200. Jahrestag des Untergangs: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
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Jeder kennt das "Dritte Reich".Bild 1 von 63 Vielleicht auch noch das zweite Reich, das sich selbst Deutsches Reich nannte. Dieses begann mit der Ausrufung des preußischen Königs Wilhelm zum Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal vom Schloss zu Versailles.Bild 2 von 63 Es endete 1918 mit der Abdankung von Wilhelm II.Bild 3 von 63 Weniger bekannt ist jedoch das erste Reich, das fast 1.000 Jahre Bestand hatte. Zum 200. Mal jährte sich am 6. August 2006 ...Bild 4 von 63 ... das Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", wie es offiziell hieß. Es geht zurück auf den ostfränkischen König Otto I. (912-973) und endete 1806 mit der Niederlegung der Reichskrone durch Kaiser Franz II. auf Druck von Napoleon Bonaparte.Bild 5 von 63 Eigentlich fing alles mit Gaius Julius Caesar an. Er ließ sich im Jahre 46 v.Chr. zum "Diktator auf Lebenszeit" ernennen und besiegelte so das Ende der Republik. Von seinem Namen leitet sich die Begriffe "Kaiser" und "Zar" ab.Bild 6 von 63 Römischer "Kaiser" wurde erst Caesars Adoptivsohn Octavian. Unter dem Namen Augustus wurde er der erste römische Kaiser; "Caesar" war einer seiner Titel.Bild 7 von 63 Gut 300 Jahre später wurde Konstantin der erste christliche Kaiser der Antike. In den nachfolgenden Jahrhunderten zerfiel das antike römische Reich Stück für Stück.Bild 8 von 63 Am Weihnachtstag des Jahres 800 ließ sich Karl der Große in Rom vom Papst zum römischen Kaiser salben. Bereits Zeitgenossen sahen darin eine Erneuerung des alten römischen Reiches. Karl stammte aus einem Herrschaftsgeschlecht der Franken, den Karolingern.Bild 9 von 63 Das Riesenreich Karls erstreckte sich vom Atlantik bis zur Donau, von der Nordsee bis zum Tiber. Wie damals üblich reiste er von Pfalz zu Pfalz, um sein Land zu regieren. In den letzten 20 Jahren seines Lebens hielt er sich jedoch zunehmend ...Bild 10 von 63 ... in seiner Lieblingspfalz in Aachen auf, wo er auch begraben liegt. 843 teilten seine Enkel im "Vertrag von Verdun" ...Bild 11 von 63 ... das Reich unter sich auf. Die Einheit blieb aber weiter bestehen. Unbeabsichtigt wurde die zukünftige Landkarte Europas sichtbar: Lothar I. bekam das Mittelreich, Lothringen, und die Kaiserwürde, Karl der Kahle Westfranken und Ludwig II. ("der Deutsche") Ostfranken.Bild 12 von 63 Nach vielen Kriegen wählten schließlich alle Reichteile eigene Könige. 900 wurde Ludwig IV. ("das Kind", ein Ur-Urenkel Ludwigs II). erster ostfränkischer König. Es folgten 911 Konrad I. als erster Nicht-Nachfahre Karls des Großen und sieben Jahre später ...Bild 13 von 63 ... Heinrich I. vom Stamm der Sachsen. 936 ließ sich sein Sohn, Herzog Otto, zum ostfränkischen König wählen. Die Wahl fand in Aachen statt; Otto I. knüpfte damit an Karl den Großen an.Bild 14 von 63 Das Mittelreich wurde bald zwischen Ost- und Westfranken aufgeteilt (Karte des Reiches um 1000 n. Chr.). Im Osten entstand, zusammengesetzt aus verschiedenen eigenständigen Territorien, grob das, was später mal Deutschland heißen sollte.Bild 15 von 63 Als König Otto I., auch genannt "der Große", 955 die gefürchteten Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg schlug, ...Bild 16 von 63 ... rief Papst Johannes XII. den ostfränkischen König nach Rom. Der mächtige König sollte auch der Beschützer der Kirche sein.Bild 17 von 63 Bei seinem zweiten Romzug 962 wurde Otto I. zum Kaiser gekrönt. Auch Otto berief sich indirekt auf