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Berlin Alexanderplatz: Ein Mythos wird wiederbelebt

 
Berlin Alexanderplatz: Ein Mythos wird wiederbelebt

Es gibt Hoffnung für den Berliner Alexanderplatz.

Noch pfeift ein scharfer Wind um die Kaufhäuser, die vielen Baustellen stören, doch noch in diesem Jahr könnte der große zentrale Platz im Ostteil der Hauptstadt ...

... sein Schmuddel-Image abstreifen.

Im Sommer 2007 soll der "Alex" wieder etwas an den Mythos vergangener Tage anknüpfen. Seit 2004 haben private Investoren und der Senat mehr als 700 Millionen Euro investiert.

Noch prägen Kräne den Himmel über dem Platz.

Doch viele der Baumaschinen des vergangenen Sommers haben den Alexanderplatz wieder verlassen. Die neuen U-Bahneingänge sind bereits fertig.

Der Berliner Stadtsoziologe Hartmut Häußermann sieht nach den Millionen-Investitionen der vergangenen Jahre Zukunft für den Alex: "Der Platz hat ein großes Potenzial. Für Berliner und für Touristen."

Häußermann, Professor an der nahen Humboldt-Universität, sieht in seiner Fantasie bereits Cafétische auf dem Platz stehen. Er stellt sich Sportler, Spaziergänger oder Einkäufer dort vor ...

... - und junge Leute, die sich wie früher an der Weltzeituhr treffen.

Und doch ist der hübschere Alexanderplatz vielleicht auch nur ein Provisorium. Denn bis 2013 könnten rund um den Platz Hochhäuser entstehen. Doch dieses "Manhattan" soll nur gebaut werden, wenn sich das für die Investoren wirtschaftlich trägt.

Und das kann dauern - bei der wirtschaftlichen Struktur der deutschen Hauptstadt.

Doch der Alex soll wieder ein Ort zum Verweilen werden, wie zum Beispiel 1887, als es noch einen Wochenmarkt auf dem Platz gab.

1903 sah der Platz dann so aus.

Und 1930 so.

1945 lag auch der Alexanderplatz in Trümmern.

1959 war zwar ein Teil der zerstörten Gebäude wiederhergestellt, doch der Vorzeigeplatz in der damaligen DDR-Hauptstadt sah noch etwas trist aus.

Später wurde der Platz bunter und lebendiger. Der "Brunnen der Völkerfreundschaft", 1970 im Zuge der Neugestaltung des Alexanderplatzes aufgestellt, wurde wegen der zu DDR-Zeiten vor dem Interhotel auf Devisen-Freier wartenden käuflichen Mädchen im Volksmund "Nuttenbrosche" genannt.

Die ehemalige Grenze zum Westteil der Stadt verläuft nicht allzu weit vom Alex entfernt. Über die Jannowitzbrücke, die hier die Spree überquert, sind es bis zum ehemaligen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße nur zehn Minuten zu Fuß (Foto von 1962).

1990 fiel auch hier die berühmt-berüchtigte "Mauer" ...

... wie auch an Berlins bekanntestem Wahrzeichen, dem Brandenburger Tor. Auch das ist nicht allzu weit vom Alex entfernt. Auf geradem Weg, immer "Unter den Linden" entlang, kommt man vom Alex direkt zum Brandenburger Tor.

Der Alexanderplatz ist eng verbunden mit Berlins wechselvoller Geschichte. In seinen 200 Jahren erlebte er drei Revolutionen: Die Märzrevolution von 1848, ...

... die Novemberrevolution 1918/19, und ...

... am 4. November 1989 wehte auch über den Alexanderplatz der Wind des Wandels.

Am 1. Juli 1990, als die D-Mark den Osten erreichte, öffnete eine Bank auf dem Alexanderplatz als einzige bereits um Mitternacht ihre Pforten.

Von Anbeginn siedelten Behörden, Ministerien und Unternehmen sich rings um den Platz an.

Weithin sichtbar ist der Berliner Fernsehturm. Das mit 368 Metern höchste Bauwerk Deutschlands begrenzt den Alex auf der westlichen Seite. In der Kugel befinden sich eine Aussichtsplattform und ein Restaurant. Ihm gegenüber steht auf der Ostseite das Park Inn Hotel, das zu DDR-Zeiten "Hotel Stadt Berlin" hieß.

Hier befindet sich Berlins mit 153 Metern höchstgelegene Sonnenterrasse, die einen atemberaubenden Blick über die Stadt bietet.

Ebenfalls in luftiger Höhe, nämlich 127 Meter hoch, hat im Hotel das Casino Berlin sein Domizil gefunden.

Zurück auf dem Boden, hält der Alex eine weitere Sehenswürdigkeit bereit: die Weltzeituhr. Der Metallbauer Hans-Joachim Kunsch hat vor über 35 Jahren das Äußere nach einem Entwurf eines Industriedesigners gefertigt. 1997 wurde die "Rendezvous"-Uhr generalüberholt.

Der Alex soll wieder ein Platz zum Verweilen werden. Nach der Wende roch es am Alex schnell nach Bratwurst und Chinapfanne. Billigbuden standen schief auf provisorischen Teerstreifen, am Brunnen saßen Punks mit ihren Hunden oder Trinker mit ihren Flaschen.

Der Platz hatte das Flair seiner Vergangenheit, die der Maler Heinrich Zille oder der Schriftsteller und Arzt Alfred Döblin meisterhaft einfingen, verloren. 1980 verfilmte Rainer Werner Fassbinder Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz".

Im ehemaligen Palast der Republik inszenierte Frank Castorf 2005 das Theaterstück "Berlin Alexanderplatz" nach dem 1929 erschienenen Döblin-Roman, ...

