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Montessori: "Hilf mir, es selbst zu tun"

 
Die Montessori-Weltgemeinschaft feiert den 100. Jahrestag einer Revolution in der Erziehung:

Die Montessori-Weltgemeinschaft feiert den 100. Jahrestag einer Revolution in der Erziehung:

In den ersten Januartagen des Jahres 2007 werden rund 1.500 Erzieherinnen, Erzieher und Montessori-Fans aus aller Welt nach Rom pilgern, um eine Bilanz ihrer 100-jährigen Methode zu ziehen.

Und um ein Jubiläum zu feiern: Am 6. Januar 1907 eröffnete Maria Montessori ihr erstes "Casa dei bambini" (Kinderhaus) im römischen Arbeiterviertel San Lorenzo.

Die 1870 bei Ancona geborene Maria Montessori war Ärztin und Pädagogin. Durch Studium und Beobachtung gewann sie Erkenntnisse über den kindlichen Selbsterziehungsprozess und schuf eine pädagogische Philosophie.

"Hilf mir, es selbst zu tun" war das Schlüsselwort der Italienerin. Es gilt noch heute für jede der weltweit 40.000 Montessori-Schulen.

Kern der Lehre ist, die natürliche Freude der Kinder am Lernen zu fördern und schwierige, abstrakte Zusammenhänge wie Mathematik kindgerecht zu gestalten und sinnlich "begreifbar" zu machen.

Hinzu kommt viel "Freiarbeit", in denen die Kleinen ohne das Korsett des Stundenplans selbst bestimmen können, womit sie sich beschäftigen.

Klingt wie ein Kinderparadies auf Erden und ein bisschen so, als hätten die Schüler sich das selbst ausgedacht: kein Leistungsdruck, keine Zensuren, keine Schulstunden im 45-Minuten-Takt. Und das Beste: Man darf stundenlang machen, was man will.

Aber schauen wir genauer hin. Die Montessorimethode wird oft als Philosophie beschrieben, die das Kind und seine Individualität in den Mittelpunkt stellt. Maria Montessori glaubte an den Eigenwert des Kindes.

Sie wollte eine Pädagogik, die auf den Gesetzen der menschlichen Natur begründet ist. Erziehung hieß für sie Verwirklichung von Freiheit. Um sie zu ermöglichen, haben Pädagogen ihrer Meinung nach für diese Voraussetzungen zu sorgen:

1. Die Kinder dürfen die Materialien, mit denen sie lernen wollen, frei wählen.

2. Die Kinder haben die Freiheit, beim Lernen mit anderen zusammenzuarbeiten.

3. Die Pädagogen müssen das Leben in der Gemeinschaft so gestalten, dass genügend freie Zeit bleibt, um sich auf Tätigkeiten konzentrieren zu können.

Deshalb werden Montessori-Erzieher dazu ausgebildet, sich selbst nicht ernster zu nehmen als die Kinder. Sie lernen, sich zurückzuhalten und den Kindern die Chance zu geben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Angestaubte Weisheiten wie "Messer, Gabel, Schere, Licht - sind für kleine Kinder nicht" sind außer Kraft gesetzt. Dreijährige dürfen experimentieren, sägen, Streichhölzer anzünden und ...

... nähen. Und wenn mal was schief geht, dann wird nicht geschimpft, aber ...

... auch nicht gelobt, wenn es besonders gut gelingt. Maria Montessori glaubte nämlich, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich sind für die innere Einstellung des Menschen - dass Kinder ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation lernen wollen.

Die Rolle der Erzieher besteht darin, den kindlichen Aktivitäten zu folgen und nicht, ihnen alles vorzukauen. Sie korrigieren auch nicht immer gleich. Will ein Kind mal länger spielen, dann stört das nicht.

Montessori-Verfechter wollen ihre Pädagogik aber nicht mit jener anti-autoritären Erziehung verglichen sehen, wie sie in den 70er Jahren von so manchem (miss-)verstanden wurde.

"Typisch Montessori" ist auch das Spielzeug, das hier "Material" heißt.

Maria Montessori bezeichnete es als "Schlüssel zur Welt".

Die Kinder sollen lernen, Fühlen und abstraktes Denken in Einklang zu bringen.

