"Entartete Kunst" nannten die Nazis Werke der bildenden Kunst, die ihnen "undeutsch" erschienen. "Entartet" ist dabei praktisch identisch mit "modern".Bild 1 von 37 Im Visier der Nazis waren Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, Kubismus und Fauvismus.Bild 2 von 37 Die Verfolgung "undeutscher" Künstler beginnt in Thüringen. Schon 1930 veröffentlicht der dortige Volksbildungsminister Wilhelm Frick - der erste Nazi, der Minister wurde, auf dem Bild links neben Hitler - einen Erlass "Wider die Negerkultur, für deutsches Volkstum".Bild 3 von 37 Im Weimarer Schlossmuseum werden Werke von Ernst Barlach, Charles Crodel, Otto Dix, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff (Bild) und anderen abgehängt.Bild 4 von 37 Nach der Machtergreifung verhängen die Nazis Berufsverbote für moderne Künstler. Museumsmitarbeiter, die für den Ankauf von moderner Kunst verantwortlich sind, werden entlassen.Bild 5 von 37 1936 wird die Neue Abteilung der Berliner Nationalgalerie im Kronprinzenpalais Unter den Linden geschlossen.Bild 6 von 37 Im folgenden Jahr wird Reichskunstkammerpräsident Adolf Ziegler - hier ein Akt von ihm - ermächtigt, alle "Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und der Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen".Bild 7 von 37 Ziegler beginnt mit der "Säuberung" der deutschen Kunstsammlungen. Für eine Propagandaschau lässt er 650 Kunstwerke konfiszieren. Am 19. Juli 1937 wird in den Münchner Hofgarten-Arkaden die Ausstellung "Entartete Kunst" eröffnet. In einem Flugblatt heißt es, ...Bild 8 von 37 ... die Ausstellung zeige Bilder "geisteskranke(r) Nichtskönner", die "von Judencliquen preisgekrönt" worden seien und für "gewissenlos Millionenbeträge deutschen Volksvermögens" verschleudert worden seien. (Bild: "Der Strand" von Max Beckmann)Bild 9 von 37 Die 650 Kunstwerke der Ausstellung sind nicht die einzigen, die Ziegler beschlagnahmen lässt. 16.000 Werke moderner Kunst (darunter zwei dieser drei Munch-Bilder) werden ins Ausland verkauft oder zerstört.Bild 10 von 37 Parallel zur Ausstellung "Entartete Kunst" wird in München eine "Große Deutsche Kunstausstellung" gezeigt. Hier feiern die Nazis ihren eigenen Kunstbegriff. ("Die vier Elemente" von Adolf Ziegler)Bild 11 von 37 Die Ausstellung "Entartete Kunst" versammelt praktisch die gesamte klassische Moderne: Max Beckmann ("Kreuzabnahme", 1917)Bild 12 von 37 Marc Chagall ("Die Prise", 1912)Bild 13 von 37 Lovis Corinth ("Ecce Homo", 1925)Bild 14 von 37 Otto Dix ("Bildnis des Malers Franz Radziwill", 1928)Bild 15 von 37 Lyonel Feininger ("Hopfgarten", 1920)Bild 16 von 37 George Grosz ("Maul halten und weiter dienen", 1927)Bild 17 von 37 Wassily Kandinsky ("Improvisation Nr. 10", 1910)Bild 18 von 37 Hanns Katz ("Männliches Bildnis", 1919/29)Bild 19 von 37 Ernst Ludwig Kirchner ("Selbstbildnis als Soldat", 1915)Bild 20 von 37 Paul Klee ("Der Angler", 1921)Bild 21 von 37 Oskar Kokoschka ("Die Windsbraut", 1913)Bild 22 von 37 Otto Mueller ("Zwei Mädchen im Grünen")Bild 23 von 37 Emil Nolde ("Kreuzigung", 1912)Bild 24 von 37 Max Pechstein ("Vater unser, der du bist im Himmel", 1921)Bild 25 von 37 Christian Rohlfs ("Elias wird vom Raben gespeist", 1921)Bild 26 von 37 Oskar Schlemmer ("Frauentreppe", 1925)Bild 27 von 37 Karl Schmidt-Rottluff ("Emybildnis", 1919)Bild 28 von 37 Von Franz Marc werden insgesamt fünf Bilder gezeigt. "Der Turm der blauen Pferde" (1913/14) wird nach einer Intervention des "Deutschen Offiziersbundes" aus der Schau entfernt - Marc war 1916 bei der Schlacht bei Verdun gefallen. Das Bild ist heute verschollen.Bild 29 von 37 Eine Diffamierungsstrategie der Ausstellung ist es, Zeichnungen von geistig Behinderten neben die Werke der "entarteten Kunst" zu hängen. Porträtbilder werden neben Fotos von entstellten Behinderten platziert.Bild 30 von 37 "Für die Künstler waren die Ausstellung, die Beschlagnahme ihrer Bilder und vor allem auch die Malverbote natürlich verheerend", sagt Meike Hoffmann von der Forschungsstelle "Entartete Kunst" der FU Berlin gegenüber n-tv.de.Bild 31 von 37 So habe die Diffamierung den sich ohnehin verkannt fühlenden Ernst Ludwig Kirchner in eine Lebenskrise getrieben, die 1938 zu seinem Selbstmord führte.Bild 32 von 37 "Zugleich hat gerade der Verkauf der Bilder ins Ausland dazu beigetragen, dass einige Künstler der klassischen Moderne international bekannt wurden", so Hoffmann. Klee hatte zwischen 1937 und 1940 zehn Ausstellungen in den USA.Bild 33 von 37 Die von Propagandaminister Goebbels initiierte Schau wanderte vier Jahre lang durch das Reich und lockte mehr als drei Millionen Besucher an. Warum gingen all diese Leute in die Ausstellung? War es die von den Nazis bezweckte Lust am Grusel oder Interesse an der Kunst?Bild 34 von 37 "Sowohl als auch", sagt Hoffmann. Bernhard Sprengel, dessen Sammlung den Grundstock des Sprengel-Museums in Hannover bildete, sei durch die Ausstellung erst auf die Idee gekommen, Werke der klassischen Moderne zu sammeln.Bild 35 von 37 Auch in zeitgenössischen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen gebe es klare Hinweise, dass viele Besucher als Kunstfreunde in die Ausstellung kamen.Bild 36 von 37 Emil Nolde (hier: "Mulattin", 1913) versuchte übrigens vergeblich, seine Bilder aus der Ausstellung nehmen zu lassen. Er war Mitglied der NSDAP und hielt seine Kunst für "germanisch". 1941 erteilten die Nazis auch ihm ein Malverbot.Bild 37 von 37