegt am Rande des Dorfes: ein Friedhofsgrabstein mit Inschrift und einer grünen Hecke.

Die Einwohner des kleinen Dorfes achten jetzt mehr auf Fremde, die hierherkommen. "Wir sind dem Absturzort am nächsten, an dem die Menschen ihre Angehörigen verloren haben", sagt Jean-Marcel.

Trauernden Mut und einen Ort für Gefühle geben, möchte auch das französische 195-Einwohner-Dorf Prads-Haute-Bléone. Hier zu sehen der Bürgermeister Bernard Bartolini.

Der Berghang, an dem die Maschine in viele kleine Teile zerschellte, liegt zwar näher an Le Vernet. Doch offiziell gehört er zu Prads.

In rund 1500 Metern Höhe hat der französische Künstler Eric Klein die Gedenkstätte aus den mehr als drei Meter langen Metallstäben geschaffen.

Bei Wind schlagen sie aneinander. Das Geräusch ist weit zu hören.

Die Absturzstelle selbst liegt hinter der nächsten Kuppe. Sie ist ein stiller, ein leerer Ort.

In der nordrhein-westfälischen Kleinstadt trauern Familien und Freunde um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen, die von einem fröhlichen Spanienaustausch nicht lebend zurückgekommen sind.

"Wir denken an euch. Wir wünschen euch Kraft. Wir werden die Toten nicht vergessen" - die selbst gebastelten Plakate im Trauerraum des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern zeigen den tiefen Schmerz, der bis heute anhält.

Die Namen der toten Schüler stehen auf einer Gedenktafel auf dem Schulhof.

Mit dem Unglück ist die Kleinstadt noch lange nicht fertig.

"Ich wünsche den Eltern, dass sie den Frieden finden, den sie brauchen, um mit dieser unglaublichen Trauer und dem Schmerz umzugehen. Dass sie für sich einen Weg finden, der das alles erträglicher werden lässt", sagt Bürgermeister Bodo Klimpel. "Für die Stadt wünsche ich mir, dass wir zukünftig von solchen Unglücken verschont bleiben."

Germanwings und ihre Konzernmutter Lufthansa müssen sich seit dem Absturz eine Menge unbequemer Fragen stellen lassen und sind auch offizieller Gegenstand der strafrechtlichen Untersuchungen durch französische Ermittlungsrichter.

Hätten die Vorgesetzten nicht um die psychischen Probleme Lubitz' wissen müssen, der seine Pilotenausbildung bei Lufthansa im Jahr 2009 wegen depressiver Störungen hatte unterbrechen müssen?

Nach dem Härtetest vor der Aufnahme an der Bremer Verkehrsfliegerschule werden Lufthansa-Piloten so gut wie gar nicht mehr auf ihre psychische Stabilität überprüft.

Während die körperliche Fitness regelmäßig untersucht wird, spielt die Psyche in den Gesprächen mit den Fliegerärzten nur noch eine Nebenrolle.

Die Europäische Kommission bemängelt zudem schon seit Längerem, dass in Deutschland Daten über mögliche Erkrankungen von Piloten nur in verschlüsselter Form an das Luftfahrtbundesamt weitergeleitet werden und nicht mit den Klarnamen der Piloten. Auch gebe es in anderen Ländern strengere Medizin-Checks.

Als Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe fordert die französische Untersuchungsbehörde BEA routinemäßige Überprüfungen bei Piloten-Ausfällen sowie klare Regeln für die ärztliche Schweigepflicht.

Konkret hat sich bereits einiges geändert beim größten Luftverkehrskonzern Europas, der beispielsweise auf Konzernebene einen Chef-Sicherheitspiloten installiert hat.

Nach anfänglichem Zögern wurde auch das in den USA übliche Vier-Augen-Prinzip für das Cockpit übernommen: Inzwischen muss ein Flugbegleiter ins Cockpit kommen, bevor einer der Piloten es verlassen darf. An der Technik der Türen, die ein Öffnen gegen den Willen des Piloten effektiv verhindern, wird festgehalten.

Lufthansa hat, ihrem Krisenhandbuch folgend, finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer gezahlt und weitere 25.000 angeboten.

Die Fluggesellschaft weist allerdings jede Mitverantwortung im Fall Lubitz von sich. Möglich, dass der Konzern damit verhindern will, in den jetzt anstehenden Schmerzensgeldprozessen juristisch schlecht dazustehen.

Anwälte aus Deutschland, Spanien und den USA verhandeln über die Zahlungen. Experten rechnen am Ende mit durchschnittlich siebenstelligen Summen für jede betroffene Familie.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Lufthansa - und auch alle anderen Airlines - die flugmedizinischen Verfahren bereits selbst gründlich überprüft und ohne viel Aufsehen verändert haben. (sba/dsi)

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