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Unbeugsamer, menschlicher Geist: Kunst aus dem Holocaust

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Es sind Bilder, die unter unmenschlichen Bedingungen entstanden. (Foto: Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem, Leo Breuer, Pfad zwischen den Baracken, 1941)

Es sind Bilder, die unter unmenschlichen Bedingungen entstanden.

Es sind Bilder, die unter unmenschlichen Bedingungen entstanden.

Jüdische Häftlinge malten sie zwischen 1939 und 1945 in Konzentrationslagern, Gettos und Arbeitslagern - im Geheimen.

Bedřich Fritta versteckte seine Bilder in Theresienstadt, bevor er 1944 in Auschwitz starb.

Jacob Lipschitz steckte seine Bilder in Tongefäße und vergrub sie auf einem Friedhof.

Unter dem Titel "Kunst aus dem Holocaust" sind im Deutschen Historischen Museum in Berlin derzeit 100 Bilder, Zeichnungen und Grafiken aus der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem zu sehen.

Es ist das erste Mal, dass eine so große Anzahl von Kunstwerken außerhalb Israels gezeigt wird.

Anfangs hätten sie gezögert, ob sie die Bilder verleihen könnten, sagt Avner Shalev, der Vorsitzende der Gedenkstätte.

71 Jahre nach Kriegsende sind die Werke nun in Deutschland angekommen. Zum richtigen Zeitpunkt, so Shalev, denn die Ausstellung ermögliche "eine seltene Begegnung zwischen dem heutigen Publikum und denen, die die Shoah durchlebt haben."

"Jedes dieser Werke ist sowohl ein lebendiges Zeugnis aus dem Holocaust als auch eine Bekräftigung eines unbeugsamen, menschlichen Geistes."

Unter Lebensgefahr beschafften sich die Menschen Arbeitsmaterialien, funktionierten beispielsweise einen Kartoffelsack zur Leinwand um ...

... und leisteten malend und zeichnend inmitten von Barbarei einen geistigen Akt des Widerstandes.

Von den 50 Künstlern, deren Werke in Berlin präsentiert werden, wurden 24 von den Nationalsozialisten ermordet.

Viele von ihnen ahnten, dass sie in den Lagern ums Leben kommen würden. Sie alle hatten die Hoffnung, "dass etwas für die nächsten Generationen überleben wird", so Kuratorin Eliad Moreh-Rosenberg.

Die Motive reichen von Porträts …

… über die Darstellung der tagtäglichen Brutalität …

… bis zur Erschaffung idyllischer Gegenrealitäten. Das Bild der zwei Mädchen in gepunkteten Kleidern, die über eine Wiese laufen, stammt von Nelly Toll.

Als sie die Szene mit acht Jahren malte, lebte sie mit ihrer Mutter in einer kleinen Kammer, in der sie sich vor den Nationalsozialisten versteckten. "Die Charaktere auf dem Papier wurden meine Freunde", so Toll.

Sie ist die einzige der ausgestellten Künstler, die noch am Leben ist. In Berlin trifft sie auf Angela Merkel, die die Schau eröffnet.

In ihrer Rede erzählt die Kanzlerin, dass sie davon gelesen habe, dass jedes einzelne Kunstwerk aus einer großen Sammlung herausgelöst und liebevoll für den Transport verpackt worden sei.

Begleitet von der Angst, dass etwas auf dem Weg kaputtgehen könne, seien die Bilder in zwei Gruppen nach Deutschland gebracht worden. "Falls etwas passiert, dass nicht alles Schaden nimmt", sagte Merkel. "Das hat mich sehr berührt."

Mit der Kunst sei es möglich, etwas von der Kraft und dem Leiden der Menschen zu spüren, so die Kanzlerin. "Die Bilder zeigen uns einen Alltag jenseits der Alltäglichkeit."

Die Ausstellung kann bis zum 3. April 2016 im DHM in Berlin besucht werden. (kse/dpa)

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