die römischen Kaiser. Seine Kaiserkrönung gilt als die Geburtsstunde des Alten Reiches.Bild 18 von 63 Otto betrachtete sich, ebenso wie seine Nachfolger, als Stellvertreter Gottes auf Erden. Bis 1024 stellten die Ottonen den König im Römischen Reich. Der Papst spielte immer ...Bild 19 von 63 ... eine besondere Rolle im Römischen Reich. Nur er durfte den Kaiser krönen. Umgekehrt konnte der Papst erst nach einem Treueid gegenüber dem Kaiser geweiht werden. Um seine Macht auszubauen, band Otto I. die Geistlichkeit in die Reichsverwaltung mit ein.Bild 20 von 63 Die Fürsten des Reiches waren zwar nicht souverän, aber im Grunde selbstständig. Sie hatten die Macht, den König zu wählen, wenn der alte starb. Die Erbmonarchie konnte sich im Reich nicht durchsetzen. Im Gegenteil: Die Fürsten achteten penibel darauf, ...Bild 21 von 63 ... dass kein Geschlecht zu mächtig wurde. Da ein Kaiser in Rom gekrönt werden musste, wurde die Sicherung des Wegs dorthin zur Daueraufgabe der Herrscher. Otto etwa führte mehrere Feldzüge, in denen er das (nord-) italienische Königreich unterwarf.Bild 22 von 63 Durch Heirat mit Theophanu, einer Nichte des byzantinischen Kaisers, sicherte Otto II. (955-983) die Beziehungen des Reiches mit Byzanz.Bild 23 von 63 Der letzte Ottone war der kinderlose Heinrich II., "der Heilige" (um 973-1024). Mit seiner Frau liegt er im Bamberger Dom begraben. Er festigte das Reich durch noch engere personelle und politische Verflechtungen mit der Kirche.Bild 24 von 63 Dennoch waren Konflikte programmiert. Im Investiturstreit (1075-1122) geriet die Vorstellung vom Kaiser als Schutzherr der Kirche ins Wanken. Dabei ging es darum, wer das Recht hatte, die Bischöfe einzusetzen: Papst oder Kaiser.Bild 25 von 63 Unter König Heinrich IV. (1050-1106) aus dem Geschlecht der Salier, die nach den Ottonen ab 1024 für gut 100 Jahre die Könige stellten, fand der Investiturstreit seinen Höhepunkt.Bild 26 von 63 Heinrich IV. war von Papst Georg VII. gebannt worden - ein handfester Skandal im christlichen Mittelalter. Auslöser war ein Streit um die Besetzung des erzbischöflichen Stuhls des Bistums Mailands.Bild 27 von 63 Die Fürsten des Reiches stellten Heinrich ein Ultimatum: Entweder er würde es schaffen, sich von seinem Bann zu lösen, oder sie würden einen neuen König wählen.Bild 28 von 63 Um seine Macht zu bewahren, musste Heinrich sich beugen und demütigte sich im legendären Gang nach Canossa.Bild 29 von 63 Der Streit wurde jedoch erst durch seinen Sohn, Heinrich V. (1086-1125), im Wormser Konkordat 1122 beigelegt. Der Kompromissfriede zerstörte das Reichskirchensystem Ottos I., da die Rechte des Königs bei der Einsetzung der Bischöfe stark eingeschränkt wurden.Bild 30 von 63 Auf die Salier folgte 1138 das Geschlecht der Staufer. Mit Kaiser Barbarossa I. (1122-1190) trat erstmals die Idee der Heiligkeit des Reiches auf, mit der die Stellung des Königs gegenüber der Kirche betont wurde. Künftig sprach man vom "Heiligen Römischen Reich".Bild 31 von 63 Barbarossa starb auf einem Kreuzzug. Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich VI. (1165-1197), der sich erst nach vielen innen- und außenpolitischen Streitigkeiten behaupten konnte. Er verfolgte eine großangelegte Territorialpolitik, die auf ein ...Bild 32 von 63 ... das gesamte Mittelmeer umspannendes Reich zielte. Nach Heinrichs frühem Tod brach das Stauferreich rasch zusammen. Der letzte Staufer war Kaiser Friedrich II., dessen Hof ein Zentrum für Kultur und Wissenschaft war.Bild 33 von 63 An seinem Hof weilte auch der berühmte Minnesänger Walther von der Vogelweide, dem Friedrich sogar ein Lehen schenkte. Er starb 1250.Bild 34 von 63 Danach folgte das so genanntes Interregnum, eine "kaiserlose Zeit". 