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Samstag, 08. Juli 2017

Anklage sozialer Missstände: Käthe Kollwitz bezieht Stellung

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Ihre klagenden und politisch anklagenden Bilder machten sie berühmt: Käthe Kollwitz ist die wohl bekannteste deutsche Künstlerin des 20. Jahrhunderts. (Foto: picture alliance / dpa)

Ihre klagenden und politisch anklagenden Bilder machten sie berühmt: Käthe Kollwitz ist die wohl bekannteste deutsche Künstlerin des 20. Jahrhunderts.

Ihre klagenden und politisch anklagenden Bilder machten sie berühmt: Käthe Kollwitz ist die wohl bekannteste deutsche Künstlerin des 20. Jahrhunderts.

Kollwitz, geboren am 8. Juli 1867 in Königsberg, ist vor allem für ihre Darstellung sozialer Missstände bekannt, mit denen sie um die Jahrhundertwende in Berlin konfrontiert wurde.

Jahrzehntelang wohnte die Malerin, Grafikerin und Bildhauerin mit ihrer Familie im Stadtteil Prenzlauer Berg in der Weißenburger Straße direkt am Wörther Platz.

Straße und Platz tragen seit 1947 ihren Namen.

Auf dem Kollwitzplatz steht eine Bronzeplastik von Gustav Seitz. Die Künstlerin ist dort mit einer Zeichenmappe in der einen …

... und einem Kohlestift in der anderen Hand zu sehen.

Für den Simplicissimus malte Kollwitz "Die Bilder vom Elend", Alltagsszenen aus dem Arbeitermilieu, die um Obdachlosigkeit, Alkoholismus, Kindersterblichkeit, ungewollte Schwangerschaften und Tod kreisen.

Mit ihren Zeichnungen gab sie den Schwachen und Unterdrückten eine Stimme und prangerte die unwürdigen Verhältnisse an.

Vor allem die Nöte von Frauen und Kindern bildete sie ab.

Oft ließ sie sich auch von literarischen Vorlagen inspirieren, ihr Zyklus zu Gerhart Hauptmanns "Die Weber" machte sie 1898 in aller Welt berühmt. Auch bei "Germinal" von Émile Zola fand sie Anregung.

Kollwitz fertigte über 100 Selbstporträts an, die ihre unterschiedlichen Lebenssituationen und Gefühle widerspiegeln.

Meistens griff sie dafür zum Zeichenstift, …

... ein einziges Mal entstand eine Büste in Bronze.

Mit Ernst Barlach verband Kollwitz eine tiefe Freundschaft. Das Gesicht seines "Schwebenden Engel" erinnert an das der Künstlerfreundin.

Ein immer wiederkehrendes Thema bei Kollwitz sind Mütter, die um ihre toten Kinder trauern.

Im Ersten Weltkrieg verlor Kollwitz selbst ihren jüngsten Sohn Peter. Er fiel 1914 in der sogenannten Ersten Flandernschlacht und wurde auf dem Soldatenfriedhof im belgischen Vladslo beerdigt.

Dort steht Kollwitz' "Trauerndes Elternpaar". Es gilt als die bedeutendste Grabplastik des 20. Jahrhunderts. Mutter und Vater tragen die Gesichtszüge von Käthe und ihrem Mann Karl.

Den Verlust und das Leid der Zurückgebliebenen verarbeitete Kollwitz auch in ihrem Zyklus "Krieg".

Der Tod ihres Sohnes ließ Kollwitz zu einer überzeugten Pazifistin werden. Ihr Plakat "Nie wieder Krieg!" von 1924 gehört zu ihren berühmtesten Werken.

Ein Jahr zuvor hatte sie ein heute nicht minder bekanntes Plakat angefertigt: Im Auftrag der Internationalen Arbeiterhilfe zeichnete sie Kinder, …

... die leere Schalen in die Höhe strecken, um auf die Nachkriegsnot in Deutschland aufmerksam zu machen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Wohnung in der Weißenburger Straße ausgebombt. Kollwitz floh in den Rüdenhof in Moritzburg bei Dresden, …

... wo sie kurz vor Kriegsende am 22. April 1945 einen einsamen Tod starb.

Ihr Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin. Dort ist sie zusammen mit ihrem Mann und weiteren Familienangehörigen bestattet.

Hatten die Nazis Kollwitz im "Dritten Reich" mit einem Ausstellungsverbot belegt, wurde sie den Deutschen nach dem Krieg von den Alliierten als antifaschistisches Vorbild präsentiert, deren Werk von Tod und Leid, aber auch vom Aufbäumen gegen die herrschenden Verhältnisse erzählt.

Die Rezeption in den zwei deutschen Staaten unterschied sich stark voneinander: …

… Während Kollwitz in Westdeutschland vor allem als moralische Instanz anerkannt wurde, …

… feierte man sie in der DDR als Sozialistin. Kollwitz hatte sich Zeit ihres Lebens für den Kommunismus und die Sozialdemokratie interessiert und engagiert, war aber nie Mitglied einer Partei geworden.

Heute ist Kollwitz' Name unter anderem eng mit dem erinnerungspolitischen Deutschland verbunden: Im Zentrum der Neuen Wache in Berlin …

… steht seit 1993 ein vergrößerter Neuguss ihrer Kleinplastik "Mutter mit totem Sohn".

Der damalige Kanzler Helmut Kohl hatte das Werk persönlich für die "Zentrale Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" ausgesucht.

Die Wahl ist umstritten, da das christliche Motiv der "Pietà" nach Ansicht von Kritikern ein nur unzureichendes Symbol für das Massensterben und den Völkermord an Juden, Sinti und Roma darstellt.

Käthe Kollwitz hat unangefochten ihren Platz unter den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, ...

... ihre Büste steht unter anderem neben der von Thomas Mann, Georg Elser und Albert Einstein auf der "Straße der Erinnerung".

Dort am Spree-Bogen in Berlin-Moabit werden Menschen geehrt, die "Außergewöhnliches geleistet und in schwierigsten Zeiten vorbildliche Haltung bewiesen haben".

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