Mehr als Tomahawk und Federschmuck: Indianer - Ureinwohner Nordamerikas
Angemalte Krieger, Büffeljäger, Geistertänzer, Medizinmänner – schmuckreich bekleidet, mit Federn im Haar, in Zelten wohnend, durchs Unterholz schleichend und Friedenspfeife rauchend.
Angemalte Krieger, Büffeljäger, Geistertänzer, Medizinmänner – schmuckreich bekleidet, mit Federn im Haar, in Zelten wohnend, durchs Unterholz schleichend und Friedenspfeife rauchend.
Wer stellt sie sich so nicht vor: die Indianer?
Insbesondere die Abenteuerromane von Karl May und Filme wie "Der mit dem Wolf tanzt" prägen dieses Bild in Europa.
Doch die Realität hat damit kaum etwas zu tun.
Die Kultur der Indianer ist ebenso vielfältig und interessant wie ihre Geschichte.
Und das möchte die Ausstellung "Indianer - Ureinwohner Nordamerikas" im Lokschuppen in Rosenheim vom 8. April bis 6. November 2011 vermitteln.
Mit 600 Exponaten ist es die größte Ausstellung über die Indianerstämme, die es in Deutschland je gab.
Sie spannt einen Bogen vom ersten Kontakt zwischen Europäern und Ureinwohnern bis zur heutigen Situation der Indianer. Die blutigen Auseinandersetzungen etwa der Sioux mit den Weißen werden ebenso dokumentiert wie die Missionierung durch die Christen.
Die Schau zeigt dabei auch die Vielfalt der indianischen Kultur: von den Inuit im hohen Norden über die Sioux in der grasbewachsenen Prärie bis hin zu den Navajo oder Hopis im trockenen Wüstenklima.
Die Indianer sind alles andere als ein einheitliches Volk. Sie bestehen aus weit mehr als 1000 verschiedenen Stämmen mit völlig unterschiedlichen Sitten, Gebräuchen, Traditionen und schätzungsweise 500 verschiedene Indianersprachen in rund zwei Dutzend Sprachfamilien.
Erst nach der Kolonisierung durch die Europäer entwickelt sich im Laufe von 500 Jahren allmählich ein gemeinsames indianisches Bewusstsein.
Ihre Geschichte reicht jedoch bis weit vor die Kolonialisierung zurück: Als Ureinwohner der Vereinigten Staaten von Amerika besiedeln die Indianer das Land sowie das angrenzende Kanada, lange bevor Christopher Columbus Amerika 1492 wiederentdeckt.
Die Vorfahren der Indianer gelten als die ersten menschlichen Bewohner Amerikas und stammen hauptsächlich aus Asien. Sie kamen 40.000 vor Christus über die noch zugefrorene Behringstraße.
Sie leben zunächst als Jäger und Sammler fort, ernähren sich hauptsächlich von Bisons und Karibus.
Doch schnell entwickeln sie eine gewisse Infrastruktur und verschiedene Produktionszweige.
So sind die Kulturen des Nordens gekennzeichnet durch den Ackerbau, wie etwa der 4000 vor Christus beginnende Anbau von Kürbissen.
Auch der Gebrauch von Keramik, eine gewisse Sesshaftigkeit und früh einsetzender Fernhandel bestimmen das Leben der Stämme im Norden.
Im Süden führt dagegen eine regionale Bewässerungswirtschaft zu höheren Erträgen. Sie führen 3000 vor Christus zu städtischen Kulturen, die nach Norden bis an den Mississippi und in den Süden Kanadas ausstrahlen.
Aber auch so genannte Wildbeuterkulturen existieren daneben weiter.
Die Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch die Europäer im späten 15. Jahrhundert ist der Anfang vom Ende der Indianervölker.
Um 1500 leben auf dem Gebiet der heutigen USA und Kanadas schätzungsweise 7 Millionen Menschen.
Historiker formulieren folgende "Faustregel": Innerhalb von 100 Jahren nach dem ersten Kontakt mit Europäern reduzierte sich die Zahl der amerikanischen Ureinwohner um rund 90 Prozent.
So gehören um 1600 die Indianer bereits zur Minderheit. 300 Jahre später leben sogar nur noch rund 200.000 von ihnen in den USA, zusammengepfercht in Reservaten – ohne Privilegien und Rechte.
Erst 1924 erhalten die Indianer die Staatsbürgerschaft der USA.
Einerseits entvölkern die von den Europäern und Afrikanern unbewusst eingeschleppten, in Nordamerika unbekannten Krankheiten ganze Regionen.
Andererseits sterben viele Indianer in Kriegen, durch Vertreibung und Massaker.
Geradezu legendär ist die Schlacht am Wounded Knee im heutigen Bundesstaat South Dakota am 29. Dezember 1890.
Die US-Armee tötet in einem Massaker mehr als 300 Männer, Frauen und Kinder der Minneconjou-Lakota-Sioux-Indianer unter Häuptling Spotted Elk, auch Big Foot genannt (im Bild).
Das Massaker bricht den letzten Widerstand der Indianer gegen die Weißen. Es setzt aber auch einen Schlusspunkt der massiven Verbrechen gegen die indianische Bevölkerung.
1973 ist Wounded Knee wieder in aller Munde: Am 27. Februar besetzen Mitglieder der militanten Gruppe American Indian Movement den Ort und nehmen elf Geiseln.
Damit wollen sie die Absetzung des Stammesvorsitzenden von Pine-Ridge, Dick Wilson, erwirken, kapitulieren jedoch nach 71 Tagen.
Mehrere Menschen sterben durch den nächtlichen Beschuss des FBI. Auch in den Jahren danach kommen durch die Rache von Dick Wilson (M.) und seiner Anhänger 60 Menschen ums Leben.
Die geschichtlichen Ereignisse in Wounded Knee sowie die tragende Rolle der Indianer während der amerikanischen Revolution 1776 und deren Missionierung durch die Christen sind genauso Teil der Ausstellung in Rosenheim ...
... wie die Vielfalt ihrer Kulturen.
Deutlich wird dies zum Beispiel an den verschiedenen Formen des Kopfschmucks von der Federhaube ...
... bis zur einfachen Kappe.
Grundsätzlich hat die Kopfbedeckung der Indianer eine wichtige Symbolkraft.
So gelten Federn beispielsweise als Symbol der Sonne und des Sonnenstrahls.
Heute leben wieder so viele Indianer in den USA wie zu Zeiten der Kolonialisierung. Insbesondere in den letzten 100 Jahren hat sich das Volk erholt.
Nur ein Teil von ihnen lebt noch in den Reservaten, schätzungsweise eine Million.
Insgesamt leben in den Vereinigten Staaten heute wieder vier Millionen Menschen, die sich selbst als Indianer bezeichnen. (Text: Julia Kreutziger)


(Foto: ASSOCIATED PRESS)