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Wer kennt es nicht, das Münchner Oktoberfest?
Man muss noch nicht einmal da gewesen sein, um Bilder von einem der größten Volksfeste der Welt vor Augen zu haben.
Es zieht Besucher aus aller Welt an, vorwiegend aus Italien, Japan, Australien und den USA.
Seit den 1960er Jahren kommen jährlich über sechs Millionen Menschen zum Oktoberfest auf die Theresienwiese, weswegen das Fest auch "Wiesn" genannt wird. (1985 legte das Tourismusamt die Schreibweise ohne Apostroph fest.)
Dieses Jahr findet aber nicht irgendein Oktoberfest statt. Dieses Jahr gibt es mehr zu feiern als sonst: …
... Die Wiesn begeht ihr 200. Jubiläum.
200 Jahre Oktoberfest, das heißt …
… 200 Jahre Dirndl …
… und Lederhosen, …
… 200 Jahre spezielle Bierbraukunst und Maßkrüge (Löwnbräu um 1955), …
… 200 Jahre deutsche Küche, …
… 200 Jahre Party (Grußkarte 1895) ...
... in immer größer werdenden Festzelten, …
… 200 Jahre Gäste mit Rang (Jubiläumspostkarte 1910) …
… und Namen (Paris Hilton 2006) , …
… 200 Jahre Buden ...
... und Fahrgeschäfte, …
… 200 Jahre Kultur ...
... und Tradition - und vor allen Dingen ...
... 200 Jahre Wandel (Festbesucher 1890).
Die Vielfältigkeit des Oktoberfestes ist ein guter Grund für das Münchner Stadtmuseum, einen Blick in die historische und aktuelle Geschichte der Wiesn zu werfen.
"Das Oktoberfest 1810 bis 2010" ist die offizielle Begleitveranstaltung des Festjahres – eine Ausstellung, die noch bis zum 31. Oktober 2010 läuft.
Bunte Räume und Exponate sollen den Ausstellungsbesucher in den Wiesn-Bann ziehen und ihm die 200-jährige Geschichte näher bringen.
Auf einer Fläche von ca. 1.500 Quadratmetern wird der Wandel vom bayrischen Nationalfest monarchistischer Prägung (Festzug 1835) ...
... zum größten Bierfest der Welt mit bayrischem Antlitz veranschaulicht.
Oktoberfeste waren früher keine Seltenheit in Bayern. Sie dienten dazu, das eingelagerte Märzenbier vor Beginn der neuen Brausaison zu trinken. Die Tradition des Münchner Oktoberfestes auf der Theresienwiese beginnt allerdings 1810 anlässlich der Hochzeit des bayrischen Kronprinzen Ludwig ...
… mit Prinzessin Therese von Sachsen Hildburghausen. Seitdem heißt die Theresienwiese auch Theresienwiese.
Fünf Tage nach der Vermählung findet am 17. Oktober 1810 zu Ehren des Brautpaares ein Pferderennen auf eben dieser Wiese statt - die Wiesn ist geboren.
Zu Beginn ist das Oktoberfest hauptsächlich von einer feierlichen Stimmung durch die Anwesenheit des bayrischen Königshauses geprägt (Oktoberfest um 1845).
Pferderennen, Preisfahnen für die Gewinner der Schießwettbewerbe oder Viehprämierungen des Zentralwirtschaftsfestes gehören über 100 Jahre zum festen Bestandteil des Oktoberfestes.
Um 1900 wandelt sich der Charakter der Wiesn. Das Schaustellergeschäft findet mehr und mehr Zuspruch (Achterbahn Wilde Katze).
So kommt 1910 beispielsweise das Teufelsrad auf. Es ist eine liegende Drehscheibe, auf welcher sich die Besucher so lange wie möglich halten sollen. Mitarbeiter dieses Fahrgeschäfts versuchen dabei mit Hilfe eines Strohsacks, die Teilnehmer herunterzukegeln oder sie mit einem Lasso herunterzuziehen.
Auch die Parade beim Schichtl - benannt nach dem Gründe Michael August Schichtl (1851-1911) - entsteht. In kurzen Vorstellungen werden Zaubereien und Kuriositäten gezeigt.
Heute gibt es an die 200 Schaustellerbetriebe auf der Wiesn. Davon sind 80 Fahrgeschäfte (Schild des Karussells Moonlift).
Die Wiesn macht um1900 aber auch einen weiteren Wandel durch: Sie beginnt sich zum heutigen Bierfest zu entwickeln.
Übrigens ist das Münchner Oktoberfest auch das einzige Volksfest, das einen Flohzirkus bietet. Besonders Kinder erfreuen sich jährlich an einer Mannschaft aus 60 Flöhen.
Die Münchner Brauereien entdecken das Fest für sich und ihren weltweiten Vertrieb ...
... und beginnen mit ihrer massiven Plakatwerbung.
Aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit können sich die Brauereien die neuen großen Festzelte leisten und werden für den Festveranstalter, die Stadt München, zu einem zuverlässigen Partner.
Frühere Wiesnwirte wie dem "Bayrischen Herkules", Steyrer Hans, ...
... oder Rennmeister Bader werden zunehmend mit Bierkrügen gesehen und für die Ewigkeit festgehalten.
Zum 100. Jubiläum des Oktoberfestes wird größerer Aufwand betrieben: Eine Festzeitschrift erscheint, ...
... das Fest wird größer, die Platzgestaltung aufwändiger.
Neben Grußpostkarten von 1910 zeigt das Münchner Stadtmuseum ...
... ein neun Meter langes Kolossalgemälde, welches das Eingangsportal auf der Theresienwiese ziert.
Während des Ersten Weltkrieges steht die Berg- und Talbahn still, das Oktoberfest findet nicht statt. Der Fortbestand des Volksfestes steht mit dem Ende der Monarchie sogar auf der Kippe.
Außer im Zweiten Weltkrieg findet die Wiesn immer mal wieder als sogenanntes Herbstfest statt.
Die Nationalsozialisten nutzen das Event während der 1930er Jahre überraschenderweise nicht für politische Interessen und Propagandazwecke.
1950 wird die Wiesn wieder mit dem traditionellen Fassanstich eröffnet - erstmal von Münchens Oberbürgermeister. Mit seinem Ruf "Ozapft is!" geht der allgemeine Festbetrieb noch heute los.
Aber auch neue Elemente und Initiativen halten Einzug. Der Trachten- ...
... und Schützenzug mit 8000 Teilnehmern und sieben Kilometern Länge am ersten Wiesn-Sonntag wird ein fester Bestandteil des Oktoberfestes.
In den 60er Jahren steigt der Bierkonsum der Besucher von drei Millionen auf 6,5 Millionen Liter. Die Ausstellung widmet dem Thema Bier einen ganzen Raum. Besucher erhalten Antworten auf Fragen wie: Wann wurde welches Bier bevorzugt?
Seine traurigste Stunde erlebt das Oktoberfest am 26. September 1980, als 13 Menschen bei einer Bombenexplosion am Haupteingang der Theresienwiese ums Leben kommen. 211 werden zum Teil schwer verletzt. Der Anschlag gilt als der schwerste Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Seitdem gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.
Der diesjährige Fassanstich findet am 18. September statt. Dann laden Schausteller und Festzelte wieder zum größten Volksfest der Welt ein. Die Begleitausstellung läuft schon jetzt. (Text: Julia Kreutziger)
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