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Panorama

März 2007: Fotos sagen oft mehr als Worte

 
Es gibt Bilder, die jeder kennt: ...

Es gibt Bilder, die jeder kennt: ...

... Das vietnamesische Mädchen Kim Phuc, ...

... das nach einem Napalmangriff 1972 nackt aus seinem Dorf rennt.

Das Foto von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der vor dem Mannesmann-Prozess 2004 die Hand zum Siegeszeichen hebt.

Die Fernsehaufnahmen von den einstürzenden Türmen des World Trade Center am 11. September 2001.

Gemeinsam haben solche Bilder, dass sie mehr sagen als viele Worte.

Dass sie sich eingebrannt haben in unser Gedächtnis und vielfältige Inhalte wachrufen.

Und dass kaum jemandem bewusst ist, wie sie entstanden sind und wie sie wirken.

Erschütternd sind diese Bilder vor allem deshalb, weil sie beim Betrachter die Reaktion des "Es-ist-so-gewesen" erzeugen, wie es der französische Philosoph Roland Barthes ausdrückt.

Dieses "Es-ist-so-gewesen" entsteht durch die Beziehung zwischen dem Foto und dem Objekt, das es darstellt. So wie es auch keinen Rauch ohne Feuer gibt, gibt es auch kein Foto, ohne dass die Situation wirklich stattgefunden hat.

Das ist der große Unterschied zur Malerei: Hier kann der Maler auf die Leinwand bringen, was nur in seinem Kopf und nicht in der Realität existiert.

Ganz anders beim Foto: Das Verhältnis zwischen Foto und Objekt ist kausaler Natur. Genau wie ein Handabdruck nicht ohne das Aufdrücken einer echten Hand entstehen kann, gibt es kein Foto, wenn nicht die Situation so da gewesen wäre. Genau hier liegt die Macht des Fotos.

Wegen der Macht von Foto und Fernsehen wird es nach Überzeugung von Experten immer wichtiger, die Entstehungsgeschichte von Bildern zu kennen. (Foto: Roberto Begnini bei seinem Oscar-Gewinn 1999 für "Das Leben ist schön")

Die Politik-Didaktikerin Anja Besand forderte bei einer Fachtagung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Wesseling bei Köln, im Umgang mit Bildern keine anderen Maßstäbe anzulegen als bei Texten: ... (Foto: Gwyneth Paltrow bei der selben Veranstaltung)

... "Auch hier brauchen wir die Quellen, und wir brauchen die Autoren." (Foto: Nicole Richie und Paris Hilton, mit der beliebtesten Foto-Geste, dem Victory-Zeichen).

"Wir müssen den Entstehungskontext eines Bildes befragen", fordert der Historiker Gerhard Paul. (Foto: Lord Snowdon fotografierte Lady Di 1984 mit Baby Henry)

Und Dietmar Schiller vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) weist darauf hin, dass es im Fernsehen die Bilder sind, die haften bleiben: "Sie haben einen Eigensinn, den man nicht unterschätzen darf."

Paul hat sich intensiv mit der Geschichte des Fotos von Kim Phuc aus dem Vietnamkrieg beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass es für ganz unterschiedliche Zwecke benutzt wurde. (Foto: Kim Phucs Eltern)

Bilder verdichteten Erinnerung, und sie könnten Erinnerung aktivieren, so Paul. (Foto: Kim Phuc mit Mann und Sohn)

"Aber was genau präzise sie abrufen, welche inhaltlichen Prozesse dabei ablaufen, das wissen wir überhaupt nicht."

Um Bilder verstehen zu können, müsse man die Quellen unter die Lupe nehmen - wer sie gemacht habe, wo und unter welchen Umständen.

Ebenso wichtig sei es, mit kunsthistorischen Methoden die Wirkung auf den Betrachter zu ergründen. (Foto: Yoko Ono hat John Lennons Brille aufgenommen, nachdem er 1980 vor dem Dakota-Building in New York umgebracht wurde.)

Ein Beispiel ist auch das Ackermann-Foto, das dpa-Fotograf Oliver Berg zu Beginn des Mannesmann-Prozesses schoss: ...

... Breit lächelnd hebt der Bank-Boss die rechte Hand und formt aus Zeige- und Mittelfinger ein V.

Alles, was Kritiker Ackermann vorwarfen, schien durch dieses Bild auf den Punkt gebracht - Siegesgewissheit, Arroganz, Machtbewusstsein.

Dabei sollte die Geste als eine Art ironisches Zitat gemeint sein: "Sie bezog sich auf den Prozess gegen Michael Jackson", erinnert sich Berg.

Der Popstar hatte kurz zuvor das Victory-Zeichen gemacht, als er zu spät zu seinem Verfahren kam, und Ackermann wollte wohl daran erinnern, als der Mannesmann-Prozess mit Verspätung begann.

Diese Details sind wichtig, um das Bild zu verstehen - daran, wie es auf uns wirkt und bis heute verstanden wird, hat sich aber auch durch große Erklärungsversuche wenig geändert.

Das gilt auch für das "World Press Photo" 2006. Das Bild von Spencer Platt zeigt junge Libanesen, die im offenen Cabrio durch einen von Bomben zerstörten Vorort Beiruts fahren.

Wie Kriegstouristen wirken sie, und das wird die erste Assoziation jedes Betrachters bleiben, der nicht weiß, dass die vier Frauen und der Mann nach der Flucht vor den Bombenangriffen an diesem Tag in ihren Heimatort zurückkehrten.

Hinzu kommt, dass Foto und Fernsehen nur scheinbar einen Augenblick objektiv festhalten. (Foto: Charles und Diana 1988)

"Bilder sind wie Texte - gestaltbar und modulierbar", sagt Besand. (Foto: Charles und Diana 1992)

Die Übergänge zwischen dem vorteilhaften Schminken ...

... und Ausleuchten ...

... einer Politikerin und dem Retuschieren des fertigen Fotos seien dabei fließend: ...

... "Der treue Bildglaube früherer Jahre ist stark erschüttert worden."

Fotografen und Kameraleute sollten sich deshalb als Autoren verstehen, die Rechenschaft abzulegen haben über den Kontext ihrer Werke.

Das diene nicht nur der korrekten Interpretation: ...

... "Als Autorinnen und Autoren von Bildern haben sie einen Ruf zu verlieren."

Und so werden Fotos uns weiterhin darüber informieren, ob einer sich freut, ...

... traurig ist, ...

... oder den Stab gern weiter gibt.

Fotos lassen uns rätseln: "Ist es vielleicht doch Liebe gewesen?"

"Was wäre gewesen, wenn?"

Fotos helfen uns, die Erinnerung wach zu halten. Sehr persönliche Erinnerungen, ...

... oder auch solche Erinnerungen, die späteren Generationen zeigen, ...

... was nicht wieder passieren darf.

Sie erzählen von den schrecklichen Momenten im Leben, ...

... sie zeigen, dass Menschen sich schon immer in Gefahr begeben haben ...

... und sie erzählen von den schönsten Momenten im Leben.

Sehr individuell. (alle Fotos ap und dpa)

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