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Nicht nur Ostseeurlauber halten das miese Wetter nicht mehr aus, ...
... auch die Steilküste auf Rügen ...
... hat genug vom Regen: ...
... ein riesiges, rund 100 Meter langes Massiv nahe Sassnitz hält den Wassermengen nicht mehr Stand.
Rund 30.000 Kubikmeter Kreide rutschen am 13./14. August 2010 bis zu 50 Meter weit in die Ostsee.
Eigentlich gilt ein Kreideabbruch im Hochsommer als ungewöhnlich.
Meist brechen die Felsenstücke nach strengem Frost oder starkem Regen ab.
Die Ursache beim jüngsten Abbruch liegt demnach auch im langanhaltenden Regenwetter: Die Kreide weicht auf und wirkt wie Schmierseife.
Der Hang rutscht bis zu 70 Meter in die Tiefe, ...
... reißt ganze Bäume nebst Wurzelballen mit.
Auch das Wahrzeichen der Insel ist bedroht.
Am 118 Meter hohen Königsstuhl zeigen sich Risse.
Rügens Kreidefelsen-Steilküste erstreckt sich im Nordosten auf der Halbinsel Jasmund auf rund fünfzehn Kilometern Länge zwischen Sassnitz und Lohme.
Caspar David Friedrich machte "Die Kreidefelsen auf Rügen" mit einem Gemälde, das um 1818 entstand, weltberühmt. Das Werk sollte unter anderem die Beständigkeit seiner Liebe zu seiner Frau Caroline symbolisieren.
Doch die Kreideküste der größten Insel Deutschlands ist alles andere als beständig. Sie bröckelt immer wieder.
Als 1999 südlich der Wissower Klinken eine etwa 100 Meter breite Kreide-, Sand- und Lehmschicht sowie einige Bäume aus 60 Meter Höhe ins Meer gerutscht waren, zeigte sich die Ostseeküste weiß gefärbt.
Noch deutlicher fiel diese Färbung im Jahr 2005 aus, als zwei 20 Meter hohe Hauptzinnen der Wissower Klinken abstürzten.
Rund 50.000 Kubikmeter Kreide und mit ihnen eine große Touristenattraktion wurden bei dem spektakulären Abbruch in die Ostsee gerissen.
Ursache war der extreme Druck, den eiszeitliche Schichten auf die davor gelagerte Kreide ausgeübt hatten.
2008 kam es gleich mehrfach zu größeren Abbrüchen. Bei Sassnitz bröckelten im Januar rund 1000 Kubikmeter Kreideküste durch Frost und Tauwetter ab.
Die Abbruchgefahr dauerte an und viele Strände wurden für Spaziergänger gesperrt.
Im April 2008 stürzten dann auf 100 Metern Länge rund 20.000 Kubikmeter des Kreidefelsens ab. Danach machten sich Fossiliensammler auf den Weg.
Wieder einmal war das Wasser am Kreideabbruch milchig trüb, diesmal südlich des Kieler Bachs. Kreide und Mergel lagen am Fuß des Kliffes und wurden von der Ostsee-Brandung schließlich zerbröselt und weggetrieben.
Auch 2010 hat die Kreideküste bereits in den ersten Monaten des Jahres Verluste erlitten.
Im April blockierten Kreidebrocken und Bäume den Strand. Frost und darauf folgende warme Nässe hatten zu gefährlichen Abbrüchen geführt.
Im Juli 2010 löste sich etwa 150 Tonnen schwerer Brocken von der Küste.
Er hatte eine Fläche von 25 mal 5 Metern und war 4 Meter hoch.
Touristen hatten ein Donnern gehört und die Polizei alarmiert. Sie vermuteten, dass sich unterhalb der Abbruchstelle Spaziergänger befanden. Die daraufhin eingeleitete Suche blieb zum Glück erfolglos.
Rügener Kreide ist nicht nur eine touristische Attraktion.
Sie ist auch ein gefragter Rohstoff in der Industrie.
Der Kreideabbau auf der Insel blickt auf eine rund 200-jährige Geschichte zurück.
Auch als Heilstoff ist die Kreide stark im Kommen. Etwa drei Viertel der Wellness-Angebote auf der Insel stehen mit dem "weißen Gold" im Zusammenhang. Auf diese Weise können Touristen gefahrlos von der Kreide profitieren.
Denn von den Risiken, die eine Wanderung an der Steilküste birgt, werden Besucher ausdrücklich gewarnt.
Besonders im Winter und im Frühjahr sollte man Abstand von den Kreidefelsen halten. Doch wie zeigt, ist man auch im Sommer unterhalb der Felsen nicht immer auf der sicheren Seite.
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