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Freitag, 14. Oktober 2016

Rätsel um Böhnhardt-DNA : Fall Peggy - ein weiterer NSU-Mord?

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Am 7. Mai 2001 wird Peggy aus dem bayerischen Lichtenberg zum letzten Mal auf dem Heimweg von der Schule gesehen. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Am 7. Mai 2001 wird Peggy aus dem bayerischen Lichtenberg zum letzten Mal auf dem Heimweg von der Schule gesehen.

Am 7. Mai 2001 wird Peggy aus dem bayerischen Lichtenberg zum letzten Mal auf dem Heimweg von der Schule gesehen.

Hundertschaften durchstöbern auf der Suche nach Peggy die Gegend um die oberfränkische Kleinstadt. Wälder, ...

... Höhlen und ...

... Flüsse werden durchsucht, sämtliche Mülltonnen in der Gemeinde geleert.

Sogar Tornados von der Bundeswehr sind im Einsatz.

Doch von Peggy fehlt jede Spur.

Auch die Schultasche des Mädchens bleibt verschwunden.

Alle Spuren erweisen sich als falsch. Knapp zwei Monate nach dem Verschinden der Neunjährigen wird der Lebensgefährte von Peggys Mutter festgenommen. Doch der Mann kommt noch am selben Tag wieder auf freien Fuß.

Im September 2001 gerät der geistig behinderte Ulvi K. in dringenden Tatverdacht. Er gibt zu, mehrere Kinder in seinem Heimatort Lichtenberg sexuell missbraucht zu haben.

Später gesteht er auch den Mord an Peggy und wird im April 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Peggys Mutter lässt für ihre Tochter ein Grab auf dem Friedhof in Nordhalben (Lkr. Kronach) anlegen. Ihre Leiche bleibt verschwunden.

Im September 2010 widerruft ein Belastungszeuge seine Aussage. Der Mitpatient von Ulvi K. im Bezirkskrankenhaus Bayreuth hatte behauptet, er habe ihm den Mord gestanden. Nun sagt er: Die Polizei habe ihn damals zu der Aussage gedrängt und ihm seine Entlassung versprochen.

Im April 2013 durchsuchen Ermittler das Grundstück eines ehemaligen Verdächtigen. Sie beschlagnahmen Computer und Akten. Die Polizei hat offenbar mehrere Hinweise, dass Peggy auf seinem Grundstück vergraben sein soll.

Noch am Abend rollt ein Bagger an. Sie stoßen auf ein paar Knöchelchen, doch die stammen vermutlich von einem alten Friedhof, nicht von Peggy.

Im Dezember 2013 ordnet das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Falls an.

Im Januar 2014 gehen die Ermittler neuen Hinweisen auf Peggys Verbleib nach. Sie öffnen das Grab einer 81-jährigen Frau auf dem Lichtenberger Friedhof.

Die Ermittler hatten Hinweise erhalten, dass Peggys Leiche darin versteckt sein könnte. Die Frau war nur zwei Tage nach dem Verschwinden des Mädchens beerdigt worden. Doch auch hier finden sie keine Spur von Peggy.

Nach 14 Jahren wird Ulvi K. am 31. Juli 2015 aus der Psychiatrie entlassen.

Im Juli 2016 findet ein Pilzsammler im Unterholz in einem Wald im thüringischen Landkreis Saale-Orla-Kreis Skelettreste. Schnell steht fest: Es handelt sich um die Leiche von Peggy.

Der Fundort liegt nur 15 Kilometer von Peggys Heimat Lichtenberg entfernt.

Für die Ermittler ein starkes Indiz dafür, dass der Täter den Wald bei Rodacherbrunn kannte und im näheren Umfeld von Peggy zu suchen sei. Bei Nachbarn, Verwandten oder Freunden aus der Umgebung.

Seit dem Nachmittag des 13. Oktobers 2016 scheint diese These zu wanken.

Auf einem kleinen Stoffetzen, der in der Nähe von Peggys Leiche gefunden wurde, entdecken Kriminaltechniker die DNA des ...

... mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Der Stoff könnte von einer Decke stammen, heißt es. Er lag offenbar in der Nähe von Peggys Knochen, aber nicht direkt an der Leiche.

Wie kommt die DNA von Böhnhardt auf ein Stück Stoff, das in der Nähe von Peggys Leiche am Waldboden lag? Vielleicht erst im Labor in der Rechtsmedizin Jena?

Oder war Böhnhardt der Täter? Könnte der Neonazi nicht nur neun ausländische Kleinunternehmer und die Heilbronner Polizistin Michele Kiesewetter ermordet haben, sondern tatsächlich auch ein neunjähriges Mädchen?

Für die Soko Peggy bedeutet der spektakuläre DNA Fund, dass sie nun Zeugenaussagen prüfen müssen, die vor vielen Jahren überhaupt nicht ernst genommen und schließlich als zu vernachlässigen abgeheftet wurden.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth, die den Fall Peggy seit einigen Jahren wieder untersucht, versichert, sie werde erneut in alle Richtungen ermitteln.

Und auch im NSU-Prozess könnte die neue Spur Folgen haben. Dort ist die mutmaßliche Böhnhardt-Komplizin Beate Zschäpe die Hauptangeklagte.

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