1308 wurde Heinrich VII. aus dem Hause der Luxemburger zum König gewählt und schließlich auch zum Kaiser gekrönt.Bild 35 von 63 Berühmtester Kaiser des Spätmittelalters war jedoch Karl IV. (1316-1378), der fünf Sprachen fließend sprach: Neben Deutsch und Latein waren dies Tschechisch, Französisch und Italienisch.Bild 36 von 63 Er regierte, als in Europa die Pest ausbrach und ganze Landstriche entvölkerte. Die "Schuld" an der Pest wurde vielerorts den Juden gegeben, so auch in Frankfurt am Main und in Nürnberg, wo Karl ihnen den Schutz verweigerte. 1356 schuf Karl IV. ...Bild 37 von 63 ... mit der Goldenen Bulle die Reichsgrundgesetze, die bis zum Ende des Reiches ihre Gültigkeit hatten. Die Bulle regelte unter anderem das Verfahren bei der Königswahl und setzte die Anzahl und Namen der Kurfürsten fest. Nach dem Tod des letzten Luxemburgers 1437 ...Bild 38 von 63 ... begann der Aufstieg der Habsburger. Über die Jahrhunderte hinweg konnten sie eine Quasi-Erbmonarchie aufbauen. Bis 1806 stellten sie fast ausnahmslos die Könige und Kaiser. In die Frühzeit ihrer Herrschaft fällt der Übergang vom Spätmittelalter in die Frühe Neuzeit.Bild 39 von 63 Kaiser Maximilian I. (1459-1519) initiierte 1495 auf dem Reichstag zu Worms, auf dem der Reichstag zu einer festen Institution wurde, eine Reichsreform. Diese umfasste eine reichsweite Steuer, die Einführung des Gemeinen Pfennigs und einen Ewigen Landfrieden, der die ...Bild 40 von 63 ... herrschende Fehdepraxis eindämmen sollte. Der Landfrieden wurde auf Druck der Reichsstände veranlasst. Das waren die Personen, die Sitz und Stimme im Reichstag hatten, im Wesentlichen die weltlichen und geistlichen Fürsten und Vertreter der Freien Reichsstädte.Bild 41 von 63 Darüber hinaus wurden die Reichskreise neu gegründet und ein Reichskammergericht eingerichtet. Ein Nationalstaat wie Frankreich oder England wurde das Alte Reich jedoch nie. Es blieb ein ständisch geprägtes Gebilde mit nur wenigen reichsweiten Institutionen.Bild 42 von 63 Wohl im Zuge der Bedrohung durch die Osmanen definierte sich das Reich als "deutsch". Obwohl das Reich mehrsprachig war, wurde es seit dem Spätmittelalter als "teutsch" bezeichnet. Bis 1806 war "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" die offizielle Bezeichnung.Bild 43 von 63 Dank seiner neuen Besitzungen in Amerika konnte der Nachfolger Maxilimilians, Kaiser Karl V. (1500-1558), als erster Herrscher sagen, dass er ein Reich regiere, in dem die Sonne nie untergeht. Noch unter seiner Regentschaft wurde das Reich jedoch schwer erschüttert.Bild 44 von 63 Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther der Legende nach 95 Thesen ans Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg. Luther protestierte gegen die damals gängige Praxis des Ablasshandels der Kirche.Bild 45 von 63 Während andere Länder sich mehr oder weniger einheitlich für eine Konfession entschieden, musste das Reich auf regionale Lösungen setzen.Bild 46 von 63 Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 erhielten die Landesherren das Recht, die Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen. Der Kaiser blieb katholisch.Bild 47 von 63 Der Frieden hielt nicht lange. Ab 1588 war das Reichskammergericht nicht mehr handlungsfähig.Bild 48 von 63 1608 gründeten acht protestantische Fürsten und 17 Städte die Protestantische Union. 