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In Köln ist das Historische Stadtarchiv komplett eingestürzt.
Ein angrenzendes Wohnhaus wurde ebenfalls völlig zerstört.
Von einem weiteren Wohnhaus steht praktisch nur noch die Hälfte.
Zwei Menschen werden in den Trümmern vermutet.
Dabei handelt es sich um zwei Männer, die die Dachgeschosswohnung eines an das Archiv angrenzenden Hauses bewohnten.
Berichte über zwei weitere, in einem Auto verschüttete Menschen bestätigten sich dagegen nicht.
Die meisten Bewohner der beiden angrenzenden Wohnhäuser ...
... sowie die Mitarbeiter des Stadtarchivs konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Mitarbeiter des Archivs hatten kurz vor dem Unglück am frühen Nachmittag des 3. März 2009in dem Gebäude Geräusche vernommen und daraufhin die Kollegen gewarnt.
Innerhalb von drei Minuten hatten die Archivmitarbeiter, Handwerker und Gäste das Haus verlassen.
Dann gab es, wie Augenzeugen berichten, einen "Riesenkrach". Eine mehrere Stockwerke hohe Staubwolke verhüllte die Straße.
"Die komplette Kreuzung war in dunklem Nebel."
Das mehrgeschossige Gebäude kollabierte auf einer etwa 30 Meter breiten Front an einer Hauptstraße.
Die Trümmer stürzten auch auf die Straße und eine nahe gelegene U-Bahn-Baustelle.
Die Bergungsarbeiten sind nach Angaben der Feuerwehr "sehr kompliziert und äußerst mühsam".
Die Versorgungsleitungen für Wasser und Gas wurden gesperrt.
Hunderte Helfer sind im Einsatz.
Das Gebiet ist weiträumig abgesperrt.
In der Nacht zum Mittwoch bahnten sich die Rettungskräfte einen Weg über die Rückseite des Geländes zu der Unglücksstelle.
Dazu wurden mehrere Garagen abgerissen und eine künstliche Rampe errichtet.
Räumfahrzeuge und ein Kran müssen zunächst die Dachreste der Nebengebäude abtragen, ...
... die auf die Trümmer zu stürzen drohen.
Hunderte Kubikmeter Beton wurden bereits in die Grube gepumpt, um die Unglücksstelle zu stabilisieren.
Erst dann kann mit der Suche nach den Vermissten begonnen werden.
"Wir arbeiten hier immer noch unter Lebensgefahr", sagt der Einsatzleiter der Feuerwehr Frank Stobbe.
Der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, spricht von einer "fatalen Situation".
"Weite Teile des Trümmerkegels sind derart gefährlich, dass Einsatzkräfte zurzeit nicht hinkönnen", sagte er bei n-tv.
"Selbst die Rettungshunde konnten nicht überall eingesetzt werden, weil es zu gefährlich gewesen wäre."
Dennoch hat Broemme noch Hoffnung für die Vermissten.
"Wir wissen aus Erdbebengebieten, dass es wundersames Überleben bis zu mehreren Tagen nach dem Einsturz von Gebäuden durchaus geben kann ...
... Es gilt also auch hier in Köln: die Hoffnung stirbt zuletzt ...
... Und vielleicht passiert ja noch ein weiteres Wunder in Köln."
Neben der Suche nach den Vermissten versuchen Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks zu retten, was an Archivmaterial zu retten ist.
Sie sind inzwischen zu einem weitgehend unbeschädigten Anbau des Archivs vorgedrungen, aus dessen Keller sie nun Archivmaterial bergen.
Die Akten, Dokumente und weiteres Archivmaterial werden dann in ein Zwischenlager gebracht, dort gesichtet und inventarisiert.
Die Einsturzstelle wird mit Planen abgedeckt, um das noch intakte Archivmaterial vor Regen zu schützen.
Nach ersten Erkenntnissen steht der Einsturz offenbar im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahn in der Südstadt.
Unter der Severinstraße wurde in den vergangenen Jahren die U-Bahn erweitert.
Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma stellt ummittelbar nach dem Unglück den Weiterbau der neuen U-Bahn-Linie unter der Altstadt infrage.
Es müsse grundsätzlich geprüft werden, ob man in Zukunft in bewohnten Städten U-Bahn-Bauten in einem solchen Ausmaß durchführen könne und solle.
"Es ist ja nicht das einzige Haus, das Risse zeigt und das Schäden zeigt", so Schramma in der ARD.
Der langjährige Abteilungsleiter des Archivs, Eberhard Illner, nannte das Unglück eine "absehbare Katastrophe".
Es habe deutliche Hinweise auf Schäden im Gebäude gegeben, sagte er dem "Kölner Stadtanzeiger".
Schon zuvor gab es Senkungsrisse im Mauerwerk.
"Da muss ein Ingenieur richtig einen an der Klatsche gehabt haben, wenn man solche Hinweise nicht ernst nimmt."
Die Kölner Behörden weisen die Vorwürfe zurück.
"Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind die Risse nicht die Ursache für den Einsturz", sagte Stadtsprecher Gregor Timmer.
Das Historische Archiv der Stadt Köln gilt als eines der größten und bedeutsamsten kommunalen Archive Deutschlands. Originaldokumente aus mehr als tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte wurden hier aufbewahrt.
In das nun eingestürzte Gebäude in der Südstadt zog das Stadtarchiv im Jahr 1971 ein. Das "Gedächtnis" der Stadt Köln umfasst 65.000 Urkunden ab dem Jahr 922, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate und rund eine halbe Million Fotos.
Daneben lagern im Archiv Hinterlassenschaften historischer Persönlichkeiten wie des Komponisten Jacques Offenbach und des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll (hier ein Brief Bölls an seine Eltern und Geschwister aus dem Jahr 1943).
Illner sprach davon, dass der Schaden erheblich größer als beim Brand der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek sei.
Es handele sich um ungefähr "18 Regalkilometer wertvollstes Archivgut", immerhin die komplette Überlieferung der Stadt Köln.
Volker Hingst, Leiter der Papierrestaurierung im Restaurierungszentrum Brauweiler vor den Toren Kölns, rechnet mit bis zu 30 Jahren für die Wiederherstellung der Dokumente.
"Eine ganze Generation von Papierrestauratoren wird sich damit beschäftigen müssen", schätzt Hingst.
Der Leiter des Archivamtes für Westfalen in Münster, Marcus Stumpf, zeigt sich pessimistisch."Für das deutsche Archivwesen ist das ein Super-Gau ...
... Der Schaden ist unermesslich." (Alle Bilder: AP / Reuters / dpa)
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