... während der Abriss des "Palastes des Volkes" voranschreitet.

Vom Alex ist es nur ein Katzensprung bis zu diesem Platz, der heute Schlossplatz heißt, weil dort das Berliner Schloss der preußischen Könige und deutschen Kaiser stand.

Vor der Wende hieß er Marx-Engels-Platz. Marx und Engels stehen noch.

Von "Erichs Lampenladen", wie die Berliner das Bauwerk wegen seiner vielen Lampen im Inneren nannten, steht heute allerdings nur noch ein Gerippe.

Das Haus war asbestbelastet. Ob das der einzige "belastende" Grund war, sei dahingestellt, tagte dort doch auch die Volkskammer der DDR. Allerdings war der Palast mit seinen Restaurants und Konzertsälen auch Besuchermagnet.

Verlässt man den Alex in Richtung Nordosten, kommt man ...

... in das Szene-Viertel Prenzlauer Berg.

Richtung Südosten nimmt vom Alex die einstige Prachtstraße der DDR, die Karl-Marx-Allee, ihren Anfang.

Früher hieß sie Stalin-Allee. Ihre "Zuckerbäcker"-Bauten stehen unter Denkmalschutz.

Gebäude aus DDR-Zeiten am Alex wie das Haus des Lehrers mit dem Womacka-Mosaik oder die kleine Kongresshalle sind liebevoll saniert worden.

Der gesamte Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz. In der Kongresshalle ...

... ist seit 2003 das Berliner Congress Center (BCC) beheimatet.

Berlin ist eine weltoffene Stadt. Das sieht man auch auf dem Alex, ...

... auf dem es mitunter Umarmungen auch kostenlos gibt ...

... oder Brandenburger Ritter ihr Anliegen kundtun.

Natürlich war auch das Olympische Feuer schon hier.

Mitunter verkleidet sich sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, um auf dem Alex Berlins Gastfreundschaft zu demonstrieren.

Apropos Demonstrationen: Der Alex ist bei Demonstranten aller Coleur sehr beliebt.

Ob es für Hanf ist ...

... oder für mehr Toleranz von Nicht-Hundebesitzern gegenüber den vierbeinigen Berlinern, ...

... die leider zu oft auf Berlins Gehwegen etwas fallen lassen.

Demonstriert wird auf dem Alexanderplatz mal für mehr Arbeit, ...

... für mehr Herz und weniger Hartz, ...

... mal gegen den Irak-Krieg ...

... oder für Frieden im Nahen Osten, ...

... mal für unser aller Klima.

Es demonstrieren Linke ...

... und leider ...

... auch Rechte auf dem Alex.

Gegen braune Gesinnung ziehen die Berliner vereint auf den Platz.

Der zentrale Platz im Herzen der Stadt ist natürlich auch Verkehrsknotenpunkt. Mehr als 120.000 Menschen steigen hier täglich ein oder um.

Der S-Bahnhof Alexanderplatz präsentiert sich inzwischen umgebaut und neu gestaltet. Nun halten hier außer den S-Bahnen auch wieder Regionalzüge und u.a. die U-Bahn-Linie 8, die vor der Wende den Osten nur hinter zugemauerten Eingängen unterquerte.

Seit den 1960er Jahren ist der gesamte Platz den Fußgängern vorbehalten. Täglich besuchen ihn mehr als 300.000 Menschen.

Erst seit den Jahren nach der Wende wird der Alex wieder von Straßenbahnen befahren. Der Autoverkehr wird nach wie vor über mehrspurige Straßen um den Platz herumgeführt.

2007 wird eine zweite Straßenbahn-Trasse über den Alex führen.

Auch unterirdisch ist immer etwas los "auf" dem Alex. Kunstinstallationen, ...

... manchmal auch Modeschauen, erfreuen die Fahrgäste der U-Bahnlinie 2.

1940, nachdem die ersten Kriegsbomben auf die Stadt fielen, wurden in Berlin über 500 Bunker gebaut, auch unter dem Alexanderplatz. Es gibt Pläne, sie zu Tiefgaragen umzubauen und so das leidige Parkplatzproblem am Alex zu lösen.

Wasser gibt's oberirdisch nicht nur direkt auf dem Alex aus der zuvor schon erwähnten "Nuttenbrosche", sondern auch ...

... hinter dem S-Bahnhof am Fuße des Fernsehturms aus dem "Neptunbrunnen".

Wo Wasser ist, ist auch Strand: Zwar nur aufgeschüttet, aber die Beach-Volleyballer stören sich nicht daran.

Gute Figur machen auch die hellen Fassaden auf dem Alex.

Nach den Wende musste das Kaufhaus mit dem Charme des alten Centrum-Warenhauses vorlieb nehmen.

Jetzt mausert sich der außen und innen völlig neu gestaltete Kaufhof zum "KaDeO" als Pendant zum "KaDeWe" auf dem Ku'damm.

Der Wandel des Platzes, der vor 200 Jahren nach dem russischen Zaren Alexander benannt worden war, ist überall zu spüren.

Im Plattenbau residiert mit dem "Weekend" ein Szeneclub für die Nacht. Noch im Bau ist das Einkaufszentrum "Alexa" mit 180 Läden und 17 Restaurants, das im Sommer öffnen will.

Obendrein will ein spanischer Investor das DDR-Gesundheitsministerium nahe dem Roten Rathaus abreißen lassen und in den kommenden Jahren ein modernes 1000-Zimmer-Hotel errichten. Es wäre neben dem gut gebuchten Park Inn das zweite Hotel auf dem Alex.

Der Alexanderplatz gilt heute als der mit Abstand monumentalste innerstädtische Platz in Deutschland. (Fotos: AP, dpa, Senat, Wikipedia)

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