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Paris leert Canal Saint-Martin: Kanal entpuppt sich als schlammige Müllhalde

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Normalerweise schippern Touristenboote über den malerischen Canal Saint-Martin. An den Ufern sitzen bei schönem Wetter viele Pariser und genießen Wein und Snacks. (Foto: REUTERS)

Normalerweise schippern Touristenboote über den malerischen Canal Saint-Martin. An den Ufern sitzen bei schönem Wetter viele Pariser und genießen Wein und Snacks.

Normalerweise schippern Touristenboote über den malerischen Canal Saint-Martin. An den Ufern sitzen bei schönem Wetter viele Pariser und genießen Wein und Snacks.

Derzeit aber gibt der Kanal im Nordosten der französischen Hauptstadt ein eher unappetitliches Bild ab: Für eine Reinigung und Reparaturarbeiten wird er geleert und entpuppt sich dabei als schlammige Müllhalde.

Vier Monate lang wird die Stadt den fast 200 Jahre alten Wasserlauf wieder auf Vordermann bringen - für Schaulustige ein seltenes Spektakel.

Zu Wochenbeginn wurde am nördlichen Ende des Canal Saint-Martin eine große Metallbarriere eingelassen, um den Zufluss zu stoppen. Seitdem leert sich das Wasser - der Kanal fasst rund 90.000 Kubikmeter - in die weiter südlich gelegene Seine.

"Das ist eine sehr große Operation, die alle 15 Jahre stattfindet", erklärt Célia Blauel, die im Pariser Rathaus für Umwelt, Wasser und die Kanäle zuständig ist.

"Zuerst werden wir den Schlamm aus dem Kanal entfernen - vermutlich mehrere Tonnen."

Arbeiter in Fischerkleidung holen mit Netzen zudem aus dem Kanal massenhaft Fische heraus, die es aus eigener Kraft nicht in die Seine geschafft haben, und setzen sie später wieder aus.

Rund fünf Tonnen Fisch dürften es insgesamt werden - wie bei der letzten großen Kanalreinigung im Jahr 2001.

"Dann werden wir leider viel Müll aus dem Kanal ziehen müssen", sagt Blauel.

Tatsächlich tauchen mit sinkendem Wasserstand viele verschlammte Flaschen, Bierdosen, Koffer, Baustellenabsperrungen, Stühle und Einkaufswagen auf, ...

... sogar Motorroller werden sichtbar ...

... sowie die bekannten Pariser Mietfahrräder "Velib".

Gefunden wurde auch schon eine Schusswaffe.

Schaulustige, die von den Brücken aus auf den Kanal sehen, staunen über den angehäuften Schrott.

"Das ist unser Korallenriff", scherzt Christophe. Weniger poetisch drückt es ein kleines Mädchen aus: "Das ist ja ekelhaft", ruft sie ihrer Mutter zu.

Skurrile Entdeckungen wurden bereits vor 15 Jahren gemacht.

Damals zogen die Arbeiter unter anderem eine italienische Eismaschine, zwei Granaten aus dem Ersten Weltkrieg und zwei Tresore - wohlgemerkt leer - aus dem Kanalbecken. 40 Tonnen Müll kamen insgesamt zusammen.

"Leider ist der Kanal auch eine große Pariser Mülltonne", seufzt die Rathaus-Verantwortliche Blauel.

Napoléon ließ den Canal Saint-Martin Anfang des 19. Jahrhunderts bauen, um Paris mit Trinkwasser zu versorgen und den Warentransport mit Schiffen zu erleichtern.

1825 wurde der 4,5 Kilometer lange Kanal eingeweiht und schnell zu einer wichtigen Transportachse der Hauptstadt.

Heute sind auf dem Kanal, der auf rund der Hälfte seiner Länge unterirdisch verläuft, vor allem Touristenboote unterwegs.

Filmliebhaber sehen von ihnen aus unter anderem das berühmte "Hôtel du Nord", das durch den gleichnamigen französischen Kultfilm aus dem Jahr 1938 bekannt wurde.

Entlang des Kanals ist ein hippes Viertel mit Boutiquen und heißbegehrten Wohnungen entstanden, angesagte Bars und Restaurants ziehen jeden Abend ein vornehmlich junges Publikum an.

Das Viertel wurde auch zum Ziel der Attentäter vom 13. November: Mehrere der attackierten Bars und Restaurants, unter ihnen "Le Carillon", "Le Petit Cambodge" und das "Café Bonne Bière" liegen in unmittelbarer Nähe zum Kanal.

Für dessen Reinigung und Instandsetzung wird die Stadt 9,5 Millionen Euro ausgeben. Unter anderem werden acht der neun Schleusen repariert, auch die Brücken über den Kanal werden überprüft.

Um Schlamm und Müll aus dem geleerten Wasserlauf zu fischen, werden Traktoren eingesetzt.

Im Frühling sollen die Arbeiten abgeschlossen sein - die Pariser und Touristen können den Kanal dann wieder bei Sonnenschein und warmen Temperaturen genießen. (AFP)

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