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Montag, 07. August 2017

Blumen, Südsee und Nazis: Emil Nolde badet in Farben

Von Katja Sembritzki

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Er ist der Maler, der mit knalligen Farben zauberte, … (Foto: picture alliance / dpa)

Er ist der Maler, der mit knalligen Farben zauberte, …

Er ist der Maler, der mit knalligen Farben zauberte, …

… der als einer der großen Aquarellisten in die Kunstgeschichte eingegangen ist, …

… der unzählige Blumen auf Leinwand bannte ...

… und der vergeblich versuchte, mit den Nazis anzubandeln: Vor 150 Jahren, am 7. August 1867, wurde Emil Nolde als Hans Emil Hansen in Schleswig-Holstein nahe der Grenze zu Dänemark geboren. Später benannte er sich nach seinem Heimatort in Nolde um.

Schon als Kind wollte der Sohn eines Landwirts Maler werden. (im Bild: "Begegnung am Strand", 1920)

Erst einmal aber ließ er sich mit 17 Jahren in Flensburg zum Schnitzer und Zeichner ausbilden und arbeitete anschließend in verschiedenen Möbelfabriken.

Als ihn sein Beruf nach St. Gallen führte, wo er als Lehrer am Gewerbemuseum tätig war, eröffnete sich ihm ein Weg, um endlich als freier Künstler leben zu können: … ("Verspottung", 1909)

… Er fertigte Zeichnungen der Schweizer Berge an, denen er teils groteske Gesichter verpasste, und ließ sie in hoher Auflage als Postkarten drucken. Damit war er finanziell unabhängig. (im Bild: Hut und Pfeife von Nolde)

Zusammen mit seiner Frau, der dänischen Schauspielerin Ada Vilstrup, ... (im Bild: "Probst Vilstrup und Frau N", 1902)

... reiste Nolde 1913/1914 als nicht-offizielles Mitglied der "Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition" des Reichskolonialamtes in die Südsee. ("Urwaldtiere", 1921)

Wie so viele andere Künstler seiner Generation, zum Beispiel Paul Gauguin, wollte er dort den Ursprüngen der Menschheit auf die Spur kommen. ("Neu-Guinea-Frauen" (l) und "Neu-Guinea-Wilde", 1915)

Künstlerisch war die Reise nach Neuguinea ein Erfolg: Nolde fertigte Hunderte Aquarelle und Pastellzeichnungen an, auf denen er indigene Frauen und Männer sowie farbensatte Strandimpressionen festhielt.

Von besonderer Bedeutung in Noldes Werk sind seine religiösen Gemälde. ("Jesus und die Sünderin", 1926)

Der Maler selbst bezeichnete sie als den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. ("Abendmahl", 1909)

Sehr weltliche Themen schuf er in Berlin, ... ("Junges Paar", 1913)

... wo Nolde und seine Ada eine zeitlang nach Sommern auf der dänischen Insel Alsen die Wintermonate verbrachten. (Gedenktafel am Wohnhaus in der Bayernalle 11 in Berlin-Westend)

Dort malte er Szenen aus dem Nachtleben und dem Theater sowie "Maskenstillleben" (1909).

Während eines Aufenthalts in Hamburg entdeckte Nolde die faszinierende Welt der Seefahrt ... ("Schiff im Dock", 1910)

... und hielt Impressionen vom Treiben im Hafen und auf den Werften fest. (Tuschpinselzeichnungen)

Aber es ist vor allem die karge Marschlandschaft zwischen Nord- und Ostsee, die zu einem seiner bevorzugten Motive wurde. ("Seeweib", 1924)

1926 erwarb das Ehepaar die Warft Seebüll an der dänischen Grenze. Bis 1937 ließ Nolde dort nach eigenen Entwürfen ein Wohnhaus sowie ein Atelier errichten.

Seit 1957 ist es das Zentrum der "Nolde Stiftung Seebüll" und zieht Fans des Malers aus aller Welt an.

Zum Anwesen gehört ein Bauerngarten, dessen Wege in Form der Initialen E(mil) und A(da) verlaufen.

Dort, in einem zur Gruft umgebauten Erdschutzbunker, liegen die Eheleute begraben.

Außerdem steht ein reetgedecktes Häuschen, genannt "Seebüllchen", inmitten des prachtvoll angelegten Areals. Auch hier fand Nolde wohl Inspiration …

… für seine Blumenbilder, die in allen nur erdenklichen Farben leuchten.

Nach dem Blumenliebhaber ist sogar eine Rosensorte benannt.

Bei all dem überwältigenden Farbenrausch ist lange Zeit verdrängt worden, welche Rolle Nolde im Nationalsozialismus spielte. ("Blumengarten (Ringelblumen)", 1919)

Etliche antisemitische Äußerungen sind von ihm überliefert. 1934 unterschrieb er den sogenannten "Aufruf der Kunstschaffenden", in dem er sich mit anderen Unterzeichnern (darunter der Dirigent Wilhelm Furtwängler) zu Adolf Hitler bekannte.

Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der schleswig-holsteinischen NSDAP.

Umso überraschter war Nolde, als seine Bilder 1937 in der Propaganda-Schau "Entartete Kunst" zu sehen waren. (Joseph Goebbels bei einem Besuch der Ausstellung, links zwei Gemälde von Nolde: "Christus und die Sünderin", darunter "Die klugen und die törichten Jungfrauen".)

Sein Werk "Das Leben Christi" (1910/11) bildete den Mittelpunkt der Ausstellung.

Trotz eines neuerlichen Bekenntnisses zum Nationalsozialismus wurde er verfemt. Über 1000 seiner Werke wurde beschlagnahmt, zerstört oder verkauft, er selbst mit einem Berufsverbot belegt. ("Wasserrosen", 1917)

Eine Überwachung des "Malverbots", die Siegfried Lenz anhand der an Nolde angelehnten Figur des Malers Max Ludwig Nansen in seinem Roman "Die Deutschstunde" beschreibt, ist nicht bekannt.

Während der Zeit des Berufsverbots fertigte Nolde heimlich über 1300 kleinformatige Aquarelle an, die er bei sich zu Hause oder bei Freunden versteckte.

Erst nach seinem Tod 1956 wurden die sogenannten "ungemalten Bilder" öffentlich.

Warum Nolde trotz der Schikanen bis zum Schluss mit den Nazis sympathisierte, bleibt ein Rätsel. Auch später hat er sich dazu nicht geäußert. ("Grablegung", 1915)

Und so lebt der Mythos Nolde mit einer starken Widersprüchlichkeit: Auf der einen Seite der großartige, in Farben badende Expressionist, ... ("Maimorgen", 1925)

... auf der anderen Seite einer von Millionen Deutschen, die den Nationalsozialismus begrüßten. (mit dpa)

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