1609 folgte die Katholische Liga, die das Übergewicht des Katholizismus im Reich wahren wollte.Bild 49 von 63 Das Fass zum Überlaufen brachte der berühmte Prager Fenstersturz von 1618. Er markiert den Beginn des Aufstands der böhmischen Protestanten gegen die katholischen Habsburger und gilt als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges.Bild 50 von 63 Der Dreißigjährige Krieg war ein europäischer Krieg, der vor allem in Deutschland und den Niederlanden ausgetragen wurde. Beteiligt waren die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien, Frankreich, Dänemark und Schweden.Bild 51 von 63 1648 beendete der Westfälische Friede den Krieg. Die Konfessionen sollten von nun an gleichberechtigt sein. Die Niederlande und die Schweiz wurden von den anderen Mächten als unabhängige Staaten anerkannt. Im Reich wurde die Position des Kaisers ...Bild 52 von 63 ... weiter geschwächt. Dennoch gelang es Kaiser Leopold I. (1640-1705) sich erfolgreich gegen die Reunionspolitik des französischen Königs Ludwig XIV. zu stellen und die Osmanen zu bekämpfen.Bild 53 von 63 Der Aufstieg Brandenburg-Preußens zu einer Großmacht brachte kaum lösbare Konflikte in das Reich. Sowohl Preußen als auch Österreich lagen mit ihren Territorien zu großen Teilen außerhalb des Reichsgebiets (Bild: Reich um 1705).Bild 54 von 63 Die Auswirkungen waren verheerend für das Reich. Preußen wollte das Reich nicht stärken, die Habsburger setzten auf eine Politik, die sich auf Österreich und dessen Macht konzentrierte.Bild 55 von 63 In die Zeit der Aufklärung will das alte Reich nicht so recht passen: Zu stark widersprach die Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen der Reichsidee.Bild 56 von 63 Kaiser Joseph II. (1741-1790) versuchte sich an einer rechtlichen und politischen Reform - und scheiterte. Die letzte Tagung des Reichstags in Regensburg ...Bild 57 von 63 ... fand 1803 statt. Mit dem "Reichsdeputationshauptschluss" wurde hier praktisch die Selbstauflösung des Reiches beschlossen: Die geistlichen Fürstentümer wurden säkularisiert, die linksrheinischen Gebiete mussten an Frankreich abgetreten werden.Bild 58 von 63 Es war Napoleon, der dem Reich 1806 mit seinem anti-österreichischen Rheinbund, dem viele deutsche Mittelstaaten angehörten, endgültig den Todesstoß versetzte. Auch hier kam wieder Karl der Große ins Gespräch. Wie die deutschen Kaiser sah Napoleon sich ...Bild 59 von 63 ... als Nachfolger Karls und der römischen Caesaren. Nach dem Sieg der Franzosen in der Schlacht bei Austerlitz über Russen und Österreicher zerfiel das ohnehin labile Reich. Im Juli 1806 schließlich stellte Napoleon Kaiser Franz II. ein Ultimatum: Sollte er ...Bild 60 von 63 ... nicht abdanken, würden die Franzosen Österreich angreifen. Der Habsburger Franz II. legte die Kaiserwürde nieder. Das Reich existierte nicht mehr. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er das Erzherzogtum zum Kaisertum Österreich ausgerufen und sich selbst ...Bild 61 von 63 ... zum (österreichischen!) Kaiser Franz I. erklärt. Jahrzehnte, nachdem das Reich versunken war, erträumten sich die Deutschen einen Mythos, den es so nie gegeben hatte. Viele Zeitgenossen hatte der Untergang des Heiligen Römischen Reiches gar nicht interessiert.Bild 62 von 63 Als junger Rechtsanwalt beim Reichskammergericht in Wetzlar schrieb Johann Wolfgang Goethe, dass ein Streit der Bediensteten ihn "mehr in Leidenschaft versetzte als die Spaltung des Römischen Reiches".Bild 63 von 63
200. Jahrestag des UntergangsHeiliges Römisches Reich Deutscher Nation