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Panorama

"Ein ewiger Orgasmus": Karneval in Rio

 
Vergessen wir Mainz, ...

Vergessen wir Mainz, ...

... verdrängen wir Köln.

Und wärmen wir uns mit einem Blick nach Brasilien.

In Rio de Janeiro herrscht wieder Ausnahmezustand, ...

... und neidvoll müssen wir gestehen:

Schön ist's dort.

"Solange es in Brasilien Karneval gibt, wird es hier nie eine Revolution geben, ...

... das ist doch ein ewiger Orgasmus", stellte der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa 1999 fest.

Kein Wunder.

Tausende Sambatänzer und Tänzerinnen, Musiker und Sänger - ...

... viele von ihnen aus den Armenvierteln der Stadt - ...

... treten an Karneval vor der begeisterten Menge auf.

Die 12 besten Sambaschulen des Landes tanzen vor rund 70.000 Zuschauern im Sambadrom, ...

... das Star-Architekt Oscar Niemeyer entworfen hat.

Mehr als 5.000 Tänzer treten pro Formation in schillernden Kostümen auf selbstgebauten Flößen auf.

Dabei werden auch keine Kosten ....

.... und Mühen gescheut.

Allein von der Regierung bekommen die Sambaschulen jährlich mehrere Millionen Euro.

Die Sponsoren der legalen und illegalen Wirtschaft lassen sich ebenfalls nicht lumpen und zahlen Millionen, ...

... auch wenn in diesem Jahr wegen der Wirtschaftskrise das Geld etwas spärlicher fließt.

Allein ein Festwagen kostet umgerechnet rund 1,6 bis 2,4 Millionen Euro.

Jede Samba-Schule wählt jährlich ein bestimmtes Thema.

Entsprechend werden dann die Festwagen dekoriert ...

... und die Kostüme darauf abgestimmt.

Die meisten der prächtig kostümierten Prinzessinnen, ...

... Könige ....

... und Artisten haben das ganze Jahr über hart gearbeitet, ....

... um sich die Kostüme leisten zu können, die sie hier für wenige Stunden tragen.

Die Samba-Schulen sind dabei wie beim Fußball in vier Ligen aufgeteilt.

Jedes Jahr steigen zwei Schulen mit den besten Punktzahlen aus der Ersten Liga in die "Grupo Especial" auf.

Für die Gewinner der Grupo Especial gibt es einen Geldpreis.

Fast noch wichtiger ist jedoch die Ehre, Mitglied einer Gewinnerschule der Grupo zu sein.

Das Los bestimmt die Reihenfolge der einzelnen Paraden der Grupo Especial.

Die Schulen treten mit 3.000 bis 5.000 Teilnehmern an, aufgeteilt in 40 Gruppen mit 30 Festzugs-Wagen, ...

... die jeweils genau 90 Minuten Zeit für ihre Parade bekommen.

Die Paraden beginnen in der 700 Meter langen Arena des Sambodroms jeweils um 20.30 Uhr und dauern pro Festtag rund 12 Stunden.

Die letzten zwei Paraden werden bereits in der Morgendämmerung durchgeführt.

Am Aschermittwoch, gegen Mittag, findet dann die Punkte-Auszählung statt, ...

... die alle Fernsehsender des Landes live übertragen.

Bei der Siegesfeier wird - wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft - mit Feuerwerk und Freudenfesten die siegreiche Sambaschule gebührend gefeiert.

Auch die Zweit- und Drittplatzierten bekommen Geld in die Vereinskasse.

Entstanden ist der Karneval in Brasilien bereits im 17. Jahrhundert.

Damals erhielten die Sklaven das Recht, ....

... ein paar Tage im Jahr zu feiern ....

... und ihre Herren mit Liedern offen zu kritisieren.

Den befürchteten Aufständen sollte so vorgebeugt werden.

Heute ist der Karneval eine der größten Straßenpartys der Welt.

Millionen Zuschauer verfolgen die Paraden, ...

... sei es live oder im Fernsehen.

Sogar Präsident Luis Inacio Lula da Silva mischte sich in diesem Jahr als erstes brasilianisches Staatsoberhaupt seit 15 Jahren unter das Publikum.

Hunderttausende Touristen kommen jährlich zum Karneval in Rio - ...

... und das trotz der weit verbreiteten Kriminalität in der Metropole.

Polizeichef Fernando Veloso versicherte dennoch, Rio sei sehr gut vorbereitet.

Fast 10.000 Sicherheitskräfte bewachen die Parade.

Beim Karneval im vergangenen Jahr gab es allein offiziellen Angaben zufolge mehr als 1300 Raubüberfälle ...

... und 80 Morde.

Dennoch lassen sich die Besucher nicht abschrecken, ...

... obgleich noch vor anderen Gefahren gewarnt wird.

Auf einen gravierenden Kondommangel weisen immer wieder Nichtregierungs-Organisationen hin, ...

... auch wenn die Behörden Millionen kostenloser Kondome verteilen.

Was natürlich der katholischen Kirche ein Dorn im Auge ist, die ohnehin mit dem Rummel nicht viel anfangen kann.

"Luxus und Verschwendung kollidieren mit dem herrschenden Elend", beklagte Rio-Erzbischof Eugenio Sales.

Die verschwendeten Mittel wären besser angelegt, wenn man damit den im Stich gelassenen Straßenkindern oder den notleidenden öffentlichen Krankenhäusern helfen würde.

Doch solche Ermahnungen verhallen ungehört und halten die Brasilianer nicht von ihrem Fest der Feste ab. (Alle Fotos: AP / Reuters)

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