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Sonntag, 05. Januar 2014

Englische Wörter, die keine sind: "Lieber ein halber Ami als ein ganzer Nazi"

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Viele Deutsche kennen viele englische Vokabeln - und manchmal sogar mehr als Engländer oder US-Amerikaner: Denn die deutsche Sprache ... (Foto: imago/Westend61)

Viele Deutsche kennen viele englische Vokabeln - und manchmal sogar mehr als Engländer oder US-Amerikaner: Denn die deutsche Sprache ...

Viele Deutsche kennen viele englische Vokabeln - und manchmal sogar mehr als Engländer oder US-Amerikaner: Denn die deutsche Sprache ...

... ist voll von englischen Ausdrücken, die in den USA oder Großbritannien kein Mensch kennt. Da kann es sehr schnell zu Verwirrungen kommen - etwa, wenn man den Verkäufer in New York nach einem "Basecap" fragt. Der wird nur fragend dreinschauen - denn ...

... "Basecap" ist ein typisches englisches Wort, das gar kein Englisch ist - ein sogenannter Scheinanglizismus ...

... oder auch Pseudoanglizismus. Es gibt eine ganze Reihe von vermeintlich englischen Wörtern, die nur Deutsche kennen - und die Verwirrung ist oft groß.

Sprachpuristen ärgern sich über diese Wörter und ihre Verwendung - dabei können Engländer und US-Amerikaner gar nichts dafür. Sie ahnen oft nicht einmal, welche sprachlichen Eier sich die Deutschen selbst ins Nest legen.

Oldtimer und Happy End, ...

... Beamer und eben Basecap - so etwas gibt es im Englischen gar nicht oder es bedeutet ...

... etwas ganz anderes. "Beamer" ist Slang für etwas sehr Deutsches: für einen BMW!

Der Projektor heißt in den USA schlicht "Projector".

Oldtimer nennt man im englischsprachigen Raum antique car oder vintage car - old-timer ...

... bedeutet "alter Mann".

Und Basecap? Das ist eine Zierleiste, die es im Baumarkt gibt.

Das erfolgreichste Wort dieser Art ist "Handy" (englisch für praktisch, nützlich, handlich). Das Wort ist in Deutschland schon längst die häufigste Bezeichnung für ein Mobiltelefon.

Kein Wunder, ist es doch kurz und prägnant - aber eben falsch. Denn wenn es ein deutsches Wort ist, müsste man es eigentlich "Händy" schreiben. Derartige Versuche gab es sogar, sie sind aber längst Geschichte.

In englischsprachigen Ländern heißt das Gerät mobile phone oder auch cell phone.

"Viele Deutsche haben das Bedürfnis zur Benennung der Welt nicht ihre eigene Sprache, sondern die ihrer Kolonialherren zu verwenden", poltert der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer.

"Die Londoner 'Times' hat das einmal als 'linguistic submissiveness' (sprachliche Unterwürfigkeit) bezeichnet. Wenn man bösartig wäre, könnte man auch Arschkriecherei sagen." Gegen die Übernahme ...

... fremder Ausdrücke sei nichts einzuwenden - so lange sie sinnvoll sei. "Davon kann aber im Verhalten der Deutschen zum Englischen überhaupt keine Rede sein." Dieses ...

... sei eine Flucht, so Krämer: "Für viele ...

... ist ihr Denglisch eine Art selbst gemachter Kosmopolitenausweis nach dem Motto 'Lieber ein halber Ami als ein ganzer Nazi'".

Dabei können die vermeintlich englischen Wörter zuweilen für große Verwirrung sorgen. Millionen Deutsche ...

... amüsieren sich beim Public Viewing? In den USA ist ...

... Public Viewing die Aufbahrung von Leichen im offenen Sarg. Ähnlich makaber ist es mit dem "Body Bag" - ein Begriff, ...

... mit dem ein Händler ernsthaft einen Rucksack anpries. In englischsprachigen Ländern ...

... ist das schlicht ein Leichensack.

"Viele Pseudoanglizismen sind so integriert, dass man sie gar nicht mehr sieht", sagt der Sprachwissenschaftler Joachim Grzega. "'Showmaster' wurde damals von Rudi Carrell erfunden, ...

... 'zappen' für Umschalten kennen nur wir Deutschen, aber ...

... der 'Home Trainer' hat es sogar ins Niederländische geschafft."

Andere könnten dies allerdings auch: Franzosen und Italiener etwa sagten "Footing" zu dem, was die Deutschen "Jogging" nennen, so Grzega.

Die Schuldigen sieht Grzega gerade in der Werbung. "Da haben uns Leute klipp und klar gesagt: ...

... Uns ist egal, ob das Quatsch ist, aber es klingt cool."

"Ich war sehr verwirrt, als ich meine Schüler nach ihren Berufen fragte", erzählt Cindy Grant. Die New Yorkerin gibt in Kassel einen Erwachsenenkurs für Englisch und eine Schülerin sagte stolz, dass sie Streetworkerin sei.

In den USA ist das ähnlich klingende Streetwalker die Umschreibung für eine Prostituierte. Grant war sehr überrascht: "Ich dachte erst, wow, dass die Europäer da offener sind, wusste ich, aber das ... wow!" Erst ein Mitschüler mit USA-Erfahrung löste das Missverständnis. (abe/dpa)

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