Die "Übungen des täglichen Lebens" sind ein fester Bestandteil bei Montessori: Da gibt es zum Beispiel spezielle mit Stoff bespannte Holzrahmen, an denen man das Schleifebinden ...

... oder Knöpfen üben kann, ohne dass Mami daneben steht und mit den Füßen scharrt.

Einen weiteren Schwerpunkt legte Maria Montessori auf Bewegung: "Das Kind kann nur aufpassen oder denken, wenn es sich bewegt."

Kein Kind wird gezwungen, sich mit etwas Bestimmtem zu beschäftigen. Abgesehen von gemeinsamen Aktivitäten wie dem Essen oder wie hier einem spontanen Lama-Besuch, gilt die "freie Wahl der Arbeit". Wenn man sie nur lässt, so der Ansatz von Montessori, kommen die Kinder irgendwann von selbst.

Montessori-Verfechter sind der Meinung, dass Kinder am besten in ihrem eigenen Rhythmus und auf ihre eigene Art lernen. Die Kinder werden also ermutigt, das Tempo, das Thema und die Wiederholung der Lektionen selbstständig zu steuern.

Kinder brauchen die Möglichkeit, Tätigkeiten so lange zu wiederholen, bis sie "sitzen". Für Kinder sind solche eintönigen Handlungen Schritte innerer Reifung, glaubte Maria Montessori.

Auch in den Montessori-Schulen ist "Freiarbeit" ein wichtiger Bestandteil. Hinzu kommt eine Zeit des Lernens in gebundenen Formen, genannt Fachunterricht.

Der gebundene Unterricht zu den Sachgebieten der Grundschule (Mathematik, Deutsch, Englisch, Sachunterricht, Kunst, Musik, Religion, Sport) korrespondiert mit den Lehrplänen des jeweiligen Landes.

Ein ganz wichtiger Faktor bei Montessori ist die Gestaltung der Lernumgebung. Diese wird bestimmt durch das Interesse des Kindes.

Da gibt es zum Beispiel Lernkarteien für den Lese- und Schreibunterricht, ...

... Perlenketten zum Verständnis des Dezimalsystems, ...

... Kugeln zum Zeitverständnis ...

... und Sandpapier-Buchstaben, mit denen die Form nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen erfasst werden kann - Umgebung und Material sind auf alle Sinne der Kinder ausgerichtet.

Die Klassen sind bei Montessori altersgemischt, weil "Kinder in einer Weise voneinander lernen, die kein Material und kein Erwachsener ersetzen kann".

An Montessorischulen werden unterschiedliche Modelle der Altersmischung verwirklicht. Es gibt die Mischung von zwei, drei oder vier Jahrgängen.

Auch dem Forscherdrang des Kindes, seiner wachsenden Vorstellungs- und Abstraktionskraft und seinem Bedürfnis nach sozialer Interaktion soll Rechnung getragen werden.

Die Arbeit in der Grundschule folgt dem Gedanken, dass Bildung keine Anhäufung von einzelnen Kenntnissen ist, sondern nur durch das Erfassen von Zusammenhängen erreicht wird. Das Bewusstsein vom Zusammenwirken aller Dinge und allen Lebens im Universum soll auf die Verantwortung für eben dieses Universum vorbereiten.

Montessori bezeichnet diesen für sie zentralen Erziehungsaspekt als "kosmische Erziehung".

Unumstritten war die "Methode Montessori" nie. Kritiker meinen immer wieder, das "weiche Lernen" sei vor allem auf Jüngere ausgerichtet, weniger auf ältere Schüler. Bemängelt wird auch immer wieder die vergleichsweise geringe Betonung der künstlerischen und ästhetischen Erziehung.

Dennoch sind einige Ideen der Montessori-Lehre, die vor 100 Jahren revolutionär waren, längst zu festen Bestandteilen der ...

... modernen Pädagogik geworden.

"Freizeitphasen" gibt es heute in vielen deutschen Schulen, auch altersübergreifender Unterricht ist längst sehr verbreitet.

Vor 100 Jahren mutete das Konzept Maria Montessoris schlichtweg atemberaubend an.

Heute hat es sich auf der ganzen Welt verbreitet. Überall spielen und lernen Kinder mit "Rosa Türmen" ...

... und Rechenrahmen, ...

... mit Bausätzen ...

... und Perlenmaterial. (Fotos: montessoricentenary.org, dpa, AP)

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